Aus Schladming heraus entwickelt TOWERN3000 eine Technologie, die die Fassade vom Bauteil zur Energiezentrale macht. Gründer Thomas Buchsteiner setzt mit der CEPA®-Energiefassade auf Sanierung statt Abriss, auf Serienfähigkeit statt Leuchtturmprojekte.
Thomas Buchsteiner hat aus Erfahrung im Fassadenbau, Erfindergeist und einem internationalen Netzwerk ein Unternehmen geformt, das nicht in klassische Kategorien passt. TOWERN3000 ist Werbeagentur, Innovationsplattform und Technologieentwickler zugleich. Im Zentrum steht die CEPA®-Energiefassade – eine Komplettlösung für Sanierungen, welche die Funktionen Dämmen, Heizen, Kühlen und Speichern in einem System vereint. Buchsteiner geht seinen eigenen Weg – offen, mutig und mit Blick nach vorne. Mit TOWERN3000 hat er ein Unternehmen aufgebaut, das heute weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit bekommt.
Nur noch selten sieht man ihn im heimischen Büro. Die Bahn ist mittlerweile sein zweiter Arbeitsplatz und seine Schaltzentrale geworden, um flink und nachhaltig zwischen Schauplätzen zu pendeln und persönlich als Speaker, Visionär, Berater oder zum Netzwerken vor Ort zu sein.
Mit großer Community zum Erfolg
Das Unternehmen verfügt über ein großes Netzwerk an ZeichnerInnen, StatikerInnen, RechtsanwältInnen, PatentrechtlerInnen, KunststofftechnikerInnen und weiteren SpezialistInnen im Hintergrund. Buchsteiner nennt genau das eines der wichtigsten „Goodies“ seines Unternehmens: die Vielzahl an Kontakten und die Fähigkeit, Kompetenzen rund um ein Innovationsprojekt zu bündeln.
Vom Tischlermeister zum Fassadenentwickler
Buchsteiner stammt aus dem Handwerk. Nach Tischlerlehre und Meisterausbildung arbeitete er viele Jahre im Glas-, Metall- und Fassadenbau sowie in der Prototypenentwicklung und Qualitätssicherung. Technik, Planung und neue Lösungen haben ihn schon früh fasziniert. Die entscheidende Idee zur CEPA®-Energiefassade ergab sich bei einem privaten Bauprojekt. Dabei fragte er sich: Warum ist eine Fassade eigentlich nur eine äußere Hülle? Für ihn war klar: Sie muss mehr können.
Aus dieser Überlegung entstand gemeinsam mit Forschungspartnern – unter anderem AEE INTEC, wo er seinen heutigen zweiten Geschäftsführer Thomas Ramschak kennenlernte – die heutige CEPA®-Technologie.

Die „Zwiebel“
Der Start des Unternehmens fiel in die Corona-Zeit. Der Firmenchef rechnete damit, dass der Neubau zurückgehen würde. Daraus entstand eine strategische Entscheidung: Es braucht Lösungen für die Sanierung. Nicht als Einzelstück, nicht als Vorzeigeprojekt, sondern als Modell für Handwerksbetriebe und größere Bauvorhaben.

Er entwickelte ein Businessmodell für Handwerksbetriebe. Dabei war ihm wichtig, keine geschlossene Technologie zu schaffen, die nur in einem engen System funktioniert. Die Fassade sollte energieoffen sein – also Fernwärme, Solarthermie und andere Systeme integrieren können. Der Name CEPA® verweist auf dieses Prinzip. CEPA bedeutet auf Lateinisch Zwiebel. Gemeint ist die Mehrschaligkeit: Technologien werden in Schalen eingebettet. Die CEPA®-Energiefassade macht aus einer Außenwand ein aktives Energiesystem. Sie verbindet Dämmung, Heizung, Kühlung und Energieverteilung direkt in der Fassade.
Die Lösung ermöglicht eine Niedertemperatur-Energieverteilung über die Außenhülle der Bestandsimmobilie. Durch die Verrohrung von außen ist die Methode minimalinvasiv; ein Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner während der Sanierung ist nicht notwendig. Durch die industrielle Vorfertigung geht der Einbau schnell und effizient. Der Visionär beschreibt das Prinzip anschaulich: wie eine Fußbodenheizung – nur an der Außenwand.
Forschung, die in der Praxis funktioniert
TOWERN3000 arbeitet heute an mehreren Forschungsprojekten mit – oft gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft. Der Anspruch dabei: Innovation muss im Alltag funktionieren, nicht nur auf dem Papier. Dass das gelingt, zeigen bereits umgesetzte Projekte: Bei der Plansee-Zentrale in Reutte wird überschüssige Produktionsenergie über die Fassade zum Heizen und Kühlen genutzt.

