Liebeserklärung ans WB-Mentoring

In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Diesmal: Ein persönlicher Rückblick auf das Wirtschaftsbund Mentoring 2025.

Ein Geständnis gleich vorweg: Als ich im Frühjahr 2025 mit dem Mentoring des WB Kärnten angefangen habe, hatte ich eigentlich wenig Ahnung über die Arbeit des Wirtschaftsbunds und der Wirtschaftskammer. Ich war jahrelang angestellt, hatte über zehn Jahre als Journalist gearbeitet, davor in PR, Werbung und Eventorganisation. Selbstständigkeit und Unternehmertum waren für mich ein fremdes Land. Ebenso wie Kärnten. Als Wiener hatte ich zwar eine mehrjährige Verbindung zu Klagenfurt, war aber erst im Vorjahr fix hierhergezogen.

Im Februar 2025 sitze ich mit M.U.T. Chefredakteurin Isabella Schöndorfer in der Tänzerei, einem kleinen Café in Klagenfurt. Wir reden über Journalismus, die Medienbranche – und natürlich über das M.U.T. Magazin. Ich bin zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Jahr selbstständig und erzähle ihr von den kleinen und großen Tücken, die ich dabei entdeckt habe. Irgendwann kommen wir darauf zu sprechen, dass ich in Klagenfurt kaum vernetzt bin. Meine Kunden, Zeitungen und Magazine sitzen bis dahin allesamt in Wien.

Chancen erkennen

Isabella schlägt mir eine Zusammenarbeit als freier Autor fürs M.U.T. Magazin vor und bei der Gelegenheit gleich noch etwas anderes, das mein Jahr nachhaltig prägen wird: das Mentoring-Programm des Wirtschaftsbunds Kärnten. Ich erzähle das, weil diese Begegnung an einem Dienstagmorgen im Februar im Kleinen das verkörpert, wofür das gesamte Mentoring – und vielleicht auch der Wirtschaftsbund Kärnten – für mich steht: für die Möglichkeiten, die entstehen, wenn Menschen zusammenkommen. Selbstständige, Unternehmer, engagierte Leute, die etwas weiterbringen wollen.

Natürlich sage ich zu. Nach einem kurzen Kennenlerngespräch mit Wirtschaftsbund-Direktorin Sylvia Gstättner bin ich Teil des Mentoring-Programms. Es gibt dieses Format seit mittlerweile fast zwei Jahrzehnten. Mehrere hundert Kärntner UnternehmerInnen und Selbstständige haben es bereits absolviert. Was mir allerdings niemand gesagt hat: dass es nicht nur lehrreich, sondern auch richtig unterhaltsam sein würde.

Praxisnahe Skills

In den Monaten des Mentorings absolvieren wir in einer Gruppe von rund zwanzig TeilnehmerInnen fünf intensive Module, jedes davon anders, jedes auf seine Art inspirierend. Ein ganzer Tag etwa gehört dem von Ö3 bekannten Medienprofi Peter L. Eppinger, der uns in die Kunst von Kommunikation und Storytelling eintauchen lässt. Die Wiener Agentur Sonic Boom zeigt uns, was heute schon alles mit Künstlicher Intelligenz möglich ist. Berd Sebor und Ulrike Farnik trainieren mit uns Verhandlungsstrategien und Business-Kommunikation.

„Das WB Mentoring zeigt, welche Möglichkeiten entstehen, wenn Menschen zusammenkommen.“ Ljubisa Buzic, M.U.T.-Autor

Wir besuchen das Parlament, das Kanzleramt und den ÖVP-Parlamentsclub in Wien, sprechen mit Abgeordneten und treffen Kanzleramtsministerin Claudia Plakolm in ihrem Büro. Wir schauen in der WKÖ und der Industriellenvereinigung vorbei, bekommen in Klagenfurt Einblicke in das WIFI, den Maker Space und das Testcenter Carinthia und merken dabei, wie viel Innovationskraft in diesem Bundesland steckt. Wir bekommen auch Zugang zum Kärntner Landtag und Einblick in die Redaktionen der Kleinen Zeitung und der Antenne Kärnten.

Engagierte Umsetzung

Organisatorin Tina Malle hält all diese Fäden zusammen. Sie koordiniert das Programm, ist bei jedem Modul vor Ort und hat genug Humor, um die Gruppe im besten Sinn „in Zaum zu halten“. Sie sorgt auch dafür, dass es zwischen den Modulen nicht langweilig wird: Mit Gruppenaufgaben, die wir bei unseren monatlichen Treffen präsentieren, fordert sie uns heraus und ermutigt uns, kreativ zu werden.

So stehen wir bei unseren Präsentationen plötzlich als Superhelden vor der Gruppe, wenn wir erklären, was ein Wirtschaftsbundfunktionär eigentlich macht. Oder als Zeitreisende aus der Zukunft, die erzählen, wie sich der Koralmtunnel auf Wirtschaft und Alltag auswirken wird. Dass einige aus der Runde Erfahrung bei Faschingsgilden oder als Stadtrichter haben, trägt nicht wenig zum Unterhaltungswert bei.

Wertvolle Begegnungen

Immer wieder schaut auch Wirtschaftsbund-Direktorin Sylvia Gstättner selbst vorbei, ebenso wie WK Kärnten-Präsident Jürgen Mandl, der sich bei unseren Präsentationen sichtlich amüsiert und manchmal auch ein bisschen mitfiebert. Nicht zuletzt ist das Mentoring auch eine Schmiede für aktuelle und zukünftige Funktionäre des Wirtschaftsbunds und der Wirtschaftskammer. Viele der Teilnehmer sind schon in einer der Fachgruppen in einer Funktion, andere interessieren sich dafür. Das Wissen und die Fertigkeiten, die sie hier lernen, befähigen sie jedenfalls dazu, diesen Aufgaben nachzukommen.

Zukunft mitgestalten

Was am Ende bleibt? Vor allem Begegnungen. Menschen, mit denen man sonst vielleicht nie in Kontakt gekommen wäre. Gespräche, die anregen und Türen öffnen. Und das Gefühl, in einem Land zu leben, in dem mehr möglich ist, als man denkt wenn man sich traut, den ersten Schritt zu tun. Die Gruppe kommt aus völlig unterschiedlichen Bereichen – vom Handel bis zur Industrie, vom Sozialbereich bis zu Kreativberufen. Was man sagen kann, ist dass wir nach diesen sechs Monaten zu einem eingeschworenen Freundeskreis zusammengewachsen sind.

Zum Abschluss bekommen wir beim Wirtschaftsbund-Zirkel unser Zertifikat überreicht. Darauf steht: „Durch praxisnahe Workshops, Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik sowie gezielte Trainings wurden wertvolle Einblicke und Fähigkeiten erworben, um unternehmerisch und persönlich weiter zu wachsen und die Zukunft Kärntens mitzugestalten“. Ich kann das nur unterschreiben. Und vielleicht das größte Kompliment, das ich geben kann: Ich würde sofort wieder teilnehmen.

Hier geht’s zum WB Mentoring 2026

Ljubisa Buzic
Ljubisa Buzic
Autor | Kärnten
Ressorts: Menschen | Meinungen, Hart | Herzlich, Arbeiten | Leben

buzic@mut-magazin.at

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