Wie fühlen sich 100 Tage Koralmbahn an?

In immer rasanteren Zeiten ist die Koralmbahn rascher als gedacht im Alltag vieler KärntnerInnen und SteirerInnen angekommen. Aber können davon auch die heimischen Betriebe profitieren? Wir haben bei UnternehmerInnen nachgefragt.

Wenn man in Klagenfurt aus dem RJX 53 – das ist einer von den besonders schnellen Zügen aus Graz – steigt, hat sich mehr als nur die deutlich kürzere Reisedauer verändert. Zumindest, wenn man sich bei den ansässigen Unternehmen umsieht. Erste Einzelinitiativen wie etwa vom Weingut „Auf der Leiten“, einem Fine Dining Restaurant und Stadtheurigen in Klagenfurt am Wörthersee, werden sichtbar, das spezielle Angebote für steirische Gruppen anbietet. Die Winzer Sem Kegley und Georg Lexer bringen Interessierten als kongeniales texanisch-kärntnerisches Duo die Rebenvielfalt in Kärnten, das zur Weinbauregion „Bergland“ zählt, näher. Die beiden haben sich für Koralmbahn-Fahrgäste etwas ganz Besonderes einfallen lassen: einen buchbaren direkten Transfer zum Weingut nach Karnburg.

Gruppe von Besucherinnen und Besuchern bei einer Weinverkostung im Weinberg, mit Blick über sanfte Hügel und Rebzeilen in der Abendsonne.
Auf den Flächen seines Großvaters: Georg Lexer führt durch sein Weingut in Karnburg.

Auch wenn sich eine Reservierung empfiehlt, kann man donnerstags und freitags von 16 bis 22 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 22 Uhr spontan vorbeikommen. Zwischen warmem Holz und altem Gewölbe philosophieren Gäste dann darüber, was zuerst da war: Das Schwein oder der Wein. Denn neben der Rebenliebe setzt Lexer mit seinem Kompagnon auch auf die artgerechte Haltung der eigenen Mangalitza- und Duroc-Schweine, die auf der kalten Platte oder als Gericht am Tisch landen. „Wir freuen uns schon auf Kurzurlauber im Sommer“, so Küchenchef Leo, der immerhin mit zwei Hauben aufwartet.

Gemeinsam auffallen

Und auch im Kollektiv wird das Unternehmertum tätig: Mit Konzepten wie KLAMOUR will das Klagenfurt Marketing nicht nur Einheimische sondern auch die neue Klientel aus der Steiermark sprichwörtlich anziehen. Vom 19. März bis 2. April 2026 rückt die Klagenfurter Innenstadt Mode, Beauty und Lifestyle in den Fokus. Boutiquen, Salons, Cafés und Concept Stores präsentieren aktuelle Trends, individuelle Beratung und kleinere Aktionen, die zum Flanieren einladen. Das neue City-Format setzt bewusst auf persönliche Begegnungen und viele kleine Entdeckungen statt großer Inszenierung und schafft damit neue Anlässe, die Stadt wieder bewusst zu erleben.

Mit dem „Zinzengrinsen“ lässt Graz ebenfalls aufhorchen. Die gezielte Initiative zur Belebung der Grazer Zinzendorfgasse als Wirtschafts- und Lebensraum findet am 23. Mai 2026 statt. Dahinter steht ein engagiertes Team aus lokalen UnternehmerInnen, das seit 2016 einmal jährlich ein Fest organisiert, um die Vielfalt an Betrieben, Gastronomie und kreativen Köpfen sichtbar zu machen. Ziel ist es, die Gasse als Ort von Tradition, Handwerk und Innovation erlebbar zu machen und gleichzeitig Menschen zusammenzubringen – vom Studierenden bis zur Familie. Das Event verbindet wirtschaftliche Standortstärkung mit Community-Gedanken und zeigt exemplarisch, wie lokale Kooperation, Unternehmertum und kulturelle Identität ineinandergreifen können.

