Was Kinderbücher mit unternehmerischem Erfolg zu tun haben

Kinderbücher vermitteln Werte, die UnternehmerInnen von morgen prägen. Wir haben bei fünf Kärntner KinderbuchautorInnen nachgefragt und viel mehr als nur Einblicke in ihre Arbeit erhalten.

Kreativität, Empathie, Problemlösung und der Mut, ins Tun zu kommen – das sind Fähigkeiten, die erfolgreiche UnternehmerInnen ausmachen. Fähigkeiten, die lange vor dem Berufsleben entstehen. Kinderbücher spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie vermitteln nicht nur Sprache, Wissen und Unterhaltung, sondern auch Werte, Denkweisen und die Motivation, die Welt um einen herum aktiv mitzugestalten. Ein Blick auf heimische AutorInnen, WorkshopleiterInnen und IllustratorInnen zeigt: Hinter Geschichten, Bildern und Projekten steckt weit mehr. Nämlich ein Fundament für die UnternehmerInnen von morgen.

1. Was Kinder interessiert, weiß Katja Laußegger

Katja Laußegger ist Pädagogin und hat ihre Leidenschaft im Schreiben gefunden. Foto: Privat/KK

Für die Kärntner Autorin Katja Laußegger ist Kreativität nicht nur ein Werkzeug, sondern auch ihr Antrieb: „Die grenzenlose Möglichkeit kreativ zu sein und meiner Fantasie freien Lauf zu lassen, macht meine Arbeit aus. In Geschichten ist alles möglich und das macht für mich das Schreiben besonders“, erzählt sie uns. Laußegger verbindet ihre kreative Arbeit eng mit ihrer Erfahrung als Pädagogin. Viele ihrer Geschichten sind direkt aus dem Alltag mit Kindern entstanden – erzählt, gespielt, weiterentwickelt. „Ich habe meine Geschichten oft mit Spielfiguren oder Handpuppen präsentiert.“ Ihr Beruf ist dabei aber keiner im üblichen Sinne, eher ist daraus eine Berufung entstanden. „Am schönsten sind für mich einerseits die strahlenden Kinderaugen und positiven Rückmeldungen zu meinen Büchern, andererseits das wertvolle Gefühl, dass sich mein Beruf als Autorin bisher noch nie als Arbeit im klassischen Sinn angefühlt hat“, verrät sie. So entstehen Bilderbücher mit Herz und Botschaft, häufig in Reimform. Werke wie „Die Gemüsekrise“ oder „Saustark!“ zeigen, wie Inhalte emotional zugänglich gemacht werden können. Dabei ist es ihr besonders wichtig, Themen aufzugreifen, die Kinder interessieren und brauchen.

Weitere Informationen unter: www.schreiben-fuer-die-kleinen.at

2. Rainer Osinger fördert Empathie

Illustrator und Autor Rainer M. Osinger, der bereits über 100 Bücher illustriert und rund 20 selbst geschrieben hat, hegt ein besonderes Faible für Kinderbücher. „Sie öffnen Türen zu neuen Welten, fördern Herzensintelligenz, Empathie und Verständnis für andere, unterstützen Sprache und Gedächtnis, und schaffen wertvolle Momente zwischen Kindern und Vorlesenden“, sagt er. Gerade Bilderbücher spielen dabei eine entschiedene Rolle: „Die Bilder sprechen oft direkt ins Herz, geben sofortige Anknüpfungspunkte, regen Gespräche an und machen oft auch komplexe Gefühle greifbar.“

Rainer Osinger schreibt und illustriert Bücher und Kinderbücher, erstellt Illustrationen für Kinderbücher, Schulbücher und Magazine.

Seine eigenen Werke – etwa „Alina und die Farben“„Der glückliche Wehamili“ oder „Muffy Melone“ – stehen exemplarisch für diese Verbindung aus Emotion und Inhalt. Auch sein neuestes Projekt zeigt diese Richtung: Mit „Der Vogel WÜNSCHDIRWAS“ (erscheint 2026, Autorin Sabine Grubmüller) entsteht ein weiteres Buch, das Fantasie und emotionale Entwicklung verbindet.

Sein Wissen und seine Begeisterung für Bilderbücher gibt Osinger auch in Workshops weiter. Sein nächster Workshop zum Thema „Kinderbuchillustration“ findet vom 21. bis 23. August statt. Weitere Informationen: www.osinger-grafik.at

3. Selbst gestalten mit Sandra Bergner

Eine Idee zu haben, ist der erste Schritt – sie umzusetzen der entscheidende. Genau hier setzt Sandra Bergner mit ihrer „Bücherwerkstatt – Kinder machen Bücher“ an. Ihr Zugang ist bewusst klar formuliert: „Lasst Kinder Bücher machen!“

Texterin Sandra Bergner erarbeitet in ihren Workshops ganze Bücher – von der Idee bis zum fertigen Werk. Foto: Privat/KK

In ihren Workshops erleben Kinder nicht nur Kreativität, sondern den gesamten Entstehungsprozess eines Buches – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt. Dabei lernen sie das Medium Buch von Grund auf kennen: Was ist ein Cover? Was sind Vorsatz- und Nachsatzpapier? Wo steht die Geschichte und wer schreibt eigentlich den Klappentext? Der Prozess ist bewusst einfach und praxisnah gestaltet: Zunächst entsteht ein eigenes kleines ZIN – eine selbstgemachte Broschüre, die für kreatives, unabhängiges Arbeiten steht. Danach werden Ideen gesammelt, strukturiert und gemeinsam weiterentwickelt. Im nächsten Schritt schreiben die Kinder ihre Geschichte gemeinsam – sie formulieren, verwerfen, entscheiden neu. Am Ende wird alles ins eigene Buch übertragen. Jedes Kind nimmt ein fertiges Werk mit nach Hause. Was dabei passiert, geht weit über Kreativität hinaus: Kinder lernen, Ideen umzusetzen, Entscheidungen zu treffen und Projekte abzuschließen. Oder, wie Bergner es beschreibt: „Ich kann stundenlang an einem einzigen Satz feilen – und gleichzeitig zehn neue Ideen notieren.“

