Wer sich selbstständig macht, steigt auf ein ganz besonderes Fahrrad: Eines ohne Stützräder, mit viel Eigenantrieb, ordentlich Gewicht und eines, das einem Portion Mut abverlangt. Als ebenso begeisterte Unternehmerin wie Mountainbikerin sehe ich in Touren jede Menge Parallelen zum Alltag in der Selbstständigkeit. Denn wie am Trail gilt im Business: Es braucht eine Menge Kraft, um voranzukommen. Und nicht jeder Abstieg ist eine Niederlage – manchmal gehört das rasante Bergab auch einfach dazu. Wäre ja sonst nur der halbe Spaß.
Uphill: Harte Arbeit, langsamer Fortschritt
Beim Mountainbiken ist der Anstieg oft der anstrengendste Teil. Der Puls steigt, die Beine rennen und jeder Meter kostet neue Überwindung. Der kleinste Gang, der Blick aufs Vorderrad, der Fokus auf die Atmung – das ist kein Sprint, sondern eine mentale Herausforderung. Ähnlich fühlt sich der Anfang in der Selbstständigkeit an: Man investiert viel Energie und Nerven – der Fortschritt zeichnet sich gefühlt nur langsam ab. Man muss sich seinen Weg erarbeiten, oft allein, mit Fokus und Durchhaltevermögen. Dennoch blicke ich positiv auf die Anfangszeit zurück: Sich selbst erfinden, Entscheidungen treffen, groß denken. Aber eben auch: Schlaflose Nächte, wirre Gedanken ständig neu sortieren.

Ruppiger Singletrail vs. …
Ein technischer Singletrail erfordert volle Konzentration. Jeder Stein, jede Wurzel kann zum Hindernis werden, wenn man nicht aufmerksam bleibt. Auch als Selbständige treffe ich Entscheidungen oft unter Zeitdruck – mal intuitiv, mal auf Basis von Zahlen. Es braucht volle Konzentration: Fingerspitzen an der Bremse, Zeigefinger jederzeit bereit. Der Blick gehört nicht direkt vor das Vorderrad, sondern in die Kurve voraus. Wer zögert, verliert die Linie – und manchmal die Balance. Und als Unternehmerin? Ich muss reagieren, Vertrauen in mich selbst haben, mit Konsequenzen umgehen können – ob Geniestreich oder Ausrutscher. Wichtig bleibt: Weitermachen.

…sanfter Flowtrail
Und dann gibt es diese geilen Momente: Es fügt sich alles. Es läuft. Es rollt. Die Strecke passt, die Technik sitzt – das Outfit sowieso. Ich verlagere mein Gewicht ganz automatisch in die Kurven, stehe locker in den Pedalen, der Lenker reagiert geschmeidig. Ich bin ganz im Moment. Kein Denken, nur Tun. Für mich gibt es auch im unternehmerischen Alltag kaum ein schöneres Gefühl: Projekte laufen rund, der Kontakt zu KundInnen und GeschäftspartnerInnen stimmt, die Rückmeldungen motivieren. Der Zustand des „Flows“ ist selten planbar, aber wenn er da ist, sollte man ihn auskosten!
Downhill: Riskant, aber reizvoll
Bergab ist kein Selbstläufer. Es braucht Technik und Erfahrung: Das Gesäß weit nach hinten über den Sattel, Finger auf der Bremse – bloß kein Verkrampfen. Zu stark bremsen? Überschlagsgefahr. Zu lockergelassen? Kontrollverlust. Auch in meinen mehr als fünf Jahren Selbstständigkeit gab es immer wieder Phasen, in denen es oft schnell ging – schnelles Wachstum, aber auch plötzliches Verlieren von Aufträgen oder KundInnen. Schnell werden Kapazitäten überstrapaziert und Fehler schleichen sich ein. Wie beim Downhill: Geschwindigkeit braucht Kontrolle. Gute Linienwahl ist entscheidend. In jedem Fall kann ich heute sagen: Bleib dir treu. Und glaube dir selbst mehr als anderen. Dein Bike. Deine Regeln.

Pause ist Pflicht
Gerade auf ausgiebigen Touren sind Pausen Pflicht. Die volle Wasserflasche genauso wichtig wie das Belohnungs-Bier auf der Hütte und der Snack zwischendurch. Wer durchzieht, riskiert Krämpfe oder Konzentrationsverluste. Und ganz ehrlich: Der Ausblick von oben ist viel schöner, wenn man ihn wirklich wahrnimmt, anstatt völlig aus der Puste. Etwas, von dem ich Jahre gebraucht habe, um es zu lernen. Und wahrscheinlich bin ich noch immer nicht am Ziel. Ich musste – teilweise auf die harte Tour – lernen, Pausen und Urlaub zu machen. Es ist verlockend, immer weiterzumachen – aber irgendwann leiden Kreativität, Entscheidungsfreude und Lebensqualität. Sich zu regenerieren und Dinge einfach mal sein zu lassen ist kein Zeichen von Schwäche oder Faulheit – es ist Teil einer nachhaltigen Unternehmensstrategie.
Am Ende zählt das Tun
Wer aufhört zu treten, fällt um. Wer immer stur geradeaus will, wird irgendwann zum Stehen kommen. Mountainbiken und Unternehmertum haben eines gemeinsam: Beides ist kein gerader Weg. Es geht auf und ab – mit Anstrengung, Tempo, Pausen und an jeder Ecke eine kleine oder große Herausforderung. Wer aber die Technik beherrscht, das Ziel kennt und sich selbst vertraut, rollt nicht nur durch Höhen und Tiefen, sondern findet am unternehmerischen Trail vor allem eines: Freiheit, Abenteuer und die herrliche Möglichkeit, den eigenen Weg selbst zu gestalten.
Meine Top 3 Mountainbike-Trails in Kärnten
Fotos: Privat/KK
