Wenn in Admont frühmorgens der Duft von frisch gebackenen Mehlspeisen durch den Ort zieht, dann ist klar: Die Café Konditorei Stockhammer hat geöffnet. Zu verdanken haben das Fans von frischer Backware zwei besonders mutigen Frauen, die für ihre Tatkraft nun auch ausgezeichnet wurden.
Seit Jahrzehnten ist die Konditorei Stockhammer Fixpunkt für Einheimische und Gäste im Gesäuse – und seit 2024 schreiben zwei Frauen dort ein neues Kapitel regionaler Wirtschaftsgeschichte. Anita Reichenfelser und Birgit Blamauer haben den Traditionsbetrieb übernommen und führen ihn mit Bodenständigkeit und Mut weiter.
Beide kennen das Unternehmen seit vielen Jahren. Anita Reichenfelser begann vor über 30 Jahren ihre Lehre als Konditorin im Hause Stockhammer. Nach Stationen in Bruck und St. Gallen kehrte sie 2006 nach Admont zurück, wo sie heute mit großer handwerklicher Erfahrung die Backstube leitet. Birgit Blamauer kommt ursprünglich aus dem Hotel- und Gastgewerbe, arbeitete nach ihrer Ausbildung unter anderem in der Küche, bevor sie 2005 in die Konditorei Stockhammer wechselte. Dort blieb sie – zunächst im Service, jetzt auch in Organisation und Buchhaltung.
Fotos: Tritscher
Als aus Skepsis Entschlossenheit wurde
Die Entscheidung zur Übernahme fiel nicht leicht. Als der frühere Besitzer ankündigte, den Betrieb zu seiner Pensionierung verkaufen zu wollen, war die erste Reaktion beider skeptisch. Zu präsent waren die Herausforderungen der vergangenen Jahre – insbesondere die Corona-Pandemie, in der monatelang kaum Einnahmen möglich waren. Doch als erste Interessenten auftauchten, die statt einer Konditorei andere gastronomische Konzepte verfolgten, begann ein Umdenken. „Da merkst du plötzlich, was auf dem Spiel steht“, erzählen sie. Die Gespräche wurden intensiver, Ideen konkreter, Informationen bei der Wirtschaftskammer eingeholt. Schließlich war klar: Wenn jemand den Betrieb weiterführen soll, dann Menschen, die ihn leben. Dass der Schritt in die Selbstständigkeit längst eine echte Option ist, belegen auch die Zahlen aus der Steiermark.
„Wennst was Gutes hineintust, kommt was Gutes heraus.“ Anita Reichenfelser und Birgit Blamauer
Das bekannte Gesäusekipferl

Bewahrt wurde, was den Stockhammer ausmacht. Allen voran das berühmte Gesäusekipferl – entstanden aus einer adaptierten Rezeptur des klassischen Zaunerkipferls aus Bad Ischl und heute kulinarisches Aushängeschild. Es wird nicht nur im Café serviert, sondern auch auf umliegenden Schutzhütten und in Partnerbetrieben. Ebenso wichtig: das Kaffeehausflair. Viele Stammgäste kommen seit Jahren. Gebacken wird weiterhin mit Maschinen, die teilweise seit 40 Jahren im Einsatz sind – ehrliches Handwerk ohne Backmischungen oder Fertigprodukte.
Gleichzeitig setzen die neuen Inhaberinnen behutsam neue Akzente. Moderne, kleine Törtchen ergänzen das klassische Sortiment, saisonale Früchte und Säfte gewinnen an Bedeutung. Der Anspruch bleibt dabei unverändert: Qualität beginnt bei den Zutaten. „Wennst was Gutes hineintust, kommt was Gutes heraus“, lautet ihr Leitsatz.
Mehrere Auszeichnungen
2024 wurden die Beiden von der Marktgemeinde Admont bei der Ehrung „Bewegende Menschen“ als Newcomer nominiert. Dass dieser Weg auch wirtschaftlich überzeugt, zeigte sich ebenso eindrucksvoll beim Follow-me-Award der Wirtschaftskammer. Mit 1459 Stimmen im Online-Voting holten sich Anita Reichenfelser und Birgit Blamauer 2025 den ersten Platz in der Kategorie „Familienexterne Nachfolge“. Eine Auszeichnung, mit der sie anfangs kaum gerechnet hatten. „Wir haben uns nicht viel gedacht“, erzählen sie lachend.
Trotz Auszeichnungen und Verantwortung sehen sich die beiden nicht als klassische Chefinnen. Sie verstehen sich als Teil des Teams. Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören aktuell zum Betrieb. Das Stammpersonal ist eingespielt, Personalprobleme kennt man hier kaum. „Auch wenn wir nicht da sind, läuft alles. Das ist ein gutes Gefühl“, sagen sie. Gemeinsames Mittagessen, Lachen und „Kudern“ gehören genauso zum Alltag wie konzentriertes Arbeiten.

„Gut durchkommen“
Für die Zukunft wünschen sich Reichenfelser und Blamauer vor allem Kontinuität: das traditionelle Kaffeehaus erhalten, die Backstube in ihrem Charakter bewahren, Arbeitsplätze im Ort sichern – und selbst gut durchkommen. Wachstum um jeden Preis ist kein Ziel. Vielmehr geht es um Stabilität, regionale Verankerung und Freude an der Arbeit.
Selbstständigkeit als echte Option
Im ersten Halbjahr 2025 wagten 2742 Personen den Weg in die Selbstständigkeit – der zweithöchste jemals gemessene Halbjahreswert. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, steigender Kosten und anhaltender Turbulenzen bleibt die Gründungsdynamik damit auf hohem Niveau. Das unternehmerische Potenzial im Land ist deutlich spürbar, wird jedoch noch nicht in vollem Umfang ausgeschöpft. Dies zeigt die vom Wirtschaftsbund Steiermark beauftragte und vom Institut für Demoskopie & Datenanalyse (IFDD) durchgeführte Studie „Unternehmerradar Steiermark“.
Ein erheblicher Teil der Steirerinnen und Steirer bringt grundsätzlich die Bereitschaft und Fähigkeiten für unternehmerisches Handeln mit, der Schritt in die tatsächliche Gründung wird oft hinausgezögert. Potenzielle Gründerinnen und Gründer wünschen sich vor allem rasche und einfache Behördenwege, verlässliche Kundennachfrage, rechtliche Klarheit sowie leistbare Abgaben in der Anfangsphase. Kurz: weniger Bürokratie, mehr finanzielle und rechtliche Sicherheit und bessere Orientierung.
Die Umfrage dient dem Wirtschaftsbund als fundierte Grundlage, um künftig jene Maßnahmen zu entwickeln, die Menschen beim Schritt in die Selbstständigkeit wirklich unterstützen. „Wir wollen jene begleiten, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen. Vom ersten Funken einer Idee bis zu einer fundierten Entscheidung – wir schaffen dafür die Basis. Niemand soll auf diesem Weg allein dastehen“, so Wirtschaftsbund-Direktor Jochen Pack.
Konditorei Stockhammer
Hauptstraße 346
8911 Admont
Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch bis Freitag: 8:30 – 17:30 Uhr (im Sommer bis 18:30 Uhr)
Samstag: 9:00 – 17:30 Uhr
Sonntag: 10:00 – 17:30 Uhr
Dienstag Ruhetag
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