Zwischen Farbeimer und Fußball-Bundesliga

Zum einen führt er einen Handwerksbetrieb mit elf Mitarbeitern, zum anderen lenkt er die Geschicke eines Fußball-Bundesligavereins: Erich Korherr aus Hartberg zeigt, wie unternehmerisches Denken im Profifußball zum Erfolgsfaktor wird – und warum beides enger zusammenhängt, als man oft meinen mag.

Wenn man über wirtschaftlichen Erfolg spricht, denkt man selten an Fußballfunktionäre. Und wenn man über Bundesliga-Manager spricht, selten an Malermeister. Doch genau diese ungewöhnliche Kombination macht die Geschichte von Erich Korherr so spannend. Der 1967 geborene Hartberger hat es geschafft, zwei anspruchsvolle Welten miteinander zu verbinden – und dabei sowohl unternehmerisch als auch sportlich nachhaltige Strukturen aufzubauen.

Unternehmerische Erfahrung

Korherrs Werdegang beginnt klassisch im Handwerk. Nach seiner Lehre im Bereich Maler- und Anstreicher sowie Werbetechnik absolvierte er die Meisterprüfung und sammelte früh unternehmerische Erfahrung. 2005 übernahm er schließlich den elterlichen Betrieb und entwickelte ihn konsequent weiter.

Ein Mann vor zahlreichen Farbeimern
Fußball und Farbeimer bestimmen den größten Teil des Lebens von TSV Hartberg-Obmann Erich Korherr. Foto: Mayer

Heute steht sein Unternehmen für ein breites Leistungsspektrum: von Fassadensanierungen über Innenmalerei bis hin zu historischen Restaurierungen und spezialisierten Bodenmarkierungen. Elf Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb – eine Größe, die persönliches Management und klare Strukturen erfordert.

Arbeit mit Menschen

Gerade diese Mischung aus Bodenständigkeit und Spezialisierung ist es, die Korherrs wirtschaftlichen Ansatz prägt. Er setzt auf Qualität, regionale Verankerung und langfristige Kundenbeziehungen. „Man arbeitet immer mit Menschen“, lautet einer seiner zentralen Leitsätze – ein Prinzip, das sich wie ein roter Faden durch seine Karriere zieht.

Acht Männer in Arbeitsbekleidung vor drei Kleinbussen.
Malermeister Erich Korherr (4. v. l.) mit einem Teil seines motivierten Teams. Foto: Mayer

Denn parallel zur Unternehmensführung entwickelte sich auch seine zweite große Leidenschaft: der Fußball. Seine ersten Schritte machte er beim Heimatverein in Greinbach – zunächst als Spieler, später als Funktionär. Der entscheidende Wendepunkt kam 2012 mit seinem Einstieg beim TSV Hartberg. Was zunächst als Engagement im sportlichen Bereich begann, entwickelte sich rasch zu einer Führungsrolle.

Professionelles Management

Gemeinsam mit dem damaligen Obmann Franz Grandits verantwortete Korherr die sportliche Ausrichtung des Vereins. Es folgten drei Jahre als sportlicher Leiter unter Jürgen Rindler – eine Phase, in der er zentrale Erfahrungen im professionellen Fußballmanagement sammelte. Seit 2018 ist Korherr selbst Obmann des Vereins und gleichzeitig Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH – eine Doppelrolle mit hoher Verantwortung.

Egal ob als Malermeister oder als Obmann des TSV Hartberg Fußball; man arbeitet immer mit Menschen.“ Erich Korherr

Seine Aufgaben gehen dabei weit über repräsentative Tätigkeiten hinaus. Korherr ist hauptverantwortlich für die Kaderplanung, führt Verhandlungen mit Spielern, Trainern und Managern und vertritt den Verein bei Bundesligasitzungen. Besonders bemerkenswert: seine Tätigkeiten erfolgen ehrenamtlich. Was in großen Vereinen oft auf mehrere hochbezahlte Positionen verteilt ist, bündelt sich in Hartberg in wenigen Händen.

Ruhig, ausgeglichen und dankbar

Dass dieses Modell funktioniert, liegt auch an Korherrs Führungsstil. Er beschreibt ihn selbst als ruhig, ausgeglichen und dankbar – Eigenschaften, die sowohl im Handwerk als auch im Profisport von entscheidender Bedeutung sind. Mitarbeiterführung ist für ihn kein abstraktes Konzept, sondern tägliche Praxis: auf der Baustelle ebenso wie in der Kabine.

