Kärntens ungewöhnlichster Winzer

Mit über 50 Jahren baute Franz Laßnig sein eigenes Weingut auf der Burg Glanegg auf. Wie ihm das gelang? Mit viel Arbeit, frischen Ideen und der Unterstützung seiner Familie und seines Dorfs. Ein Weinbau-Quereinsteiger mit ganz eigenem Plan.

Wenn man das Wort Winzer hört, denkt man vielleicht an alte Weinbauernfamilien, die über Generationen bestehen und Hänge, die seit jeher von Weinreben bedeckt sind. Ganz anders ist die Geschichte des Weinguts Laßnig in Glanegg. Burgwinzer Franz Laßnig wurde das Weinmachen keinesfalls in die Wiege gelegt.

Laßnig war viele Jahre technischer Betriebsleiter im Unfallkrankenhaus Klagenfurt. Weinbau spielte in seinem Leben lange keine große Rolle. Erst ein Geschenk zum 50. Geburtstag, eine Ausbildung beim Weintutorium in Rust, änderte das. „Da hat es in mir zu brennen begonnen“, sagt er. Doch die Geschichte des Burgweins Glanegg beginnt schon viel früher, über Umwege, und ist eng mit der Burg Glanegg verbunden.

Ein Dorf rettet die Burg

Die Burg Glanegg liegt im Glantal und ist nach den Burgen Hochosterwitz und Landskron die drittgrößte historische Wehranlage Kärntens. Heute finden dort regelmäßig Veranstaltungen und Konzerte statt, doch Mitte der 1990er-Jahre war sie weitgehend verfallen. Teile der Mauern waren überwuchert, Dächer fehlten. „Der Zustand war desolat“, sagt Laßnig.

Der Blick auf die Burg Glanegg von der Meierei aus. Foto: Ljubisa Buzic

Erst eine Bürgerinitiative aus dem Ort setzte dem Verfall ein Ende. Über Jahre hinweg arbeiteten Bewohner gemeinsam daran, die Anlage schrittweise wieder aufzubauen. „Wir haben das alles mit Mitteln aus der Bevölkerung gemacht“, so Lassnig. Vereinsbeiträge, Sachspenden, Patenschaften – vieles von dem, was heute als Crowdfunding bezeichnet werden würde. Nach und nach wurde aus der verfallenen Burgruine ein lebendiger Ort.

Eine verrückte Idee

Als es dann fast so schien, als sei die Arbeit getan, fing sie für Franz Laßnig gerade erst richtig an. „Der Bürgermeister sprach mich irgendwann darauf an, dass es doch spannend wäre, hier Wein anzubauen. Er wusste, dass Weinbau mein Hobby war, aber bis dahin hatte ich nur in meinem eigenen Garten Reben hochgezogen“, erinnert sich Laßnig. „Ich hab im ersten Moment nur gesagt: Sicher nicht, das ist unmöglich.“

„Meine Familie schenkte mir zum 50er eine Ausbildung beim Weintutorium Rust.
Da hat es in mir zu brennen begonnen.“ Franz Laßnig

Ganz von der Idee verabschieden konnte er sich trotzdem nicht. Und so wurde das Unmögliche schließlich durch eine sehr pragmatische Vereinbarung mit dem Bürgermeister doch noch möglich: Laßnig handelte aus, dass die Freihaltungskosten, die die Gemeinde ohnehin für die Burgpflege trug, für zehn Jahre in das Weinbauprojekt umgewidmet werden.

Moderne Konzepte

Nicht weniger einfallsreich war eine zweite Finanzierungsidee aus der Anfangszeit des Betriebs: die Weinpatenschaften. Ein Pate finanziert einen Rebstock auf zehn Jahre und bekommt dafür jedes Jahr 15 Flaschen Wein. Zusätzlich gibt es eine Flaschenpost mit Urkunde. Die Idee kam gut an, damit war finanziell für den Start gesorgt. Arbeit lag trotzdem noch genügend vor den Laßnigs.

„Das Gelände um die Burg war komplett verwildert“, erzählt Laßnig. „Wir mussten alles roden, Teile der Burgmauern wieder instandsetzen. Die Terrassierung war eine Hauruck-Aktion“, sagt er rückblickend. „Wir haben die Steine einfach wie Lego übereinander geschlichtet.“ Drei Jahre dauerte es von den ersten Plänen im Jahr 2009, bis der erste Wein abgefüllt wurde.

