Wo der Plan Pause macht

Ich komme in die Südsteiermark, um die Golden Hill Country Chalets & Suites kennenzulernen. Drei Tage Aufenthalt, ein Blick auf das Konzept, das Haus. Den Laptop habe ich trotzdem dabei, eine To-do-Liste im Kopf – vielleicht, um zwischendurch zu arbeiten, denke ich. Was ich nicht einplane: dass dieser Ort mir den Takt vorgibt – und nicht umgekehrt.

Schon die Ankunft in den Golden Hill Country Chalets & Suites hat etwas Entschleunigendes. Kein klassisches Hotel, kein Empfangstresen, keine geschäftige Lobby. Stattdessen ein leiser Moment des Übergangs. Ein Gong erklingt zur Begrüßung – ruhig, fast feierlich. Es ist ein kleines Detail, aber eines, das sofort signalisiert: Hier gelten andere Regeln.

Die Anlage liegt oberhalb von St. Nikolai im Sausal, mitten in der Südsteiermark. Eine Region, die oft als mediterran beschrieben wird – und tatsächlich fühlt es sich auch so an. Sanfte Hügel, Weinberge, Lavendel, Zypressen.

Auf rund 15.000 Quadratmetern Park verteilen sich sechs Chalets und ein Loft. Dazwischen: ein 600 Quadratmeter großer Naturschwimmteich, Wege, Rückzugsorte, kleine Plätze, die man erst nach und nach entdeckt, wie beispielsweise die Champagner- und Zigarren-Lounge – ein Outdoorwohnzimmer der Extraklasse. Es ist kein weitläufiges Resort im klassischen Sinn, sondern eher ein bewusst gestalteter Rückzugsraum. Überschaubar, ruhig, fast privat. Ein Private Hideaway eben.

Parkanlage. Vorne ein großer Natur-Schwimmteich, hinten ein paar Chalets.
Der Naturschwimmteich. Links der Fitnesskubus, dahinter die Chalets. Foto: Golden Hill

Ich betrete mein Chalet, stelle den Laptop ab – und klappe ihn für den Rest meines Aufenthalts nicht mehr auf.

Architektur, die nicht laut sein muss

Was sofort auffällt, ist die Atmosphäre. Viel Holz, warme Farben, natürliche Materialien. Die Chalets sind in ökologischer Vollholzbauweise errichtet, was nicht nur nachhaltig ist, sondern auch spürbar. Heimeliger, weicher. Gleichzeitig ist alles hochwertig, durchdacht, ästhetisch.

Tausend liebevolle Details stecken in diesem Ort. Nichts wirkt zufällig, aber auch nichts überinszeniert. Es ist eher eine stille Form von Luxus. Jedes Chalet verfügt über ein eigenes Private Spa – Sauna, Badewanne, Rückzugsbereiche.

Draußen setzt sich dieses Konzept fort. Der Naturbadeteich, ein Fitness- und Saunakubus – aus upgecycelten Containern gebaut. Auch hier zeigt sich ein Grundgedanke, der sich durch alles zieht: Nachhaltigkeit ist kein Zusatz, sondern integraler Bestandteil. Erdwärme, Luftwärme, Solarenergie und eine Photovoltaikanlage mit 50 kWp decken etwa die Hälfte des Strombedarfs, der Rest kommt aus Naturstrom. Alte Bausubstanz wurde bewusst erhalten und integriert.

Unser Chalet „Silberfuchs“. Fotos: Tritscher

Das Loft

Ein besonderer Ort innerhalb dieses Ensembles ist das einzigartige Loft. Es gilt als Herzstück. 300 Quadratmeter, lichtdurchflutet, mit einer 21 Meter langen Glasfront, die den Blick weit über die Landschaft öffnet. Davor ein eigener Infinity-Naturbadeteich, zusätzlich ein 12 mal 3 Meter großer Infinity-Pool.

Altes Gebäude. Vorne ein Schwimmteich und ein Infinity-Pool. Abendaufnahme.
Das Loft mit Infinity-Naturschwimmteich und -Pool. Foto: Golden Hill

Alltag ohne Zeitdruck

Das Frühstück wird direkt in die Chalets gebracht. Zwischen 7 und 18 Uhr – ein Detail, das viel über das Konzept aussagt. Kein Zeitdruck, kein Buffet, kein Muss. Stattdessen ein gedeckter Tisch, regionale Produkte, frisches Brot. Auch sonst gibt es kaum feste Abläufe. Wer möchte, bleibt für sich. Wer möchte, kommt ins Gespräch.

Auch am Abend bleibt man für sich, wenn man möchte. Gastgeberin Barbara Reinisch kocht selbst, bringt auf Wunsch ein mehrgängiges Menü direkt ins Chalet. Dienstag und Freitag gibt es Private Dining – jeder Gang auf Haubenniveau, serviert im eigenen Raum. Kein Restaurant, kein Geräuschpegel. Nur Essen, Ruhe und der Blick hinaus in die Landschaft. Es ist eine Form von Privatheit, die man so selten erlebt.

