Wenn Oswald Held durch die Sahara unterwegs ist, bis nach Südalbanien fährt oder am Eingang zum Atlas Halt macht, sieht es aus wie ein großes Abenteuer. Dass er mit seinem Jeep Wrangler Rubicon für sein Unternehmen Van den Berg auf Achse ist, wissen die wenigsten.
Wüstensand, Flussquerungen und lehmige Reifen sind stete Wegbegleiter, wenn der Steirer mit seinem Sohn Fabian auf der Suche nach den besten Gewürzen der Welt ist. Vor ihnen erstreckt sich das rund 2300 Kilometer lange Hochgebirge im Nordwesten Afrikas, der Atlas. Hinter ihnen liegt Marokko, vor ihnen tun sich Algerien und Tunesien auf. In Alnif angekommen geht es geradewegs auf den Markt. Die beiden haben ihr Ziel erreicht: Neue Aromen zu entdecken.

Das Grazer Gewürzhaus bekommt eine neue Aufgabe
Zurück in Graz steht Van den Berg vor einem anderen Abenteuer. Die Produktion, der Versand und die damit verbundenen Abläufe sollen aus dem Gewürzhaus in eine nahe gelegene Halle übersiedeln. Für das dreigeschossige Haus bedeutet das mehr Platz für das, was bislang neben dem Tagesgeschäft stattfand: Gewürze entdecken, verkosten und erleben.
Der Schritt verändert die Funktion des Standorts. Wo gestern noch Waren ein- und ausgingen und Bestellungen vorbereitet wurden, können sich künftig Besucherinnen und Besucher stärker mit den Produkten beschäftigen. Held spricht von einer Erlebniswelt über drei Geschosse. Die Räume wurden fürs Entdecken umgestaltet, denn die Richtung ist klar. Das Gewürzhaus soll mehr sein als ein Ort, an dem man eine Dose Pfeffer kauft und wieder geht.
Im oberen Bereich finden bereits Veranstaltungen statt. Workshops können je nach Wetter auch auf die Terrasse ausweichen. Mit dem Umzug stehen nun weitere Flächen für Präsentationen und Verkostungen zur Verfügung. Damit rückt etwas in den Mittelpunkt, das sich online nur schwer vermitteln lässt: der Unterschied zwischen Gewürzen, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen, aber ganz anders riechen und schmecken. „Wir möchten zeigen, was Gewürze in der Küche bewirken“, so der Unternehmer.

