Zwei Bundesländer rücken zusammen

Rund zweieinhalb Monate vor dem Start der Koralmbahn präsentieren sich Kärnten und die Steiermark als neue dynamische Wirtschaftsregion „AREA SÜD“. Gemeinsam will man künftig über Grenzen hinweg auftreten.

Das wurde auch bei einer Veranstaltung in Wien deutlich, zu der die Wirtschaftskammern beider Bundesländer geladen hatten. Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Sozialpartnerschaft diskutierten dort die Chancen dieses Jahrhundertprojekts. „Ziel ist es, den durch die Bahn entstehenden Ballungsraum als gemeinsamen Wirtschaftsraum international zu positionieren“, erklärten die beiden WKO-Präsidenten Josef Herk (Steiermark) und Jürgen Mandl (Kärnten).

Entstehung eines neuen Ballungsraums

Das Wiener Justizcafé über den Dächern des Parlaments bot den Rahmen für die Präsentation der AREA SÜD. Mit der Koralmbahn entsteht ein Wirtschaftsraum, der ein knappes Drittel Österreichs umfasst: 1,8 Millionen Menschen, 150.000 Betriebe und 770.000 Beschäftigte erwirtschaften dort rund 70 Milliarden Euro.

„Für Kärnten ist das ein echter Quantensprung“, Jürgen Mandl.

Die Fahrzeit zwischen Graz und Klagenfurt verkürzt sich auf 45 Minuten. Laut WKO-Studien wird das einen starken Impuls für die Standortentwicklung setzen. Unter der neuen Dachmarke „AREA SÜD“ soll der Ballungsraum – nach Wien der zweitgrößte Österreichs – auch international Akzente setzen.

Sabine Herlitschka und Daniela Müller-Mezin werden fotografiert
Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende Infineon, mit Daniela Müller-Mezin, Obfrau der Sparte Information und Consulting in der WKO Steiermark und GF u.a. von Müllex-Umwelt-Säuberung-GmbH und Jerich Trans. Foto: Florian Wieser

Chancen und Erwartungen der Betriebe

Eine gemeinsame Umfrage der Wirtschaftskammern Steiermark und Kärnten unter 1.085 Mitgliedsbetrieben zeigt: 90 Prozent sehen die verstärkte Kooperation positiv. Als wichtigste Chancen gelten höhere Arbeitskräftemobilität (61 %), bessere Erreichbarkeit (59 %) und ein Bedeutungsgewinn der Regionen (52 %).

„Mit der Graz-Klagenfurt-Achse entsteht der zweitgrößte Ballungsraum des Landes“, Josef Herk.

Gefragt nach politischen Maßnahmen nannten die Befragten vorrangig den Ausbau der Infrastruktur (67 %), die Vereinheitlichung von Landesgesetzen (57 %) und einen gemeinsamen Markenauftritt (51 %). Genau dafür wurde die Dachmarke AREA SÜD geschaffen.

Forderungen an die Politik

Ganz oben auf der Agenda stehen der neue Bosruck-Eisenbahntunnel, die Weiterentwicklung der Güterverkehrszentren, eine Güterverkehrsstraße zur Wörthersee-Umfahrung, der viergleisige Ausbau Graz–Bruck an der Mur sowie Lärmschutzmaßnahmen entlang der Wörthersee-Trasse.

Die Wirtschaftskammern haben dazu gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern eine Maßnahmenagenda erarbeitet. Sie umfasst Infrastruktur, Deregulierung, Energieversorgung, Bildungsangebote, Kinderbetreuung und Tourismusvermarktung.

Moderatorin Claudia Reiterer mit Josef Herk und Jürgen Mandl
Moderatorin Claudia Reiterer im Austausch mit Josef Herk und Jürgen Mandl zur AREA SÜD. Foto: Florian Wieser

Stimmen der Präsidenten

Josef Herk betonte: „Für den Süden Österreichs ergibt sich durch die Koralmbahn eine Jahrhundertchance. Entlang der Achse Graz–Klagenfurt entsteht der – neben Wien – zweitgrößte Ballungsraum des Landes. Jetzt gilt es, eine gemeinsame Agenda umzusetzen, um den Wirtschaftsraum zu einem Vorzeigestandort in Europa zu machen.“

Auch Jürgen Mandl unterstrich die Bedeutung des Projekts: „Mit der Koralmbahn wächst zusammen, was zusammengehört. Kärnten und die Steiermark bilden künftig einen wirtschaftlichen Ballungsraum, der einzigartig in Österreich ist. Für Kärnten ist das ein echter Quantensprung – wir sind nicht länger peripher, sondern mittendrin in einem neuen Zentrum wirtschaftlicher Dynamik.“

Fotos: Florian Wieser

Isabella Schöndorfer
Isabella Schöndorfer
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