Mit einem Standortabkommen bis 2030 will die Unternehmervertretung gemeinsam mit dem Land und den Sozialpartnern die Weichen für eine stabile, innovative und lebenswerte Zukunft Kärntens stellen. Der Schulterschluss ist bewusst langfristig angelegt – und soll über politische Zyklen hinaus Planungssicherheit schaffen.
Schon am Tag nach der Wahl von Landeshauptmann Daniel Fellner im Kärntner Landtag trudelte in dessen Regierungsbüro Post von WK-Präsident Jürgen Mandl ein. Neben einem herzlichen Willkommensgruß in der neuen Funktion beinhaltete das E-Mail auch einen Vorschlag mit Folgewirkung: Das Angebot eines weitreichenden Standortabkommens. Im Zentrum steht eine klare Botschaft: Der Wirtschafts- und Lebensstandort Kärnten soll gestärkt werden – durch mehr Wettbewerbsfähigkeit, gezielte Innovation und eine konsequente Ausrichtung auf Beschäftigung und Wertschöpfung.
Industrie, Innovation, Investition
Eine erste Skizze des Abkommens, die M.U.T. vorliegt, formuliert dafür nicht nur eine gemeinsame Vision, sondern auch konkrete Handlungsfelder, die von Wirtschaft und Politik gleichermaßen getragen werden. Ein wesentlicher Fokus liegt auf Innovation und industrieller Stärke: Leitbetriebe sollen gezielt unterstützt, regionale Wertschöpfungsketten ausgebaut und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschung intensiviert werden. Parallel dazu setzt das Abkommen auf eine aktive Gründungskultur: Start-ups sollen bessere Rahmenbedingungen vorfinden, um sich in Kärnten zu entwickeln und zu wachsen.

Mehr Arbeitskräfte braucht das Land
Mindestens ebenso zentral ist das Thema Fachkräfte. Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften gilt aufgrund des anhaltenden „Brain drain“ und des demografischen Wandels als eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Das Abkommen reagiert darauf mit einem Bündel an Maßnahmen: von der Stärkung der dualen Ausbildung über gezielte Qualifizierungsprogramme bis hin zur Förderung von Erwerbsbeteiligung und qualifizierter Zuwanderung. Auch das Bildungssystem soll stärker auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts abgestimmt werden – insbesondere im Bereich der MINT-Kompetenzen.
Digitalisierung als Querschnittsmaterie
Ein weiterer Schlüsselbereich ist die Infrastruktur. Große Projekte wie die Koralmbahn oder der Ausbau zentraler Logistikachsen werden als Rückgrat für wirtschaftliches Wachstum gesehen. Ergänzt wird das durch Investitionen in den öffentlichen Verkehr sowie in digitale Netze – Stichwort Breitband und flächendeckende Digitalisierung. Überhaupt zieht sich das Thema Digitalisierung quer durch das gesamte Abkommen: von der Modernisierung der Verwaltung bis zur Unterstützung von Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit als wirtschaftlicher Faktor verstanden – etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien und die Förderung klimafreundlicher Produktionsweisen.
Mehr Tempo durch Deregulierung
Neben inhaltlichen Schwerpunkten setzt das Standortabkommen auch auf strukturelle Verbesserungen. Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsverfahren und eine serviceorientierte Verwaltung sollen den Standort insgesamt attraktiver machen. Flankiert wird das durch eine stärkere internationale Positionierung Kärntens im Alpen-Adria-Raum sowie durch aktives Standortmarketing.

…Kontrolle ist besser
Damit die ambitionierten Ziele nicht bloß Absichtserklärungen bleiben, sieht das Abkommen klare Mechanismen vor: Ein gemeinsamer Standortbeirat – eventuell in Verbindung mit dem bestehenden Wirtschaftspolitischen Beirat des Landes –, regelmäßige Abstimmungen, messbare Zielindikatoren und jährliche Fortschrittsberichte sollen Transparenz und Verbindlichkeit sicherstellen.
Lebensqualität sichern
Das Standortabkommen ist damit mehr als ein politisches Programm. Es ist der Versuch Mandls, unabhängig von den bevorstehenden Wahlgängen in den Gemeinden (2027) und im Land (2028) eine gemeinsame strategische Linie für die Zukunft Kärntens zu definieren – getragen von Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern. Gelingt die Umsetzung, könnte es zu einem entscheidenden Hebel werden, um Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität im Land nachhaltig zu sichern.
