In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Keine Erfolgsmythen. Dafür ehrliche Einblicke, Learnings und Gedanken übers Arbeiten, Scheitern und Weitermachen. Diesmal: Ein Blick auf den Alltag zwischen Familie und Beruf aus Sicht eines Vaters.
„Der Chef ist diese Woche nicht da. Ich glaub, seine Frau hat ein Kind bekommen.“ Diesen Satz habe ich einmal in einer großen Firma über eine Führungskraft gehört. Er ist mir im Gedächtnis geblieben, weil er so klingt, als hätte der Mann mit dem „Kind seiner Frau“ nichts zu tun. Als wäre es nur ihre Angelegenheit. Und seien wir ehrlich: Bis auf den Zeugungsprozess wird sich seine Mitwirkung vermutlich wirklich in Grenzen halten. Nach der Geburt macht er weiter Karriere, während sie sich um das Kind kümmert.
Besagte Führungskraft hat übrigens gerne spöttisch über Kolleginnen in Elternteilzeit gesprochen und ein Loblied auf jene gesungen, die „rasch wieder Vollzeit“ arbeiten. Als wäre Elternschaft nur ein lästiger Betriebsausfall. Ich erzähle das, weil ich selbst Vater bin und Selbstständiger. Und weil Kinder zu haben für viele Selbstständige ein permanenter Spagat zwischen Arbeit und Betreuung ist.
Work-Life-Trennung?
Ich bin freier Journalist, habe zwei kleine Kinder und arbeite häufig von zu Hause aus. Meine Frau ist 30 Stunden angestellt und vier Tage die Woche im Büro. In einer Zeit, in der Teilzeit und Home-Office unter Beschuss stehen, denkt manch einer vielleicht: Die könnten noch mehr tun, vermitteln ihren Kindern nicht die richtigen Werte. Aber das Gegenteil ist der Fall. Meine Kinder sehen mich ständig bei der Arbeit. Am Laptop im Arbeitszimmer. Beim Telefonieren. Oder wenn ich zu beruflichen Terminen fahren muss.
zwischen Arbeit und Betreuung“, Ljubisa Buzic, M.U.T.-Autor.
„Der Dinosaurier muss nach Salzburg zum Arbeiten“, haben sie kürzlich beim Spielen gesagt, nachdem ich für ein paar Tage für einen Auftrag weg musste. Das war eine große Lektion für mich: Selbständigkeit mit Kindern bedeutet, dass deine Kinder ständig mitbekommen, wenn du arbeitest. Das kann für beide Seiten hart sein, wenn sie gerade deine Aufmerksamkeit wollen, aber du noch fünfzehn Mails und einen Video-Call abarbeiten musst. Das kann auch lustig sein, wie der Satz mit dem Dinosaurier.
Zwischen Lego und Laptop
Auf meine Arbeitsweise hat das Leben mit Kindern großen Einfluss. Ich liebe es, wenn ich lange, konzentrierte Blöcke zum Schreiben habe, aber die sind selten geworden. Selbstständig mit Kindern heißt Arbeiten in Zeitfenstern. Es bedeutet, dass deine Arbeit immer wieder fragmentiert wird. Arbeiten, Kinder holen, wieder arbeiten. Jause machen, Streit schlichten und dann noch deine Mails beantworten. Die meisten Eltern werden schnell zu Meistern in Sachen Zeitmanagement und Effizienz – das wird in Firmen oft unterschätzt.
Rollenbilder von gestern
Mein Freund M. glaubt, ich stünde als Mann „unter der Fuchtel“, weil er hört, dass ich die ganze Woche die Buben in den Kindergarten bringe. Meine Mutter hält mich für den tollsten Vater, weil ich so viel für meine Kinder da bin. Der Kindergarten ruft bei Notfällen trotzdem zuerst meine Frau an – die dann mich anruft. Schlicht und einfach, weil ich mein Homeoffice leichter verlassen kann. Daran merkt man: Für viele ist es noch ungewohnt, wenn Väter einen sehr aktiven Part übernehmen. Für die einen bist du der Hero, für die anderen der Loser.
Selbstständigkeit bedeutet in meinem Fall eben: Ich bin der flexiblere Elternteil. Ich bleibe morgens länger im Kindergarten, wenn einer der Buben nach fünf Wochen Sommerpause nicht so gerne ohne Mama und Papa sein will. Ich hole die Kinder früher ab, wenn sich eine Krankheit ankündigt. Vor allem aber bedeutet es eines: Als selbständiger Vater kann ich nicht so tun, als hätte ich mit den „Kindern meiner Frau“ nichts zu tun. Und das ist auch gut so.
