Vom „Innenminister“ zum Chef

Er hat die Zahlen geprägt – jetzt prägt er die Strategie: Mit Peter Weichbold rückt ein langjähriger Gestalter an die Spitze der Planai-Hochwurzen-Bahnen.

Peter Weichbold hat Anfang Februar 2026 als langjähriger Insider die Geschäftsführung der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH übernommen. Er folgt auf Georg Bliem, der das Unternehmen seit 2012 – unmittelbar vor der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Schladming – über knapp 14 Jahre hinweg geführt und geprägt hat. Die mehrheitlich im Eigentum des Landes Steiermark stehende Seilbahngruppe setzt damit auf Kontinuität.

Weichbold selbst beschreibt seinen Einstieg in die neue Rolle als gelungen: „Ich bin gut hineingestartet. Ich fühle mich wohl und habe guten Zuspruch bekommen.“ Die ersten Wochen waren intensiv, aber wertvoll – sowohl für interne Abstimmungen als auch für die externe Positionierung.

Karriere aus dem Inneren des Unternehmens

Der gebürtige Donnersbachwalder ist seit über zwei Jahrzehnten im Unternehmen tätig. Nach seiner Ausbildung an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und einem Betriebswirtschaftsstudium begann er 2004 im Controlling der Planai. In den Folgejahren übernahm er zentrale Aufgaben in den Bereichen Finanzen, Controlling und Krisenmanagement.

2011 übernahm er zusätzlich die Geschäftsführung des Galsterbergs und war maßgeblich an der Organisation der Ski-WM 2013 in Schladming beteiligt. Seit 2019 fungierte er als Prokurist der Planai-Hochwurzen-Bahnen. In dieser Funktion gestaltete er wesentliche strukturelle Entwicklungen mit – eine Rolle, die er selbst rückblickend augenzwinkernd so beschreibt: „Ich war der ,Innenminister‘ des Unternehmens. Ich habe sehr viele Weichen gestellt und Umstrukturierungen verantwortet.“

Die Bestellung zum Geschäftsführer markiert für ihn den nächsten logischen Schritt: mehr Verantwortung im Unternehmen – und die Möglichkeit, die strategische Entwicklung maßgeblich zu prägen.

Erfolgreiche Wintersaison trotz schwieriger Bedingungen

Skifahrer fährt eine steile Piste hinab. Im Hintergrund zwei Gondeln.
Foto: Mirja Geh

Die Wintersaison 2025/26 verlief wirtschaftlich erfreulich, erzählt Weichbold. Mit rund 1,1 Millionen Ersteintritten auf Planai und Hochwurzen konnte das Unternehmen ein Plus von etwa fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielen.

Das Ergebnis ist vor allem vor dem Hintergrund herausfordernder Witterungsbedingungen bemerkenswert: geringe Schneemengen, wechselhafte Temperaturen und eingeschränkte Zeitfenster für die Beschneiung. Entsprechend gewann die technische Schneesicherung an Bedeutung. „Wir mussten unsere Schneekompetenz unter Beweis stellen“, so der Geschäftsführer.

Auch infrastrukturelle Maßnahmen wirkten sich positiv aus: Die neue „4-Berge Ski Super Connection“ zwischen Hauser Kaibling und Planai mit den Bahnen „Mitterhausalm I“ und „Senderbahn“ wurde von den Gästen gut angenommen und steigert die Attraktivität der Skischaukel.

Ski-Opening als globaler Reichweitentreiber

Besonders das Ski-Opening Schladming-Dachstein hat sich zu einem internationalen Aushängeschild entwickelt. Die Ausgabe 2025 mit den Backstreet Boys zog mehr als 50.000 BesucherInnen aus rund 60 Nationen an. Die Hälfte der Gäste blieb zumindest eine Nacht in der Region Schladming-Dachstein – ein bedeutender wirtschaftlicher Effekt für Tourismus und Beherbergung.

Die mediale Wirkung war außergewöhnlich: Mit einem errechneten Medienwert von rund 5,8 Millionen Euro und über 170 Millionen Kontakten weltweit unterstreicht das Event seine Bedeutung als Marketinginstrument. Gleichzeitig zeigt die hohe Wiederkehrabsicht der Gäste die nachhaltige Bindungswirkung.

Konzert. Blick auf die Bühne, viele Lichter. Vor der Bühne stehen tausende Menschen.
Internationale Strahlkraft: Die Backstreet Boys sorgten beim Ski-Opening in Schladming für tausende BesucherInnen und große mediale Aufmerksamkeit. Foto: Harald Steiner

Internationalisierung und Marktentwicklung

Die Herkunft der Gäste auf Planai, Hochwurzen und Galsterberg wird zunehmend breiter. Neben klassischen Märkten gewinnen insbesondere Länder in Osteuropa sowie Skandinavien und die Benelux-Staaten an Bedeutung. Innerhalb der Saison zeigt sich: Der Saisonstart gewinnt an Gewicht, während die Nachfrage gegen Ende tendenziell schwächer ausfällt.