Gastgeber, die den Ton setzen – ohne laut zu sein

Mann und Frau in Sommerklamotten. Zwischen ihnen ein Gong.
Die Gastgeber: Barbara und Andreas Reinisch. Foto: Golden Hill

Barbara und Andreas Reinisch sind das Zentrum dieses Ortes. Barbara, ursprünglich aus Klagenfurt, kümmert sich um die Kulinarik und viele dieser kleinen, persönlichen Momente. Andreas war Unternehmer, verkaufte seine Firma – die GFW Gesellschaft für Werbemittelverteilung – und kaufte vor Jahren dieses Grundstück. Drei Hektar Land, damals noch weitgehend ungenutzt.

Nach seinem Unternehmertum beschäftigte sich Andreas Reinisch intensiv mit nachhaltigem Wirtschaften, war unter anderem an der Entwicklung von TRIGOS Österreich beteiligt, einer Auszeichnung für verantwortungsvolles Wirtschaften. Für ihn ist Nachhaltigkeit kein Trend, sondern eine Form von Verantwortung – „Enkelverantwortung“, wie er es nennt.

Geschichte im Mauerwerk

Altes Haus. Oben mit Altholz verziert. Am Dach ein Fuchs-Statue
Der Fuchs am Dach jedes Chalets. Foto: Tritscher

Diese Haltung spiegelt sich im gesamten Projekt wider. Aus einem alten Bauernhaus wurde ein Chalet im Landhausstil, aus einem Stall ein Weinkeller, aus einem Heustadl mit Rinder- und Schweinestall das heutige Loft. Die alten Mauern aus Kalkstein – mit sichtbaren Muscheleinschlüssen aus einem längst vergangenen Urmeer – wurden bewusst erhalten. Der Vulgoname des Hofes ist „Steinfuchs“. Die Fuchssymbolik zieht sich durch: Jedes Chalet trägt einen Fuchs auf dem Dach, farblich passend – Silberfuchs, Rotfuchs, Steppenfuchs.

Seit der Eröffnung im Jahr 2015 hat sich das Projekt weiterentwickelt. 2025 feierten die Reinischs das zehnjährige Jubiläum, inzwischen gibt es mehr als 30 Auszeichnungen, darunter zuletzt ein neuer internationaler Award – der „DACH Spa Award“. Trotzdem bleibt die Anlage bewusst klein. Sieben Einheiten insgesamt. Keine Expansion um jeden Preis.

Viele Gäste kommen wieder. Rund die Hälfte sind Stammgäste, erzählt man mir. Manche bleiben nur ein Wochenende, andere mehrere Wochen. Es gibt sogar einen kleinen Paddock beim Chalet „Goldfuchs“ – einige Gäste reisen mit Pferd an.

Fotos: Tritscher

 

Longevity – Gesundheit als Konzept

Neben dem klassischen Rückzug gibt es auch Angebote, die stärker in Richtung Gesundheit und Zukunftsfähigkeit gehen. Unter dem Begriff „Longevity“ werden Programme angeboten, die sich mit Lebensqualität, Vitalität und langfristiger Gesundheit beschäftigen. Es geht nicht nur darum, länger zu leben, sondern besser.

In Zusammenarbeit mit medizinischen und sportwissenschaftlichen Experten – etwa einer Longevity-Ärztin und einem Performance-Coach – entstehen Programme, die Diagnostik, Training und Regeneration verbinden. Das siebentägige Retreat richtet sich vor allem an Menschen ab 40, die ihre Gesundheit aktiv gestalten wollen. Infusionstherapien, Bewegungsanalysen, Stressmanagement – kombiniert mit Rückzug und Ruhe.

Fitnessraum mit Ergometer, Rudergerät. Ausblick auf die Weinberge.
Der Fitnesskubus aus upgecycelten Containern fügt sich unaufgeregt in die Parklandschaft ein. Foto: Tritscher

Luxus, der leise bleibt

Am zweiten Tag merke ich, wie sich mein innerer Rhythmus verschiebt. Ich stehe später auf, frühstücke länger, denke weniger in To-do-Listen. Der Laptop bleibt geschlossen. Stattdessen gehe ich durch den Park, in die Sauna, lese viel und lasse Zeit verstreichen.

Am dritten Tag wird mir klar, dass genau das der eigentliche Luxus ist: nicht das Angebot, nicht die Ausstattung, nicht einmal die Architektur. Sondern die Möglichkeit, loszulassen.

„Wenn es den Gästen gefällt, ist das der größte Lohn“, sagen Barbara und Andreas Reinisch.

Als ich abreise, ist mein Laptop immer noch unberührt…

Golden Hill Country Chalets & Suites

Waldschach / Steinfuchsweg 2

8505 St. Nikolai im Sausal

 

+43 650 35 059 36

welcome@golden-hill.at

www.golden-hill.at

 

Tina Tritscher
Tina Tritscher
Autorin | Steiermark
Ressorts: Life | Style, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich
tritscher@mut-magazin.at

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