Zwei Männer vor einer Sposorenwand
Mit Torhüter Tom Ritzy Hülsmann, der vom FC Bayern München geholt wurde, ist Erich Korherr ein echter Glücksgriff gelungen. Foto: TSV Hartberg Fußball

Interessant ist dabei, wie stark sich beide Welten gegenseitig beeinflussen. Der Fußball dient im Geschäftsalltag oft als Türöffner – Gespräche entstehen leichter, Vertrauen wächst schneller. Gleichzeitig profitiert der Verein von Korherrs unternehmerischem Denken: Effizienz, klare Entscheidungswege und ein realistischer Umgang mit Ressourcen sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Zahlreiche Höhepunkte

Diese Kombination zeigte sich besonders in den größten Erfolgen des TSV Hartberg. Der Durchmarsch von der Regionalliga bis in die Bundesliga zählt ebenso dazu wie der Klassenerhalt im ersten Jahr in der höchsten Spielklasse. Auch das Cupfinale 2025 in Klagenfurt bleibt als emotionaler Höhepunkt in Erinnerung. Doch nicht nur sportlich, auch organisatorisch wurden Meilensteine gesetzt – etwa der Umbau der Profertil Arena zu einem bundesligatauglichen Stadion, umgesetzt unter hohem Zeitdruck und mit starker regionaler Beteiligung.

Langfristiger Entwicklungsprozess

Natürlich verlief dieser Weg nicht ohne Rückschläge. Der Abstieg in die Regionalliga, das verlorene Cupfinale oder Zweifel an der Lizenzfähigkeit nach dem Aufstieg zeigen, wie fragil Erfolg im Profisport sein kann. Gerade hier zahlt sich Korherrs unternehmerische Perspektive aus: Krisen werden nicht emotional überhöht, sondern als Teil eines langfristigen Entwicklungsprozesses verstanden.

Ein Mann in blauem T-Shirt blickt in die Kamera.
Erich Korherr: „Ruhig, ausgeglichen, demütig und dankbar für den Erfolg.“ Foto: Summerer

Blickt man nach vorne, bleibt Korherr ambitioniert – allerdings ohne Größenwahn. Sein Ziel ist es, den Verein langfristig in der Bundesliga zu etablieren und perspektivisch internationale Startplätze zu erreichen. Gleichzeitig liegt ein starker Fokus auf Infrastruktur: ein modernes Trainingszentrum und verbesserte Stadionbedingungen sollen die Basis für nachhaltigen Erfolg bilden.

Klare Prioritätensetzung

Auffällig ist dabei seine klare Prioritätensetzung. Würden unbegrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, würde Korherr nicht in spektakuläre Transfers investieren, sondern in Strukturen: Nachwuchsarbeit, Infrastruktur und ein stabiles Umfeld. Es ist genau diese Denkweise, die ihn als Unternehmer auszeichnet – und die im schnelllebigen Fußballgeschäft oft fehlt.

Am Ende ist es vielleicht genau diese Verbindung aus Leidenschaft und Pragmatismus, die Korherrs Erfolg erklärt. Für ihn ist Fußball mehr als ein Geschäft: Es geht um Emotion, Gemeinschaft und Identität. Gleichzeitig weiß er, dass nachhaltiger Erfolg nur auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament möglich ist.

Oder anders gesagt: Während andere zwischen Wirtschaft und Sport trennen, hat Erich Korherr verstanden, dass beides längst zusammengehört.

Erich Korherr

geboren am 7. August 1967

wohnhaft in Hartberg

Beruf: Malermeister, Leitung der Firma Malerei Korherr in Greinbach bei Hartberg mit elf Mitarbeitern.

Hobby: Vereinsobmann beim TSV Hartberg Fußball und Geschäftsführer der TSV Hartberg Spielbetriebs-GmbH.

Lieblingsverein nach dem TSV Hartberg: FC Bayern München

Lieblingstrainer: Pep Guardiola (Manchester City)

Lieblingsspieler: Harry Kane (FC Bayern München)

Alfred Mayer
Alfred Mayer
Autor | Steiermark
Ressorts: Nah | Fern, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich

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