Deutlich bunter geht es vom 30. April bis 3. Mai 2026 beim LENDWIRBEL in Graz zu. Das Straßenfest findet bereits zum 17. Mal statt und ist weit mehr als ein kulturelles Happening – es ist ein temporärer Wirtschaftsmotor für den gesamten Stadtteil. Wo sonst Durchgangsverkehr herrscht, entsteht ein Mehr an Frequenz, Aufenthaltsqualität und Kaufanlässe. Lokale Betriebe profitieren von zusätzlichen Besucherströmen, längeren Verweildauern und einer Sichtbarkeit. Der ehrenamtlich organisierte Verein belebt, vernetzt und verwandelt den öffentlichen Raum in eine Bühne für Diskurs, Kunst und Musik.

Klagenfurt lockt mit Katzen

Zurück zur Kärntner Landeshauptstadt. Da befindet sich am südlichen Rand der City das einzigartige Katzencafé. Inhaberin Verena Kulterer gibt uns Einblicke in die Zeit seit der Koralmbahneröffnung: „Am Dialekt unserer Gäste haben wir schnell gemerkt, dass wir einen Zuwachs an steirischen BesucherInnen haben. Es gibt tatsächlich Leute, die für ein Essen nach Klagenfurt kommen! Für die Gastronomie ist das ein super Zeichen.“ Klagenfurt habe mit dem Wörthersee die Vorzüge der Natur, Graz biete wiederum Großstadtgefühle, so Kulterer. Spannend werde der geschäftliche Austausch zwischen den beiden Städten sein, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu befruchten, meint die Unternehmerin. „Über Facebook wünschen sich viele auch für Graz ein Katzencafé. Diese Besonderheit zieht die Leute zu uns nach Klagenfurt. Sie brauchen einen Aufhänger.“

Dass ihr Cat’n’coffee direkt am Weg vom Bahnhof ins Zentrum von Klagenfurt liegt (übrigens nur zehn Gehminuten!), bewerten viele der Gäste online mit einer tollen Erreichbarkeit. Ausflügler schauen sich dann noch ein, zwei Sehenswürdigkeiten an, kaufen spontan in einem neu entdeckten Laden und fahren wieder zurück in die Steiermark. So schildern Kulterers BesucherInnen aus der Steiermark ihre Stunden in Kärnten. „Wer extra zu uns ins Katzencafé kommt, kann sich seinen Platz fix reservieren. Dadurch merken wir auch, dass unsere Besucherzahlen steigen“, gibt Kulterer Einblick in die Messbarkeit. „Freitag, Samstag, feiertags und zu Ferienzeiten sollte man ohnehin reservieren“, empfiehlt die Chefin. Unabhängig von der Koralmbahneröffnung hat das Lokal ein Facelift erhalten: Neue Speisekarten und eine neue Wanddekoration wurden zum zehnjährigen Jubiläum im November umgesetzt.

Außenansicht des Lifestyle-Stores „Berlinchen“ in Graz mit dekoriertem Schaufenster, Fahrrad, Kleid auf Schneiderpuppe und kleinen Möbelstücken vor der Fassade.
Der Grazer Lifestyle-Store „Berlinchen“ setzt mit liebevoll inszenierter Auslage und individueller Produktwelt auf Anziehungskraft jenseits des Mainstreams. Fotos: Berlinchen

Gassen mit Sogwirkung

Genauso erfreulich ist die Stimmungslage in den kleinen Gassen von Graz. Leona Flick vom Berlinchen in der Paulustorgasse gibt zu: „Schon vor der neuen Strecke zwischen den Bundesländern hatte mein Laden eine große Stammkundschaft aus Kärnten. Mein Angebot ist einzigartig, weshalb Kundinnen und Kunden die Fahrt gerne auf sich nehmen.“ Im Berlinchen, das nach der Herkunft der Betreiberin benannt ist, finden Haushaltsfans alles, was das Herz begehrt: Von französischen Seifen über skandinavische Küchenutensilien bis hin zu Filzanhängern für Ostern und den Rest des Jahres. Wer es bunt und herzig mag, kommt hier genau richtig.

Flick über die vielen BesucherInnen in ihrem Lifestyle Store direkt beim bekannten Karmeliterplatz: „Ich finde diese Entwicklung herrlich!“ Sie genieße die vielen netten Gespräche mit den KärntnerInnen, die sich so über die neue Bahnverbindung freuen. „Vor allem am Wochenende ist der Zuwachs deutlich zu spüren. Da kommen Freundinnen, die zusammen einen Ausflug machen.“ Bereits vor einem Jahr habe sie die Öffnungszeit am Samstag verlängert – nun überlegt sie, diese aufgrund des Ansturms abermals auszudehnen.