Hohe Investitionen in Infrastruktur

Die Planai-Gruppe investiert kontinuierlich auf hohem Niveau. Nach rund 30 Millionen Euro im vergangenen Jahr sind für 2026 weitere 22 Millionen Euro vorgesehen, insbesondere für Beschneiungsinfrastruktur. Neben Beschneiungsanlagen stehen auch Überlegungen zu neuen Liftverbindungen im Raum – etwa zusätzliche Bahnen auf der Planai-Hochwurzen und Modernisierungen bestehender Anlagen. Ein zentrales Projekt ist die Erweiterung des Bruckmoos-Speicherteichs von 80.000 auf 200.000 Kubikmeter mit umgebauter Hochdruckstation, neuen Wasserleitungen, etc. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Beschneiung weiter zu erhöhen.

Visualisierung eines großen Teiches im Sommer.

Zentrales Infrastrukturprojekt: Die Visualisierung zeigt die geplante Erweiterung des Bruckmoos-Speicherteichs zur Stärkung der Beschneiungskapazitäten. Foto: ht-vis Architekturvisualisierungen

Der Fokus liegt auf einem ressourcenschonenden Schneemanagement, denn Nachhaltigkeit gewinnt auch bei einem Seilbahnunternehmen mehr und mehr an Priorität. Die Planai-Hochwurzen-Bahnen sind ISO-zertifiziert und verfolgen ein umfassendes Umwelt- und Energiemanagement. Maßnahmen reichen von Energiemonitoring und Photovoltaik bis zum Einsatz von Biotreibstoffen für Pistengeräte, Firmenfahrzeuge und Busse.

Sommergeschäft wird strategisch ausgebaut

Der Sommer gewinnt für die Seilbahn als zweites Standbein zunehmend an Bedeutung. Neben bestehenden Angeboten wie dem Dachstein-Erlebnis, dem Bikepark Planai mit rund 42 Kilometern Trails und familienorientierten Attraktionen wie dem Hopsiland werden neue Impulse gesetzt.

Erstmals wird 2026 eine groß angelegte Summer-Opening-Serie im Planai-Stadion durchgeführt. Das mehrtägige Event vom 3. bis 7. Juni bringt internationale und nationale KünstlerInnen nach Schladming. Auf dem Programm stehen Scooter, Sarah Connor, Roland Kaiser, Rainhard Fendrich und Plácido Domingo. Das Format verbindet Musikveranstaltungen mit alpiner Kulisse und soll neue Zielgruppen erschließen sowie die Positionierung der Region als Ganzjahresdestination stärken. Als Veranstalter fungiert die Leutgeb Entertainment Group.

Familie steht auf einem Spielplatz Dahinter sieht m an ein Klettergerüst für Kinder.
Das Hopsiland auf der Planai erfreut sich großer Beliebtheit. Dieses wird heuer um weitere Stationen erweitert. Foto: Christine Höflehner

Stadion als „Sandkiste“

Im Herbst wird das Planai-Stadion zur Sandkiste. Es folgt mit den MEVZA Beach Championships ein Volleyballturnier, welches im Rahmen der win2day Beach Volleyball Tour PRO Masters stattfindet, ein weiteres internationales Event. Das Turnier bringt Top-Teams nach Österreich und bietet sowohl etablierten Athletinnen und Athleten als auch aufstrebenden Talenten eine Plattform auf höchstem Niveau.

Breites Unternehmensportfolio

Die Planai-Hochwurzen-Bahnen sind heute weit mehr als ein klassischer Seilbahnbetreiber. Zum Unternehmen gehören die Skiberge Planai, Hochwurzen und Galsterberg sowie der Dachstein. Darüber hinaus betreibt die Gruppe ein eigenes Busunternehmen mit 16 Linien- und Reisebussen, mehrere Gastronomiestandorte – darunter das Panoramarestaurant am Dachstein – sowie Freizeiteinrichtungen wie den „Wilden Berg“ in Mautern. Beteiligungen bestehen unter anderem am Hauser Kaibling sowie an mehreren Handelsbetrieben in Schladming.

Ergänzt wird das Portfolio durch touristische Angebote wie den Bikepark Schladming, das Hopsi-Kinderland im Sommer sowie den Handel mit Merchandising-Produkten in der Planai-Talstation und der Dachstein-Bergstation.

