Zauberkunst wird häufig auf einfache Unterhaltung oder Kinderprogramme reduziert. Der Fröhlich Zauberkongress zeigte jedoch, welchen kulturellen und wirtschaftlichen Wert die Branche entfalten kann. Rund 400 ZauberkünstlerInnen aus 15 Nationen machten Bad Aussee fünf Tage lang zu einem internationalen Treffpunkt der Magie – und sorgten zugleich für mehr als 2.000 Nächtigungen sowie beträchtliche regionale Wertschöpfung.
Wer bei Zauberkunst ausschließlich an Kartentricks, Zauberkästen oder Kindergeburtstage denkt, unterschätzt eine international vernetzte Branche. Hinter einer professionellen Illusion stehen kreative Entwicklung, handwerkliches Können, aufwendige Technik, präzise Dramaturgie und jahrelanges Training. Auch wirtschaftlich ist die Kunstform keineswegs bedeutungslos: Große Kongresse bringen KünstlerInnen, VeranstalterInnen, TechnikerInnen, HändlerInnen und FachbesucherInnen zusammen und erzeugen Nachfrage in Hotellerie, Gastronomie, Handel und zahlreichen Dienstleistungsbereichen.
Zu den wichtigsten Treffpunkten der Szene zählen die Blackpool Magic Convention in England, die als weltweit größter jährlich stattfindender Zauberkongress gilt, sowie die Weltmeisterschaft des internationalen Dachverbandes FISM. Las Vegas steht für spektakuläre Großillusionen, das Magic Castle in Hollywood – auch oft als „Mekka der Magier“ bezeichnet – gilt als exklusives Zentrum der Zauberkunst. Doch auch eine vergleichsweise kleine Stadt im steirischen Salzkammergut hat sich mittlerweile einen Platz auf der internationalen Landkarte der Magier gesichert: Bad Aussee.

400 Teilnehmer, 15 Nationen
Vom 9. bis 13. September versammelten sich beim diesjährigen Fröhlich Zauberkongress rund 400 ZauberkünstlerInnen aus zahlreichen Ländern. Der Schwerpunkt lag auf Österreich, Deutschland und der Schweiz, TeilnehmerInnen kamen jedoch auch aus weiteren europäischen Staaten sowie aus Japan oder China.
Auf dem Programm standen Seminare, Workshops, Wettbewerbe, Fachvorträge und insgesamt sieben Galavorstellungen einschließlich mehrerer Late-Night-Shows. Rund 30 internationale KünstlerInnen waren für den Kongress engagiert worden. Ein großer Teil des Programms richtete sich ausschließlich an die teilnehmenden FachbesucherInnen. Mit ausgewählten öffentlichen Vorstellungen wurde die Zauberkunst jedoch auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.
Zu den Höhepunkten zählte die Familienshow des bekannten Illusionisten Alexander Krist. Der Künstler, dessen Produktionen in München bereits mehr als 200.000 BesucherInnen erreichten, verband in Bad Aussee große Illusionen mit Humor und unmittelbarer Nähe zum Publikum. Für internationale Aufmerksamkeit sorgte zudem die Europapremiere von „Magic of Africa – Ubuntu Illusions“. Junge KünstlerInnen des College of Magic aus Kapstadt kombinierten dabei Zauberkunst, Artistik, Rhythmus und Tanz. Nach dem Auftritt in Bad Aussee führte die Tournee zu weiteren Stationen in Österreich.

Mehr als 2.000 Nächtigungen

Für die Region war der Kongress weit mehr als ein kulturelles Ereignis. Mehr als 2.000 Nächtigungen und eine geschätzte regionale Wertschöpfung von über 200.000 Euro machten die wirtschaftliche Dimension deutlich. Die rund 400 TeilnehmerInnen, KünstlerInnen sowie MitarbeiterInnen hielten sich mehrere Tage im Ausseerland auf. Sie benötigten Unterkünfte, besuchten gastronomische Betriebe, kauften in der Region ein und nahmen verschiedene Dienstleistungen in Anspruch.
„In erster Linie profitieren natürlich Hotellerie und Gastronomie“, erklärte Hanno Rhomberg, Präsident des Magischen Rings Austria. Die Wirkung reiche allerdings über die eigentlichen Veranstaltungstage hinaus. Viele TeilnehmerInnen hätten das Ausseerland erst durch den Kongress kennengelernt. Manche verlängerten ihren Aufenthalt oder kehrten später gemeinsam mit ihren Familien zurück.
Damit erfüllte die Veranstaltung auch eine touristische Funktion: Internationale Gäste wurden auf eine Region aufmerksam, die ihnen zuvor vielfach nicht bekannt war. Kongresse können gerade außerhalb klassischer touristischer Spitzenzeiten zusätzliche Auslastung schaffen und neue Zielgruppen erreichen. Der Fröhlich Zauberkongress verband dabei das Fachprogramm mit dem kulturellen und landschaftlichen Profil des Ausseerlandes.
Eine genaue Zahl der an regionale Unternehmen vergebenen Aufträge lasse sich laut Rhomberg nicht seriös beziffern. Der Veranstalter bemühe sich jedoch, möglichst viele Leistungen vor Ort einzukaufen. Dazu gehörten Hotelübernachtungen, Gastronomie, Catering, Technik sowie Kongressgeschenke. Zu den Partnerbetrieben zählten neben dem Tourismusverband Ausseerland-Salzkammergut und dem Kur- und Congresshaus unter anderem das Café Lewandofsky, das JUFA Hotel, das Hotel Erzherzog Johann und das Unternehmen Ritter Licht. Kooperationen bestanden außerdem mit dem Narzissenfestverein sowie in der Vergangenheit mit dem Kammerhofmuseum und dem Literaturmuseum Altaussee.
Hunderte ehrenamtliche Arbeitsstunden
Veranstalter des Kongresses ist der Magische Ring Austria, der österreichische Dachverband der Zauberkunst und Vertreter Österreichs im Weltverband FISM. Hinter dem fünftägigen Programm stand jedoch keine große Kongressagentur. Der gemeinnützige Verein verfügt über keine hauptamtlichen Mitarbeiter. Vom Vorstand bis zu den Helfern wurde die Veranstaltung ehrenamtlich organisiert.