In der Wiener Arenberggasse wurde ein Wohngebäude der Sozialbau AG mit 24 Wohnungen im bewohnten Zustand saniert. An dem 1977 errichteten Gebäude konnten 60 industriell vorgefertigte Fassadenelemente samt Heiz- und Kühlsystem angebracht werden. Dank dem hohen Grad der Vorfertigung dauerte der Einbau vor Ort nur acht Tage.
Ein weiteres Projekt wurde in Graz für die Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft umgesetzt. In der Grüne Gasse 48 wendete der steirische Tausendsassa das Prinzip der seriellen Sanierung bei einem Studentenwohnheim an. Das Gebäude aus dem Jahr 1972 umfasst 34 Studentenwohnungen. Im Zuge der Erneuerung der Gebäudehülle und Gebäudetechnik montierte das Projektteam 84 vorgefertigte Vorhangmodule in 14 Werktagen.

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind breit angelegt: Die Energiefassade kann mit Steinfassaden, begrünten Fassaden, Holz-, Metall- oder Photovoltaikfassaden kombiniert werden.
Zahlreiche namhafte Auszeichnungen

Auch mehrere renommierte Innovationsauszeichnungen und Nominierungen hat das Unternehmen mit der CEPA®-Energiefassade erreicht. Erst kürzlich durfte Thomas Buchsteiner den Award „Innovation of the Year 2026“ des ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss in Berlin entgegennehmen. Darüber hinaus wurde die Lösung unter anderem mit dem Innovationspreis Steiermark 2024 ausgezeichnet sowie für den ACR-Innovationspreis, den Staatspreis Patent und die IÖB-Challenge „Zukunftsfähig & klimafit: Innovationen für die Sanierung, Optimierung und Revitalisierung öffentlicher Bestandsgebäude“ nominiert und ausgezeichnet.
Für Buchsteiner sind solche Preise und Bühnen wichtig – aber nicht als Trophäen. „Auszeichnungen sind für uns kein Selbstzweck – sie sind ein Spiegel, der zeigt, ob wir mit unseren Innovationen wirklich am richtigen Weg sind. Entscheidend ist nicht das Gewinnen, sondern die Erkenntnisse daraus. Sie geben Orientierung, stärken unser Vertrauen und helfen uns, Innovation konsequent weiter voranzutreiben.“
Unternehmer mit Weitblick
Was Buchsteiner auszeichnet, ist nicht nur technisches Wissen. Er bringt Menschen, Ideen und Kompetenzen zusammen. Für ihn bedeutet Innovation auch Verantwortung, Risiko und Ausdauer.
Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Hier geht es nicht um kurzfristige Trends oder schnelle Schlagzeilen. Es geht darum, langfristig und nachhaltig zu sein. Innovation bedeutet für ihn auch Risiko. Entscheidungen treffen. Verantwortung übernehmen. Immer wieder kritisch hinterfragen, ob man noch am richtigen Weg ist. Wann braucht es mehr Tempo? Wann muss nachgeschärft werden? Welche Entwicklungen kommen als Nächstes?
Denn zwischen einer Idee und einer funktionierenden Lösung liegen oft Jahre voller Herausforderungen. Umso wichtiger seien Vertrauen, starke Netzwerke und ein Team, das gemeinsam wächst.
Mutig und offen sein
TOWERN3000 zeigt, dass große Innovationen nicht zwingend aus Metropolen kommen müssen. Auch in der Tourismusregion Schladming-Dachstein sind abseits von Hotellerie, Gastronomie und Freizeitwirtschaft Unternehmen am Vormarsch, die mit technologischen Lösungen, Spezialwissen und unternehmerischem Mut überregional Aufmerksamkeit erzeugen und nationale Strahlkraft haben, sogar bis über die Grenzen hinaus.
Trotz Interesse aus dem Ausland liegt Buchsteiners Fokus klar auf Österreich. Sein Ziel: zeigen, welches Potenzial in heimischer Innovation steckt. Seine zentrale Botschaft ist einfach: Die Zukunft liegt nicht im Abriss, sondern darin, bestehende Gebäude intelligent zu nutzen. Oder wie er selbst sagt: „Die Fassade muss genutzt werden.“
