Wer guten Kaffee liebt, kommt um die Kaffeeteria in Villach nicht herum. Die preisgekrönten Kaffeemacher Yvonne Karkolinig und Martin Kribitsch haben aus ihrem Kaffeehaus ein Unternehmen gemacht, das weit über Villach hinausgeht.
Es ist Montagvormittag und die Kaffeeteria in der Italienerstraße in Villach ist gerappelt voll. An allen Tischen sitzen kleine Gruppen von Gästen, trinken Kaffee, frühstücken, unterhalten sich angeregt. Die glänzenden Siebträgermaschinen zischen und dampfen vor sich hin. Geschäftige Kellnerinnen und Kellner tragen Teller mit Avocadobroten und Lachs-Bagels durch das Lokal. „Es schaut eigentlich immer so aus“, sagt Yvonne Krakolinig auf Nachfrage und lacht. „Das Geschäft läuft gut.“
Doch noch viel spannender ist das, was sich hier abseits des Gastro-Betriebs tut: Die hauseigene Kaffeerösterei beliefert Kaffeehäuser, Hotels und Privatkunden in ganz Österreich. Der Kaffee mit dem markanten großen „K“ wird im kleinen Café-Shop und übers Internet verkauft und ihre Barista-Kurse erreichen stetig ein neues Publikum. Ganz nebenbei räumen die beiden regelmäßig bei Wettbewerben und Auszeichnungen als Barista und Kaffeeröster ab.
Kaffee-Mikrokosmos
Vor zehn Jahren haben sich Yvonne Krakolinig und ihr Cousin Martin Kribitsch gemeinsam selbstständig gemacht, um guten Kaffee nach Villach zu bringen, wie sie sagen. „Wir waren oft miteinander Kaffeetrinken und der Kaffee war überall so schleißig“, sagt Yvonne Krakolinig, die zuvor einen Gastrobetrieb in Villach geführt hatte. „Wir haben dann gesagt: Jammern hilft nichts. Vielleicht können wir es ja selbst besser machen.“

Die eigentliche Geschäftsidee war aber kein großes Kaffeehaus, sondern die Veredelung von Rohkaffee in ihrer eigenen Rösterei. „Ursprünglich sollte die Rösterei der Kern unseres Geschäfts sein, mit einem kleinen Cafébereich als Showroom“, erzählt Yvonne. „Man sollte Kaffee kaufen und nebenbei vielleicht eine Tasse trinken.“
Das Konzept kam fast zu gut an. Der kleine Laden, in dem man Kaffee trinken und beim Rösten zusehen konnte, sprach sich schnell herum und war gut besucht. Gleichzeitig brachte der schnelle Erfolg die ersten Stolpersteine und Aha-Momente mit sich.
Nachjustieren und verändern
„Unsere erste Maschine konnte nur 1,2 Kilogramm Kaffee auf einmal verarbeiten. Da bin ich am Sonntag acht Stunden gestanden und habe geröstet“, erzählt Martin. „Der erste Gastro-Kunde, der bei uns 20 Kilo pro Woche bestellt hat, hatte uns schon für zwei Tage ausgelastet.“ Eine Neuanschaffung musste bald folgen.
Auch das Rösten direkt im Verkaufsbereich stellte sich als keine gute Idee heraus. „Kaffeerösten klingt immer so romantisch“, erzählt Martin. „Aber im Geschäft hatte es 45 Grad, wir mussten eine Klimaanlage kaufen. Der Geruch ist nicht so angenehm, eher wie beim Rösten von Getreide.“

