Schau auf dein „Fuck You Money“

In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Diesmal: fünf ganz persönliche Geld-Tipps für Selbstständige.

Ich gebe es zu: In meinem Angestelltenleben war mein Umgang mit Geld – sagen wir mal: eher sorglos. Ich habe gut verdient und gerne Zeug gekauft. Kleidung, Technik, Stapel von Büchern und Magazinen, die ich spätestens in der Pension lesen würde. Mittagessen im Restaurant, auf dem Heimweg noch schnell was vom Take-away mitnehmen. Drei bis vier Streaming-Abos gleichzeitig.

Als ich Fitness für mich entdeckt habe, habe ich mich mit Laufschuhen für jede Jahreszeit und jedes Terrain eingedeckt, dazu Sporthosen und Shirts in einer Menge, mit der man eine Fußballmannschaft ausstatten könnte. Weihnachts- oder Urlaubsgeld waren ohnehin so etwas wie ein kleiner Lottogewinn, der möglichst schnell „investiert“ werden wollte. Seit ich selbstständig bin, hat sich meine Beziehung zu Geld deutlich verändert.

Das Prinzip der finanziellen Unabhängigkeit

Es gibt einen Finanztipp, den ich nicht nur wegen seines griffigen Namens besonders gern mag: Zum ersten Mal bin ich beim Schweizer Unternehmer und Autor Rolf Dobelli darüber gestolpert. Er nannte es „Fuck You Money“. Egal wie gut du verdienst und egal wie locker du mit Geld umgehst, du solltest immer genug auf der Seite haben, um jederzeit kündigen zu können und ein halbes Jahr ohne Probleme auszukommen.

Wir alle haben in den letzten Jahren gesehen, wie die Wirtschaftslage schwanken kann. Als Freelancer trifft einen so etwas besonders stark. Ein finanzielles Polster ist in der Situation wichtiger denn je.

Getrennte Konten und fixe Gehälter

Getrennte oder gemeinsame Konten sind nicht nur ein Thema für Paare, sondern auch für Selbstständige. Eine meiner ersten Amtshandlungen als Selbstständiger war ein zweites Konto für meine Ein-Mann-Firma zu eröffnen. Auf dem Geschäftskonto landen meine Honorare, von dort aus bezahle ich Rechnungen, Software-Abos, Versicherungen und laufende Kosten. Und vor allem: Von dort zahle ich mir jeden Monat ein fixes Gehalt aus.

Dieses Gehalt ist immer gleich hoch, egal wie gut oder schlecht der Monat war. Ein Unternehmer denkt schließlich auch in Geschäftsjahren oder Quartalen und nicht in Monaten. Eigentlich klingt das banal, aber ich kenne genug Selbstständige, bei denen alles in einen Topf fließt – mit entsprechendem Chaos im Kopf und in den Finanzen.

Arbeite nicht zu Dumpingpreisen

Gerade am Anfang ist die Versuchung groß: Man will Aufträge, braucht erste Referenzen und Sichtbarkeit. Also geht man in Verhandlungen lieber etwas niedriger rein, um die Zusage nicht zu riskieren. Für eine kurze Zeit kann das sogar sinnvoll sein, aber es darf nicht zur Gewohnheit werden.

Denn wer dauerhaft zu Dumpingpreisen arbeitet, trainiert seine Kunden darauf, dass die eigene Arbeit wenig wert ist und sich selbst darauf, wenig zu verdienen. Irgendwann steckt man in einem Kreislauf, in dem man immer mehr arbeiten muss, um finanziell halbwegs auf der Stelle zu bleiben.

Sprich offen über Geld

In Österreich ist das Thema ja besonders heikel. Ich habe darüber schon in meiner Kolumne geschrieben. Viele Selbstständige gehen mit ihren Preisen um, wie mit einem gut gehüteten Geheimnis. Dabei wäre genau das Gegenteil sinnvoll: Wer offen über Preise spricht, kann den Markt besser einschätzen, fühlt sich sicherer in Verhandlungen und kann gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen realistische Honorare finden.

Ich habe mir angewöhnt, mit anderen Selbstständigen, seien es andere Autoren, PR-Berater, Fotografen oder Social Media Menschen, über ihre und meine Honorare zu sprechen. Und ehrlich gesagt: Die meisten sind ganz froh, sich mal offen darüber auszutauschen.

Verdopple den Preis

Mein guter Freund M. hat sich letztes Jahr ein Gravel Bike gekauft und will mich seitdem überzeugen, mir auch eines zuzulegen. Keine Frage: die Dinger schauen cool aus und ziehen auch ordentlich davon. Und außerdem bin ich schon über 40, also genau die Zielgruppe für teure Midlife-Crisis-Fahrräder. Als Angestellter hätte ich wahrscheinlich aufs Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gewartet und dann zugeschlagen.

Aber Selbstständiger denke ich anders. 2000 Euro auszugeben bedeutet für mich nämlich, dass ich erst mal 4000 Euro einnehmen muss. Denn von jedem Euro, der auf meinem Geschäftskonto landet, geht die Hälfte für Steuer, Sozialversicherung und laufende Kosten weg. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob sich eine Hobby-Ausgabe lohnt, mache ich diese einfache Rechnung. Wenn es eine Sache gibt, die meinen Umgang mit Geld am stärksten verändert hat, dann das.

Eigenverantwortung

Selbstständigkeit bedeutet Freiheit, aber sie bedeutet auch, die ganze Verantwortung selbst zu tragen. Vor allem in finanziellen Dingen ist es ein großes Umlernen, wenn man aus einer Anstellung kommt. Ich bin in den letzten zwei Jahren nicht zum Asketen geworden. Ich gehe weiterhin gern essen, kaufe Bücher und gönne mir auch Dinge, die nicht zwingend notwendig sind. Aber ich gehe mit Geld eben viel bewusster um, weil ich auch weiterhin die Freiheit haben will, die mir meine Selbstständigkeit ermöglicht. Und außerdem habe ich immer noch mehr Laufschuhe und Bücher zuhause herumstehen, als ich in einem Leben aufbrauchen kann.

Ljubisa Buzic
Ljubisa Buzic
Autor | Kärnten
Ressorts: Menschen | Meinungen, Hart | Herzlich, Arbeiten | Leben

buzic@mut-magazin.at

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