Was bei Van den Berg über Qualität entscheidet
Gewürze gibt es überall. Genau darin sieht Held die Herausforderung. Wer eine Standardware sucht, wird schnell fündig. Wer ein bestimmtes Aroma für ein Gericht oder eine eigene Mischung braucht, muss genauer hinsehen. Rund 250 Gewürze und Gewürzmischungen führt Van den Berg nach Helds Angaben im Sortiment. Darin enthalten sind etwa 100 Spezialmischungen, die das Unternehmen für Betriebe entwickelt.
Bei der Auswahl zählt für ihn vor allem die Intensität. Während des Gesprächs öffnet er Dosen, lässt an Zimt und verschiedenen Pfeffersorten riechen und beschreibt, worauf er achtet. Es geht um Herkunft und Beschaffenheit, vor allem aber um das Ergebnis in der Küche. Eine Mischung muss so schmecken, wie es ihre Zutaten und ihr Verwendungszweck erwarten lassen.
Dafür kauft Van den Berg keineswegs alles möglichst weit entfernt ein. Kräuter, die in Europa in guter Qualität erhältlich sind, bezieht das Unternehmen nach Helds Darstellung bevorzugt von dort. Andere Aromen kommen aus Regionen, in denen die gesuchten Pflanzen wachsen oder die gewünschte geschmackliche Ausprägung erreichen. Auch Bio ist für ihn kein Selbstzweck: Passt ein Bioprodukt zugleich zum Qualitätsanspruch, nimmt er es gerne ins Sortiment. Ausschlaggebend bleibt das Aroma.
Corporate Gifting ist das Hauptgeschäft
Wer das Gewürzhaus besucht, könnte vermuten, Van den Berg lebe vor allem vom Verkauf einzelner Dosen. Tatsächlich ist ein anderer Bereich besonders wichtig. „Unser Hauptgeschäft ist eindeutig Corporate Gifting“, sagt Held. Unternehmen bestellen Gewürze und Mischungen als Geschenke für ihre Kundschaft oder für Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten.
Die Idee dahinter ist einfach: Eine gute Gewürzmischung lässt sich im Alltag verwenden und bleibt oft über Wochen in der Küche stehen. Für ein Unternehmen kann sie dadurch länger präsent sein als ein Geschenk, das nach einmaligem Gebrauch verschwindet. Held sieht darin einen wesentlichen Grund, weshalb Firmen bei Van den Berg bestellen. Gewürze lassen sich zudem für unterschiedliche Vorlieben einsetzen, ohne dass die Schenkenden ein bestimmtes Menü vorgeben müssen.
Zum Angebot gehören auch eigens entwickelte Mischungen. Hier verbindet sich die Arbeit an Rezepturen mit dem Firmengeschenk: Ein Produkt soll zur Marke passen und gleichzeitig in der Küche überzeugen. Der Aufdruck allein reicht dafür nicht. Wenn der Inhalt niemandem schmeckt, verliert das Geschenk seinen Zweck.
Daneben verkauft Van den Berg an Privatkundinnen und Privatkunden sowie an Gastronomiebetriebe. Viele entdecken ein Gewürz zunächst bei einer Verkostung oder erhalten es geschenkt und bestellen später nach. Rund 15.000 Menschen haben nach Helds Angaben den Newsletter abonniert. Für ein vergleichsweise kleines Unternehmen ist dieser direkte Kontakt zur Kundschaft ein wichtiger Vertriebsweg.

Veranstaltungen machen aus Gewürzen ein Erlebnis
Die Events im Gewürzhaus erfüllen ebenfalls mehrere Aufgaben. Menschen können Neues ausprobieren, Fragen stellen und erleben, wie sich eine Mischung beim Kochen einsetzen lässt. Gleichzeitig lernen Personen das Unternehmen kennen, die wegen einer Veranstaltung kommen und den Shop zuvor vielleicht noch nie besucht haben.
Darin liegt die wirtschaftliche Logik hinter der umfangreichen Neugestaltung. Die Produktion braucht funktionierende Abläufe und ausreichend Platz; ein Verkostungsraum Atmosphäre, Zeit und Begegnung. Beides unter einem Dach zu organisieren, stößt irgendwann an Grenzen. Durch die räumliche Trennung kann Van den Berg die Herstellung anders aufstellen und das Haus in Graz stärker für Verkauf und Veranstaltungen nutzen.

Von der Entdeckungsreise zum Geschäftsmodell
Die Fahrten mit seinem Sohn Fabian passen deshalb besser zum Unternehmen, als es die Bilder vom Jeep zunächst vermuten lassen. Unterwegs geht es um neue Eindrücke und um Produkte, die in Graz ihren Platz finden könnten. Im Gewürzhaus folgt darauf die nächste Frage: Welches Aroma überzeugt auch andere Menschen – zu Hause am Herd, in einer Profiküche oder als Geschenk eines Unternehmens? Die Frage stellt sich auch Lukas Mraz, österreichischer Revoluzzer-Koch und Tim Mälzer-Besieger, wenn er für Van den Berg die Lieblingsprodukte der Küchenchefs verrät. Darunter übrigens fermentierter Kampot-Pfeffer.
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Strauchergasse 8
8020 Graz
+43 664 88 46 2700
office@vandenberg.at
www.vandenberg.at