Weitere Informationen unter: www.querkopf-zentrum.at 

4. Ulrike Motschiunig sieht das Glas als halb voll

„Der Austausch mit den Kindern und ihre oft so lustigen und klugen Kommentare geben mir die Sicherheit, die Kinder auch wirklich zu verstehen“, sagt sie. Für sie sind Schreiben und Vorlesen untrennbar miteinander verbunden. Erst im direkten Kontakt zeigt sich, ob Geschichten wirklich ankommen. Was heute wie ein klarer Karriereweg wirkt, begann aber eigentlich ganz anders: „Was mich dazu bewegt hat, hauptberuflich als Kinderbuchautorin zu arbeiten? Kurz gesagt war es eine tiefe Liebe zum Schreiben von Texten für Kinder.“ Vor rund 14 Jahren startete sie mit dem Schreiben – zunächst als Hobby, parallel zu ihrer Tätigkeit als Bankangestellte. Dass daraus einmal ein Hauptberuf entstehen würde, war damals nicht absehbar. „Ich war so aufgeregt, als mein erstes Buch endlich auf den Markt kam“, erinnert sie sich. Mit der ersten Lesung – damals in der Buchhandlung Heyn – begann eine Entwicklung, die sich Schritt für Schritt weiter aufbaute. Durch Mundpropaganda folgten weitere Einladungen: für Schulen, Bibliotheken und Veranstaltungen.

Für Ulrike Motschiunig war das Schreiben zunächst ein Hobby – heute ist sie hauptberuflich Autorin. Foto: KK

Kleine Berühmtheit

Über die Jahre wuchs nicht nur ihr Bücherregal, sondern auch ihre Bekanntheit – insbesondere mit der Reihe rund um den kleinen Fuchs, mit der sie sich in der deutschsprachigen Literaturlandschaft etablieren konnte. Heute ist ihr Arbeitsalltag vielfältig und interaktiv. Neben dem Schreiben steht vor allem die Arbeit mit Kindern im Mittelpunkt:
„Ich arbeite mit Handpuppen und Klanginstrumenten, diskutiere mit den Kindern oder erarbeite Szenen aus dem Buch im darstellenden Spiel.“ Mit Projekten wie neuen Vorlesebänden rund um den kleinen Fuchs, einem Wichtel-Adventbuch oder einem Kinderkochbuch zeigt sie, wie vielseitig Kinderliteratur sein kann – und wie wichtig es ist, Kinder dort abzuholen, wo sie stehen. „Gerade für kleinere Kinder finde ich es wichtig, dass Geschichten gut ausgehen und das Glas halb voll ist.“

Weitere Informationen: www.kinderbuchmitherz.at

5. Neue Wege: Johannes Ellersdorfer

Nicht jeder Weg im Unternehmertum verläuft geradlinig. So wie bei Johannes Ellersdorfer, dessen Karriere auf der Bühne und als Tänzer begann. Mit der Zeit führte ihn sein Weg jedoch in eine andere Richtung: Zuerst war da das Schreiben von Theaterstücken, bis er sich schlussendlich in der Kinder- und Jugendliteratur wiederfand. „Es ist schade, wenn so viel Herz und Arbeit nach ein paar Abenden Aufführung wieder verschwindet“, sagt er. Deshalb schreibt er heute Geschichten, die bleiben – und ihren Weg in Schulen und Familien finden.

Johannes Ellersdorfer hat nach seiner Zeit auf der Bühne Erfüllung im Schreiben von Kinderbüchern gefunden. Foto: KK

Der Schritt dorthin war aber alles andere als klassisch. „In der Schule war Deutsch nie meine Stärke, die Matura habe ich nur knapp geschafft“, sagt er offen. Heute arbeitet er als Autor und erreicht mit seinen Büchern Schulen und Familien. Ein Weg, der zeigt, dass klassische Bewertungen oft wenig über tatsächliches Potenzial aussagen. Inzwischen hat sich auch sein berufliches Umfeld weiterentwickelt: Der Verlag Testsam wurde auf seine Arbeit aufmerksam und hat seine Bücher, die zuvor im Selbstverlag erschienen sind, übernommen. Damit steht ihm nun ein internationaler Verlagspartner zur Seite – ein bedeutender Schritt in seiner unternehmerischen Entwicklung.

Seine Bücher gibt es hier: www.testsam.at 

Frühe Impulse, große Wirkung

Kinderbücher sind weit mehr als Unterhaltung. Sie sind auch eine Übung für Fähigkeiten, die unsere Wirtschaft in Zukunft prägen werden. Kreativität, Empathie, Entscheidungsfähigkeit und Umsetzungsstärke entstehen nämlich nicht erst im Unternehmen – sie beginnen im Kleinen. Und: Auch für Erwachsene können Kinderbücher viel Lehrreiches enthalten – gerne also mal durchs Bücherregal im Kinderzimmer stöbern!

Manuela Mark
Manuela Mark
Autorin | Kärnten
Ressorts: Start |Up, Life | Style, Leben |Arbeiten
mark@mut-magazin.at

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