Am 19. September beginnt das diesjährige Oktoberfest in München. Wenn auf der Wiesn gefeiert und getanzt wird, gehört die passende Trachtenmode dazu. Für Manuela Hofer ist sie das ganze Jahr über Beruf und Leidenschaft: Mit ihrem Label „Wildstelle“ in Gröbming (Bezirk Liezen) setzt die Schneiderin auf eigene Entwürfe, individuelle Fertigung und Produktion in Österreich.

Welche Möglichkeiten hat ein kleines Trachtenlabel, sich neben etablierten Marken zu behaupten? Manuela Hofers Antwort liegt in der persönlichen Betreuung und im Spielraum für individuelle Wünsche. Ihre Kundinnen und Kunden suchen zunehmend Kleidung, die zum eigenen Typ passe und sich von gängiger Massenware unterscheide, beobachtet die Unternehmerin. Stoffe auswählen, Farben abstimmen, die Passform verändern: Bei Wildstelle gehören solche Entscheidungen zum Geschäftsmodell.
Von der Schneiderlehre zum eigenen Label
Das handwerkliche Fundament dafür legte die gebürtige Henndorferin während ihrer Schneiderlehre in Salzburg. Ihre damalige Chefin stattete unter anderem Trachtenmusikkapellen und Bräute aus. Hofer lernte dabei früh, unterschiedliche Anforderungen an Schnitt und Verarbeitung zu berücksichtigen und Aufträge für größere Gruppen abzuwickeln. Später arbeitete sie bei verschiedenen Unternehmen in Salzburg und wirkte auch im Ennstal an Kollektionen mit. Die Erfahrung aus diesen Stationen brachte sie schließlich in ihr eigenes Unternehmen ein.
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Ins Ennstal führte sie die Beziehung zu ihrem heutigen Mann Matthias. Er hatte den Namen des späteren Labels gewissermaßen vorweggenommen: Noch bevor die beiden einander kennenlernten, hatte er sich die Domain „Wildstelle“ gesichert, inspiriert von der Hohen Wildstelle. Mit Hofers Schritt in die Selbstständigkeit bekam der Name seine heutige Verwendung. Matthias gestaltete die Homepage und steht für das Label auch als Model vor der Kamera.
Die ersten Kleidungsstücke entstanden in einem kleinen Raum der eigenen Wohnung. 2018 präsentierte Hofer ihre erste Kollektion auf der „Tracht & Country“ in Salzburg. Trachtenhändlerinnen und -händler bestellten Serien ihrer Dirndl und eröffneten dem jungen Label damit einen Vertriebsweg über den Fachhandel. 2020 folgte das erste eigene Atelier in Gröbming. Seit Anfang 2024 befindet sich der Firmenladen „Wildstelle“ in der Gröbminger Hauptstraße. Schneiderei, Verkauf, Lager und Büro sind dort unter einem Dach vereint. Manuela Hofer präsentiert ihre Mode auch immer wieder auf Messen, wie beispielsweise der SALT in Salzburg, die mehrmals im Jahr stattfindet.

Eigene Entwürfe und Fertigung in Österreich
Die Entwürfe für ihre Kollektionen entwickelt Hofer selbst. Für die Fertigung arbeitet sie neben der eigenen Schneiderei mit einem Produktionsbetrieb in Österreich zusammen. Beim Materialeinkauf setzt die junge Unternehmerin ebenso überwiegend auf Lieferanten in Österreich. Stoffe bezieht sie unter anderem aus Tirol und dem Raum Graz, Knöpfe und Seide aus Wien, Loden aus Zeltweg. Ein kleinerer Teil stammt aus Deutschland.

Individualität als Geschäftsmodell
Wie weit die Individualisierung reicht, zeigt sich bei Sonderanfertigungen: Kundinnen und Kunden können Stoffe und Farben selbst auswählen; bei Bedarf werden Materialien eigens bestellt. Neben Einzelpersonen zählen auch Gruppen zu den Auftraggebern, darunter Landjugendgruppen, Trachtenvereine oder beispielsweise eine Maturaklasse der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Hier kann Hofer auf ihre Erfahrung mit der Ausstattung größerer Gruppen zurückgreifen.
Das Angebot reicht inzwischen jedoch über das klassische Dirndl hinaus. Zur Trachtenmode kommen Blusen, Jacken, Sommerkleider, Alltags- und Herrenmode sowie Brautmode. Kinderkleidung entsteht auf Anfrage. Auch Wohntextilien wie Polster und Tischdecken sowie Änderungen gehören zum Leistungsspektrum. Die Schneiderei bleibt damit für Kundinnen und Kunden auch dann eine Anlaufstelle, wenn es um kleinere Anpassungen geht. Gerade diese Möglichkeit sieht Hofer als Stärke ihres Betriebs im Wettbewerb mit größeren Anbietern.
Saisonale Nachfrage und neue Trends
Der Jahresverlauf prägt den Betriebsalltag. Besonders gefragt ist Hofers Arbeit während der Hochzeitssaison. Auch der Herbst mit seinen zahlreichen Festen zählt zu den stärkeren Phasen, während es im Winter ruhiger wird. Diese Schwankungen gehören zur betrieblichen Planung eines Unternehmens, dessen Produkte häufig für bestimmte Anlässe gekauft oder angefertigt werden.
Die 32-Jährige verrät uns die Trends für den Herbst und Winter: Cord, Cord und nochmal Cord, schlichte Ausführungen und Ton-in-Ton-Kombinationen. Bei Blusen bleiben Spitze und große, weite Puffärmel gefragt. Farbige Modelle werden auf das übrige Gewand abgestimmt. Solche Entwicklungen fließen in ihre Entwürfe ein; zugleich bleibt die Möglichkeit bestehen, Stoffe und Farben nach persönlichen Vorlieben zusammenzustellen.
Cord und Ton-in-Ton-Kombinationen mit farbigen Blusen zählen laut Manuela Hofer zu den Trachtentrends für Herbst und Winter 2026. Fotos: Tritscher / Sibel Zechmann Fotografie (2)
Kleines Team, klare Vorstellungen
Personell bleibt „Wildstelle“ überschaubar: Neben Hofer arbeiten zwei Mitarbeiterinnen im Betrieb. Die Aufgaben reichen vom Verkauf und der Beratung bis zur Schneiderei; in einem kleinen Team müssen mehrere Bereiche abgedeckt werden. Genau diese Vielseitigkeit macht die Personalsuche nach Hofers Erfahrung schwierig. Qualifizierte Kräfte für Verkauf oder Schneiderei zu finden, sei eher möglich als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als „Allrounder“ fungieren.
Zur Führung des Unternehmens kommt für die 32-jährige Mutter von drei Kindern der Familienalltag. Für die kommenden drei bis fünf Jahre steht eine Vergrößerung des Betriebs nicht im Vordergrund. „Es muss nicht größer werden“, sagt Hofer. Entscheidend sei für sie, die Freude an der Arbeit zu behalten und weiterhin auf einzelne Wünsche eingehen zu können.
Hofers Anspruch an ihr Unternehmen zeigt sich letztlich bei der Anprobe: Die Kleidung soll zum Menschen passen und gut sitzen. Der Verkauf allein sei für sie nicht ausschlaggebend. Besonders wichtig ist ihr, dass Kundinnen und Kunden das Geschäft zufrieden und glücklich verlassen. Darin liegt auch ihre Vorstellung von unternehmerischem Erfolg: ein Betrieb, der Raum für persönliche Beratung und handwerkliche Arbeit lässt – und dessen Größe zu diesem Anspruch passt.




