Vom Kartoffelacker zum Paradiesgarten: Wie zwei Brüder ein Familienerbe neu denken

Was vor 65 Jahren auf einem Kartoffelacker mit einem einzigen Kirschbaum begann, zählt heute zu den außergewöhnlichsten Ausflugszielen Kärntens. Mit dem Paradiesgarten Mattuschka führen Leonhard und Wendelin Spörk das Lebenswerk ihrer Familie in dritter Generation weiter und zeigen, wie Tradition, Digitalisierung und Unternehmergeist gemeinsam gedeihen können.

Ein Garten wächst zum Unternehmen

Wer heute den Paradiesgarten Mattuschka betritt, taucht in eine andere Welt ein. Auf mehr als 15.000 Quadratmetern blühen unzählige Pflanzen, zwischen alten Bäumen finden Workshops, Yogaeinheiten und Veranstaltungen statt. Dass hier vor 65 Jahren ein Kartoffelacker lag, ist kaum vorstellbar. Nur ein alter Kirschbaum erzählt noch von den Anfängen – denn der ist heute immer noch dort, wo er damals war. Aus diesem Stück Land im Klagenfurter Stadtteil Emmersdorf entwickelte sich über Generationen hinweg der Paradiesgarten Mattuschka – ein Familienunternehmen, das heute weit mehr ist als ein Garten.

Über Jahrzehnte entwickelte die Familie Mattuschka den Betrieb mit viel Fachwissen und Leidenschaft weiter. Was zunächst der Aufzucht von Gehölzen diente, wurde später zu einem außergewöhnlichen Schaugarten mit tausenden Stauden- und Pflanzensorten aus ganz Europa. BesucherInnen konnten hier schon früh erleben, wie Pflanzen nach vielen Jahren tatsächlich aussehen. Der Name „Paradiesgarten“ stammt übrigens von den KundInnen: „Immer wieder haben sie beim Betreten des Gartens begeistert ausgerufen: ‚Das ist ja das Paradies hier!‘ So wurde aus dieser spontanen Aussage ganz selbstverständlich der Name unseres Gartens“, erzählt Wendelin Spörk.

Das Team von Mattuschka Gartengestaltung, Gartenpflege und Pflanzenverkauf gemeinsam vor einem Firmenfahrzeug.
Gemeinsam wächst mehr: Das Team von Mattuschka verbindet gärtnerisches Fachwissen, Erfahrung und Leidenschaft. Foto: Mattuschka Paradiesgärten

Ein Lebenswerk neu gedacht

Vor rund zehn Jahren übernahmen Leonhard und Wendelin Spörk gemeinsam mit ihrer Familie den Betrieb. Für die Brüder stand dabei nie die Frage im Raum, alles anders zu machen. Viel wichtiger war eine andere Überlegung: Wie bewahrt man etwas, das Generationen aufgebaut haben, und entwickelt es gleichzeitig weiter? „Man muss nicht alles neu erfinden. Oft geht es darum, behutsam weiterzuentwickeln“, so die Unternehmer-Brüder. „Viele Menschen wollten nicht nur Pflanzen kaufen, sondern diesen besonderen Ort erleben“, erzählen die beiden. Denn vieles von dem, was BesucherInnen heute begeistert, gehört seit Jahrzehnten zur Geschichte des Betriebs.

Schon lange bevor Social Media Inspiration lieferte, kamen Menschen hierher, um Pflanzen in ihrer natürlichen Größe zu erleben. Gartenführungen, Konzerte und Veranstaltungen prägen den Paradiesgarten bereits seit rund 40 Jahren. Die Brüder haben dieses Fundament nicht ersetzt – sie haben darauf aufgebaut. Das neue Paradies-Glashaus macht Veranstaltungen heute wetterunabhängig und eröffnet neue Möglichkeiten für Events, Hochzeiten und kulturelle Veranstaltungen. Dazu entwickelten sie ein eigenes digitales Buchungs- und Veranstaltungsmanagement, mit dem der Familienbetrieb auch technologisch neue Wege geht. Und gleichzeitig blieb das erhalten, was den Paradiesgarten seit Jahrzehnten ausmacht: Seine Ruhe, seine Natürlichkeit und seine besondere Atmosphäre.