Dachstein im Wandel

Eine besondere Rolle nimmt der Dachstein ein. Er entwickelt sich zunehmend zum Sommerberg, während die Bedeutung im klassischen Wintersport abnimmt. Skifahren ist aufgrund des Klimawandels nicht mehr möglich. Auch die beliebte Dachstein-Überquerung war in der Wintersaison 2025/2026 nicht durchführbar. Gleichzeitig wird an der Weiterentwicklung gearbeitet: Nach der Modernisierung der Bergstation steht mittelfristig auch die Talstation im Fokus. Konkrete Umsetzungspläne befinden sich derzeit in Ausarbeitung.

Bergmassiv mit Bergstation einer Goldebahn
Die Dachstein-Bergstation. Foto: Harald Steiner

Digitalisierung und Drohneneinsatz

Ein zunehmend wichtiger Bereich ist die Digitalisierung, wie Peter Weichbold erzählt. Dazu zählt unter anderem ein innovatives Drohnenprojekt, das aktuell getestet wurde. Dabei kommt eine Drohne zum Einsatz, die von Wien aus gesteuert wird und situativ über das Skigebiet fliegt.

Einsatzbereiche sind unter anderem die Optimierung der Beschneiung – etwa durch die Analyse von Windverhältnissen und Schneeverteilung – sowie Sicherheitsaspekte. Mithilfe von Wärmebildkameras kann überprüft werden, ob sich nachts noch Personen im Gelände befinden. Auch technische Inspektionen von Seilbahnanlagen sind möglich.

Die Ergebnisse der Testphase werden derzeit ausgewertet. Weichbold sieht in der Technologie großes Potenzial: Sie könne betriebliche Abläufe effizient unterstützen und neue Möglichkeiten in Wartung und Steuerung eröffnen.

Im Seilbahnbereich rücken zunehmend auch Automatisierungslösungen in den Fokus. Autonome Seilbahnsysteme stehen noch am Anfang, gelten jedoch als zentrale Zukunftsthemen, mit dem sich die Branche intensiv auseinandersetzen wird.

„Wir wollen Gäste zu Fans machen.“ Peter Weichbold

Anspruch: vom Gast zum Fan

Trotz aller technologischen und infrastrukturellen Entwicklungen bleibt für die Unternehmensführung ein Faktor zentral: die Servicequalität. „Wir wollen Gäste zu Fans machen“, formuliert Weichbold den Anspruch.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die verstärkte Zusammenarbeit auf Destinationsebene. Erstmals wurde heuer das Destinationsmarketing gemeinsam mit den vier Bergen – Hauser Kaibling, Planai, Hochwurzen und Reiteralm – sowie dem Tourismusverband umgesetzt. Dabei konnten Budgets gebündelt und ein gemeinsamer Marktauftritt realisiert werden. Ziel ist eine stärkere internationale Sichtbarkeit sowie eine klarere Positionierung der Region als zusammenhängendes Erlebnisgebiet.

Mit 350 bis 450 Mitarbeitenden – je nach Saison – sind die Planai-Hochwurzen-Bahnen ein zentraler Arbeitgeber der Region. Gleichzeitig verstehen sie sich als Teil eines größeren touristischen Netzwerks innerhalb der Region Schladming-Dachstein.

Mit Peter Weichbold übernimmt nun ein erfahrener Manager aus den eigenen Reihen die Führung eines komplex aufgestellten Tourismusunternehmens. Sein Ansatz ist klar: Bewährtes sichern, gezielt weiterentwickeln und neue Impulse setzen.

 

Veranstaltungen:

  • 3. – 7. Juni 2026: Summer-Opening mit Scooter, Sarah Connor, Roland Kaiser, Rainhard Fendrich, Plácido Domingo. Tickets sind auf Ö-Ticket verfügbar.
  • 18. – 21. Juni 2026: Alpentour Trophy: Vier Tage lang kämpfen internationale SpitzenfahrerInnen und ambitionierte Hobby-BikerInnen in den Bergen der Region Schladming-Dachstein um Ruhm und Ehre sowie UCI-Punkte.
  • 27. Juni 2026: Tauern Circle: Der 8 km lange Rundkurs mit über 15 Hindernissen bietet neue Challenges für alle Leistungsniveaus. Neu ist beim Junior Race eine Teamwertung für Kinder und Jugendliche von 8 bis 15 Jahren.
  • 4. – 6. September 2026: Das Planai-Stadion ist erstmals Austragungsort der MEVZA Beach Championships, welche im Rahmen der win2day Beach Volleyball Tour PRO stattfinden.
  • 18. – 20. September 2026: iXS International Rookie Championships: Der Propain Rookies Cup ist eine der wichtigsten Veranstaltungen für NachwuchsfahrerInnen im Downhill-Mountainbiking und zieht talentierte junge FahrerInnen aus der ganzen Welt an. Auch der Bikepark Schladming und somit die Schladminger Planai ist 2026 wieder ein actionreicher Tour-Stop.

Tina Tritscher
Tina Tritscher
Autorin | Steiermark
Ressorts: Life | Style, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich
tritscher@mut-magazin.at

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