In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Diesmal: Was wir uns als Selbstständige von ChatGPT und Co. abschauen können.
Seit ein paar Jahren ist Künstliche Intelligenz in aller Munde. Zwar hat KI die Arbeitswelt (noch) nicht so aufgemischt, wie es Sam Altman, der Mann hinter der ChatGPT-Firma Open AI, prophezeit hat. Aber sie ist gekommen, um zu bleiben. Und man kann dazu stehen, wie man will, aber von diesem Erfolgsmodell lässt sich einiges lernen, was im Alltag eines Selbstständigen durchaus hilfreich ist. Hier meine fünf, leicht augenzwinkernden Beobachtungen:
1. Fake it till you make it
Wir kennen das alle. Man stellt dem Chatbot eine Frage und bekommt eine selbstbewusste, kompetent klingende Antwort. Erst beim genaueren Hinschauen und Überprüfen merkt man: Das ist kompletter Unsinn. Denn die KI hat einen kleinen, nicht ganz unwesentlichen Schönheitsfehler: Wenn sie etwas nicht weiß, denkt sie sich gerne etwas aus.
Nicht, dass ich jetzt irgendwen dazu ermutigen will, im Berufsleben absichtlich Blödsinn zu erzählen. Aber als Selbstständiger muss man manchmal improvisieren. Und von dem Selbstbewusstsein, mit dem der Bot so manchen Unsinn vorträgt, können wir uns ruhig eine Scheibe abschneiden.
2. Der Kunde ist immer der Schlaueste
Honig ums Maul schmieren, nannte man das früher. Heute gibt es dafür vermutlich einen seriös klingenden Begriff. So was wie „positive Bestätigung“ oder „affirmative Sprache“. ChatGPT beginnt auffallend viele Antworten mit Sätzen wie: „Das ist eine sehr gute Frage“ oder „Das ist eine großartige Idee“. Man fühlt sich sofort abgeholt und ernst genommen.
Im Umgang mit Kunden kann das auch nicht schaden. Wenn also beim nächsten Meeting ein Wunsch geäußert wird, darf man ruhig sagen: „Das ist eine großartige Idee.“ Und falls sie sich später als nicht ganz so großartig herausstellt, kann man immer noch erklären, warum ein anderer Weg sinnvoller ist. Genau dafür werden wir schließlich engagiert. Egal ob als Texter, Berater oder in einem anderen selbstständigen Beruf.
3. Gehe offen mit Fehlern um
Womit wir wieder bei den berühmten Halluzinationen der KI wären. So ärgerlich falsche Antworten auch sind, lange böse sein kann man ChatGPT nicht. Denn niemand sagt so charmant „Du hast absolut recht, da habe ich einen Fehler gemacht“ wie der kleine Bot aus dem Hause OpenAI.
Fehler passieren. Auch Profis machen sie. Entscheidend ist nicht, sie komplett zu vermeiden (und erst recht nicht, Kritik abzuschmettern), sondern wie man damit umgeht. Ein offenes Eingeständnis wirkt oft souveräner als jede Ausrede oder Erklärung.
4. Lass den Kunden auch etwas tun
Wer mit ChatGPT arbeitet, merkt schnell: Je ungenauer die Anfrage, desto schlechter das Ergebnis. Ein schlampig formulierter Prompt führt zu einer schlampigen Antwort. Im echten Leben ist das nicht anders. Wenn ein Briefing aus zwei Sätzen und einem „Red’ ma später drüber“ besteht, wird auch das Ergebnis ähnlich dubios ausfallen.
Deshalb gilt für Selbstständige genauso wie für ihre Kunden: Klar formulieren, was man will, inklusive Ziel, Rahmen, No-Gos und Verantwortlichkeiten. Das spart Zeit und Nerven für alle Beteiligten. Als Selbstständiger ist es meine Aufgabe, beim Kunden nach einem klaren Briefing zu verlangen und so lange nachzufragen, bis der Auftrag für mich verständlich ist.
5. Sei unkompliziert (wenn es geht)
Eines muss man dem Chatbot lassen. Trotz aller Macken und Fehlerchen kommen wir immer wieder zu ihm zurück. Warum? Weil er unkompliziert ist. Er nimmt jede Anfrage an, antwortet sofort und ich glaube ihm, dass er sein Bestes gibt. Natürlich sind wir keine Maschinen und nicht rund um die Uhr verfügbar. Aber innerhalb klarer Grenzen versuche ich als Selbstständiger genau das zu sein: erreichbar sein, lösungsorientiert arbeiten, Kritik annehmen. Oft reicht das schon, um als angenehm in Erinnerung zu bleiben.
Und falls du willst, kann ich diesen Text auch noch in einem anderen Ton umschreiben. Gegen einen kleinen Aufpreis natürlich. Ich bin schließlich keine Maschine 😉