Blühender Paradiesgarten Mattuschka mit farbenfrohen Staudenbeeten, einem Liegestuhl und üppiger Pflanzenvielfalt auf über 15.000 Quadratmetern.
Der Paradiesgarten Mattuschka vereint auf mehr als 15.000 Quadratmetern außergewöhnliche Pflanzenvielfalt mit Ruhe, Inspiration und besonderen Naturerlebnissen. Foto: Mattuschka Paradiesgärten
„Die Pflanzen stehen nach wie vor im Mittelpunkt – alles andere soll sie ergänzen und nicht verdrängen.“ Leonhard & Wendelin Spörk

Von Größe und Geduld

Wer einen Garten führt, hat automatisch ein anderes Verständnis von Wachstum. „Wenn wir an Wachstum denken, denken wir automatisch an einen Garten. Alles, was dauerhaft Bestand haben soll, braucht Zeit“, so die Brüder. Dieser Gedanke begleitet Leonhard und Wendelin bei jeder Entscheidung. Einen Baum pflanzt man schließlich nicht für den nächsten Sommer. Und auch neue Ideen tragen ihre Früchte oft erst viele Jahre später. Dass der Paradiesgarten heute Tradition und Innovation so selbstverständlich verbindet, liegt auch an der Art, wie Leonhard und Wendelin Spörk zusammenarbeiten. Beide bringen unterschiedliche Stärken mit – und genau darin sehen sie ihren größten Vorteil. „Natürlich diskutieren wir auch unterschiedliche Ansichten. Aber gerade daraus entstehen oft die besten Lösungen“, erzählen die Brüder.

Blühender Weg mit Metallbögen im Paradiesgarten Mattuschka, gesäumt von farbenfrohen Stauden und üppigem Grün.
Blühende Vielfalt, verwunschene Wege: Im Paradiesgarten der Brüder Spörk finden Natur und Unternehmertum harmonisch zusammen. Foto: Mattuschka Paradiesgärten

Während die Leidenschaft für Pflanzen seit Generationen in der Familie verwurzelt ist, erweitern die beiden den Betrieb um wirtschaftliches, technisches und digitales Know-how. Diese Kombination ermöglicht es ihnen, Bewährtes zu erhalten und gleichzeitig neue Wege zu gehen – von der Planung und Umsetzung hochwertiger Gärten bis hin zu digitalen Projekten wie dem eigens entwickelten Online-Buchungs- und Veranstaltungsmanagement. Auch ihre Mutter, die den Betrieb heute als Seniorchefin begleitet, sowie ihre beiden Tanten bringen ihre jahrzehntelange Erfahrung täglich ein. Gemeinsam mit dem gesamten Mitarbeiterteam entsteht genau jene Mischung aus Erfahrung, Fachwissen und neuen Ideen, die den Familienbetrieb seit Jahrzehnten trägt.

Mehr als ein Schaugarten

Wenn man mit den beiden Brüdern spricht, merkt man: Sie denken nicht in kurzfristigen Erfolgen und Umsätzen, sondern in Generationen, Schritten, Jahren. Sie überlegen ganz bewusst, ob eine Idee den Paradiesgarten bereichert oder ob sie nur kurzfristig interessant wäre. „Uns ist wichtig, dass sich alles stimmig anfühlt. Der Garten ist über fast sieben Jahrzehnte gewachsen und genau diese Ruhe soll man auch heute noch spüren.“ Ein japanischer Garten, ein Waldgarten, ein neues Biotop – alles entwickelt sich Schritt für Schritt. Manche Bereiche dürfen sogar ganz bewusst wild bleiben. Denn ein Garten – so lernt man von den beiden – muss nicht perfekt, sondern lebendig sein.

Diese langfristige Denkweise prägt nicht nur den Garten, sondern den gesamten Betrieb. Auch wenn der Paradiesgarten in den vergangenen Jahren weit über Kärnten hinaus bekannt geworden ist, bildet er nur einen Teil des Unternehmens. Der eigentliche Schwerpunkt liegt nach wie vor in der Gartengestaltung, der Gartenpflege, der eigenen Baumschule und dem Pflanzenverkauf. Der Schaugarten ergänzt diese Bereiche auf besondere Weise.

Alles eine Frage der Zeit

Der alte Kirschbaum steht noch immer dort, wo vor 65 Jahren alles begann. Rund um ihn ist nicht nur ein außergewöhnlicher Garten gewachsen, sondern auch ein Familienunternehmen, das Generationen verbindet. Leonhard und Wendelin Spörk führen dieses Lebenswerk mit derselben Geduld weiter, mit der Pflanzen wachsen: Schritt für Schritt, Saison für Saison. Denn manches lässt sich nicht beschleunigen – weder ein Garten, noch ein Familienunternehmen, noch nachhaltiger unternehmerischer Erfolg.


Mattuschka Paradiesgärten

Tessendorfer Straße 360
9061 Klagenfurt am Wörthersee

www.mattuschka.at

Fotocredit: Mattuschka Paradiesgärten

Manuela Mark
Manuela Mark
Autorin | Kärnten
Ressorts: Start |Up, Life | Style, Leben |Arbeiten
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