Franz Laßnig in seiner Meierei, dem Buschenschankbetrieb der Familie direkt unterhalb der Burg. Foto: Ljubisa Buzic

Heute, über 15 Jahre nach der Gründung des Weinguts, bewirtschaftet die Familie rund zwei Hektar Rebfläche. Angebaut werden klassische Sorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc oder Zweigelt. Aus rund 12.000 bis 13.000 Kilo Trauben entstehen etwa 8000 Liter Wein pro Jahr. Herzstück des Betriebs ist in den Sommermonaten die Buschenschank der Familie Laßnig.

Wein bestellen

Der Jahrgang 2025 ist seit März 2026 erhältlich. Sorten: Cuvée LoMaLi, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Donauriesling, Blütenmuskateller, Zweigelt Rosé, Frizzante Rosé, Frizzante Weiß. Bestellung telefonisch oder per E-Mail, Verkauf ab Hof unter winzer@burg-wein-lassnig.at  Tel. 0664 617 98 98

Die Meierei Laßnig

Die Idee einer Buschenschank auf dem Burggelände kam schon früh ins Spiel. Eine Buschenschank ist eine typisch österreichische Tradition: Landwirte und Winzer dürfen für einen begrenzten Zeitraum im Jahr ihren eigenen Wein ausschenken und servieren dazu meist selbst produzierte Speisen.

Auch beim Aufbau der Meierei, wie die Laßnigs ihren Betrieb nennen, gab es genug anzupacken. Das denkmalgeschützte Areal machte den Umbau aufwendig; jede Veränderung musste mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt werden. Die Räume, in denen die Meierei heute untergebracht ist, standen einst ohne Dach unter freiem Himmel. „Unsere erste Weinverkostung haben wir hier zwischen den Mauern gemacht, mit vier Bierbänken“, erinnert sich Laßnig.

Alles selbst gemacht. Die Meierei Laßnig setzt auf Produkte aus eigener Zucht und Jagd. Foto: Ljubisa Buzic

Mittlerweile ist die Meierei am Fuß der Burg Glanegg ein Fixpunkt für die Menschen aus der Gegend und für Besucher. Auf der Karte stehen klassische Gerichte wie Brettljause mit Rindfleisch von Hochlandrindern, Speck und Würste vom Mangalica-Schwein oder Wild aus eigener Jagd. Dazu Brot und Mehlspeisen aus der eigenen Küche. „Praktisch alles, was man bei uns bekommt, haben wir selbst gemacht“, sagt Laßnig. „Nur die Butter ist gekauft.“

Geöffnet ist die Meierei von Ende Mai bis Mitte September, donnerstags und freitags ab 16 Uhr. Donnerstag war für Laßnig schon immer der richtige Tag. „Als Lehrling war Donnerstag immer der Fortgehtag“, sagt er mit einem Lachen.

Familienbetrieb durch und durch

Mit 69 Jahren ist Laßnig immer noch sehr aktiv, denkt aber auch langsam an den Ruhestand. Für Nachfolge ist in dem Familienbetrieb bereits gesorgt. Sohn Alexander übernimmt immer mehr Aufgaben; Laßnigs Ehefrau Maria arbeitet im Buschenschankbetrieb mit. Selbst die Schwiegereltern helfen, sind an der Fleischproduktion beteiligt. Und mit den Enkeln ist auch die dritte Generation schon beim Traubenpflücken und Servieren mit dabei.

„Das Schönste für mich ist, dass die ganze Familie mitmacht“, sagt Laßnig. Und vielleicht wird aus dem Weingut Laßnig doch noch einer der Betriebe, der auf eine generationenlange Geschichte zurückblicken kann.

Maria und Franz Laßnig in der Meierei. Dort, wo heute die Gäste sitzen, standen einst nur Mauern ohne Dach. Foto: Ljubisa Buzic

Weingut Laßnig & Meierei
Mautbrücken 1, 9555 Glanegg
www.burg-wein-lassnig.at
winzer@burg-wein-lassnig.at
T 0664 617 98 98
Ljubisa Buzic
Ljubisa Buzic
Autor | Kärnten
Ressorts: Menschen | Meinungen, Hart | Herzlich, Arbeiten | Leben

buzic@mut-magazin.at

M.U.T. auf Youtube

M.U.T.letter

Wissen, was die Wirtschaft bewegt.

Das könnte Sie auch interessieren