Insgesamt waren 30 Personen oder „Verrückte“, wie Rhomberg sie nennt, heuer im Einsatz. Die zentralen organisatorischen Aufgaben lagen bei einem fünfköpfigen Kernteam. Dieses kümmerte sich um KünstlerInnenverträge, Reiseplanungen, Zimmerkontingente, Ticketing, Werbung, Technik, Kommunikation und die Betreuung der internationalen Gästeschaar. Zwei Monate vor dem Kongress begann die intensive Arbeit an Regie-, Licht- und Ablaufplänen. Der Aufbau im Kur- und Congresshaus startete drei Tage vor Veranstaltungsbeginn. Bis zum Eintreffen der ersten TeilnehmerInnen waren bereits mehrere Hundert Arbeitsstunden geleistet worden.
Die Finanzierung stützte sich vor allem auf die Teilnahmegebühren der FachbesucherInnen und die Einnahmen aus den öffentlichen Vorstellungen. Einen wesentlichen Beitrag leisteten auch die Gemeinde und der Tourismusverband, insbesondere bei den Kosten für das Kur- und Congresshaus und die erforderliche technische Infrastruktur.

Live-Erlebnis in einer digitalen Welt
MagierInnen gehörten eigentlich schon immer zu den Ersten, die neue Technologien für ihre Kunst nutzten. Elektrizität, Magnetismus oder mechanische Entwicklungen wurden von ihnen teilweise bereits eingesetzt, als sie für große Teile der Bevölkerung noch etwas völlig Neues waren. Heute ist künstliche Intelligenz ein großes Thema, sagt Rhomberg. KI selbst grenzt für viele Menschen bereits an Zauberei. Gleichzeitig wird die Grenze zwischen echter, live vorgeführter Zauberkunst und digital erzeugten oder nachbearbeiteten Effekten im Film und in sozialen Medien immer schwerer erkennbar.
Nachwuchsarbeit in Bad Aussee
Auch der Nachwuchs spielte in Bad Aussee eine wichtige Rolle. Neben dem College of Magic aus Kapstadt wurde ein steirisches Jugendprojekt eingeladen. Junge MagierInnen erhielten dadurch die Möglichkeit, internationale KünstlerInnen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und Einblicke in eine mögliche berufliche Laufbahn zu gewinnen. Eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Zauberkünstler oder zur Zauberkünstlerin gibt es in Österreich nicht. Viele beginnen im Selbststudium, lernen über Fachliteratur, Vereine, Seminare oder mittlerweile auch über digitale Plattformen.
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Zum Artikel →Der Beruf ist anspruchsvoll und wirtschaftlich ähnlich unsicher wie viele andere künstlerische Berufe. „Ich rate deshalb jungen Menschen immer zu einer guten schulischen oder beruflichen Ausbildung und dazu, Zauberkunst zunächst ernsthaft als Hobby zu betreiben. Wenn daraus später eine professionelle Karriere entsteht, ist das wunderbar – aber man sollte eine solide Basis haben“, so Rhomberg.
Er selbst hat relativ spät ernsthaft mit der Zauberkunst begonnen. Bei einem Aufenthalt in den USA sah er einen Straßenkünstler, der ohne ein einziges Wort zu sprechen, sein Publikum – und auch ihn – völlig in seinen Bann zog. Das hat ihn fasziniert. Er suchte daraufhin Fachliteratur und begann im Selbststudium Zauberkunststücke zu lernen und später auch eigene Ideen und Routinen zu entwickeln. Es folgten eigene Auftritte, später das Engagement im Magischen Zirkel, die Zertifizierung als Juror für den Weltverband und die Organisation von Zauberkongressen.

Zukunft hängt am Ehrenamt
Seit dem ersten Kongress im Jahr 2019 hat sich Bad Aussee zu einem festen Treffpunkt der österreichischen und internationalen Zauberszene entwickelt. Ausschlaggebend waren die zentrale Lage, die touristische Infrastruktur und die enge Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband, dem Kur- und Congresshaus sowie den Gemeinden. Auch die Geschichte spielte eine Rolle: Namensgeber Joseph Fröhlich wurde 1694 in Altaussee geboren und war später als Hofnarr, Taschenspieler und Zauberkünstler am Hof Augusts des Starken in Dresden tätig.
Trotz der positiven Entwicklung ist die Zukunft des Kongresses nicht selbstverständlich, denn Rhomberg, der 2018 die Leitung des Magischen Ring Austria übernommen und Bad Aussee als festen Kongressstandort aufgebaut hatte, kündigte seinen Rückzug aus dem Vereinsvorstand an. Die entscheidende Frage sei nun, wer bereit sei, die Verantwortung und das teilweise persönliche finanzielle Risiko einer solchen Großveranstaltung ehrenamtlich zu übernehmen.
Der Fröhlich Zauberkongress hat gezeigt, dass Zauberkunst nicht nur Staunen erzeugt. Sie bringt Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammen, fördert den fachlichen Austausch und schafft konkrete wirtschaftliche Impulse. Ob Bad Aussee auch künftig regelmäßig zum internationalen Treffpunkt der Magier wird, hängt daher weniger von einem Zaubertrick als von tragfähigen Partnerschaften, finanzieller Absicherung und engagierten Menschen ab.