Werbemärke wachsen zusammen

Nachgefragt bei einem, der es wissen muss: Andreas Lanner, dem Grenzgänger unter den Werbern. „Wir sehen, dass sowohl Kärntner als auch steirische Unternehmen verstärkt grenzüberschreitend werben – insbesondere im Tourismus, etwa die Thermen und der Eventbereich.“ Laut Lanner nutzen Kärntner Betriebe gezielt Standorte in Graz, etwa beim Shopping-Center Seiersberg oder auf der größten 40m2 LED-Wall am Messeplatz. Umgekehrt steige auch die Nachfrage steirischer Unternehmen in Kärnten deutlich.
„Die Koralmbahn bringt nicht nur Menschen schneller zusammen, sondern auch Märkte – das sehen wir direkt in der steigenden Nachfrage nach digitaler Außenwerbung über die Landesgrenzen hinweg“, so Lanner, Geschäftsführer von LANNER Media.

 

Porträt eines lächelnden Mannes, Andreas Lanner, in hellem Poloshirt, entspannt an einen Sessel gelehnt, vor dunklem Hintergrund.
Andreas Lanner, Geschäftsführer von LANNER Media, sieht in der Koralmbahn eine neue Achse für regionale Sichtbarkeit und grenzüberschreitende Werbung. Foto: LANNER Media

Mit seiner digitalen Außenwerbung verspricht der Unternehmer hohe Sichtbarkeit ohne Streuverluste, keine Abhängigkeit von Algorithmen und eine Präsenz genau dort, wo Menschen unterwegs sind. „Gerade entlang stark frequentierter Achsen wie der Koralmbahn wirkt DOOH (Digital Out of Home) besonders effektiv“, verrät Lanner, der ergänzend zu den LED-Walls in Kärnten und der Steiermark auch digitale Info-Screens in ÖBB-Bahnhöfen entlang der Koralmbahn vermarktet. „Dadurch ergibt sich eine durchgängige, moderne Kommunikationsachse zwischen den Regionen.“

Nah dran schlägt Online-Wahn

In den Gesprächen mit den besuchten UnternehmerInnen wird deutlich, dass die Einzigartigkeit des Angebots die Menschen anzieht. Weder eine beliebige Weltmarke, die man auch im Internet shoppen kann, noch internationale Textilketten werden zum Besuchermagneten. Es sind die kleinen Unternehmen, in denen die ChefInnen noch selbst bis nach Ladenschluss KundInnen beraten, die extra eine Zugfahrt mit der neuen Koralmbahn auf sich genommen haben.

Kurze Wege – nicht nur mit der Bahn, sondern auch in den beiden Landeshauptstädten -, machen die neuen Ausflugsziele so attraktiv. Die jahrhundertealte Renaissance-Architektur italienischer Baumeister haben beide Städte schon. Nun liegt es an der Willkommenskultur ideenfindiger UnternehmerInnen, den Weg in eine wechselwirkende Zukunft zwischen Graz und Klagenfurt zu weisen.

AUF DER LEITEN
Leiten 6
9063 Klagenfurt am Wörthersee
T 0676 3504220
leiten@alpenspirit.eu
https://leiten.eu

 

Das Katzencafé – Cat’n’coffee
Paulitschgasse 9
9020 Klagenfurt am Wörthersee
T 0660 843 32 11
mail@daskatzencafe.com
www.daskatzencafe.com
Öffnungszeiten
Di–Fr: 9–18 Uhr
Sa: 9–17 Uhr
Feiertage: 11–17 Uhr

 

Berlinchen
Am Karmeliterplatz
Paulustorgasse 3
8010 Graz
T 0660 5200410
www.berlinchen.at
Öffnungszeiten
Mo-Fr: 10-18 Uhr
Sa: 10-16 Uhr

 

LANNER Media GmbH
Hauptstraße 42
9620 Hermagor
T 04282 29777 20
www.lannermedia.at

Isabella Schöndorfer
Isabella Schöndorfer
Chefredakteurin
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