Es war auch nicht sehr praktisch, gleichzeitig Kaffee zu rösten und Kunden zu bedienen, wie sich Yvonne erinnert: „Kaffeerösten ist sehr anspruchsvoll. Selbst wenn du nur ein bisschen abgelenkt bist, kann das große Folgen haben. Wir haben in der Zeit sehr viel Kaffee weggeschmissen, weil er nicht gelungen ist.“
Wachstum und neue Lektionen
Bald gliederten die beiden den Rösterei-Betrieb an einen eigenen Standort am Stadtrand von Villach aus und siedelten mit dem Kaffeehaus in das heutige Lokal in der Italienerstraße 15. Hier gibt es eine größere Fläche für das Kaffeehaus mit zwei Gastgärten und einen Verkaufsraum.
Erfolge bei Barista-Wettbewerben und Kaffeeröster-Meisterschaften brachten den beiden Aufmerksamkeit weit über Villach hinaus. Sie erkannten die Nachfrage nach Wissen über die Kaffeezubereitung und begannen in ihrem eigenen Lokal Barista-Kurse abzuhalten. Ein Kerngeschäft blieb aber nach wie vor das Rösten und wuchs stätig weiter.
Yvonne Karkoilnig hat mehrere international anerkannte Barista-Ausbildungen absolviert und die Branchen-Auszeichnung als Barista des Jahres 2024 vom Rolling Pin bekommen.
Martin Kribitsch hat 2025 den Staatsmeistertitel bei den österreichischen Röstmeisterschaften geholt.
40 Tonnen Kaffee im Jahr
Im vergangenen Jahr hat die Rösterei 40 Tonnen Rohkaffee verarbeitet. Etwa die Hälfte des veredelten Kaffees geht an B2B-Kunden, vor allem andere Kaffeehäuser, Restaurants oder Hotels. Mit dem größer werdenden Kundenstamm kamen neue Herausforderungen dazu.
„Kaffee ist ein Naturprodukt“, erklärt Yvonne. „Da gibt es Schwankungen, je nach Anbauort, Wetter, Transportwegen und letztendlich bei der Zubereitung beim Kunden. Trotzdem ist der Anspruch, dass das Produkt immer gleich schmeckt, auch wenn man es in größeren Mengen herstellt. Das ist eine riesige Herausforderung.“
Das Unternehmerduo aus den Anfangstagen ist mittlerweile zu einem Trio geworden. Gastro-Profi Florian Kogler ist im heurigen Jahr dazu gekommen. „Ich habe viele Jahre in Deutschland in der Entwicklung und Optimierung von Gastronomiekonzepten gearbeitet“, erzählt der gebürtige Wiener. Was ihn mit Yvonne und Martin verbindet ist der hohe Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit.

Das merkt man, wenn sie über die Feinheiten der Kaffeeproduktion sprechen: Anbaugebiete, Veredelungsarten, Kaffee-Mischungen und Rezepturen und die perfekte Art der Zubereitung. Das alles beschäftigt sie ebenso wie der unternehmerische Aspekt.
„Wenn du mit einer Leidenschaft an eine Sache herangehst, kommt der Anspruch, besser zu werden, aus einem selbst“, sagt Florian Kogler. „Klar muss man am Ende des Tages etwas verkaufen, sonst ist es kein Geschäft. Aber an erster Stelle steht eben der Anspruch an sich selbst.“
Damit die Qualität, die in der Tasse landet, auch ihren eigenen Ansprüchen genügt, bieten sie ihren Kunden Schulungen in der Zubereitung vor Ort an deren eigenen Maschinen an. „Wir arbeiten gerade an Lehr-Videos, die man dann auch online ansehen kann“, erklärt Florian Kogler. So soll garantiert werden, dass die Zubereitung des Kaffees bei Gastronomie-Kunden stets auf gleich hohem Niveau bleibt.
Leidenschaft für den Kaffee
Eine große Vision für die Zukunft hat das Trio noch: „Dass wir eines Tages den Anbau selbst übernehmen“, sagt Yvonne. „Es wäre ein Ziel von uns, dass wir bei der Bepflanzung mitreden, beim Wachstum, der Ernte, der Veredelung und Zubereitung. Dann würde sich der Kreis schließen.“

