Staatspreise für Kärnten und die Steiermark

Das Jahr 1893 gilt im deutschsprachigen Raum als Geburtsstunde des modernen Marketings: Dr. Oetker begann damals, sein Backpulver professionell zu vermarkten. Was das mit der Kärntner Wirtschaft zu tun hat? Lesen Sie weiter unten!

Marketing, sagt man, sei die Kunst, aus Aufmerksamkeit Vertrauen zu machen – und aus Vertrauen Wirkung. MarketerInnen wissen das in der Regel und richten ihre unternehmerische Tätigkeit danach aus, Aufmerksamkeit für ihre KlientInnen zu schaffen. Das ist harte Arbeit, denn Aufmerksamkeit entsteht nicht von selbst. Sie muss gewonnen, gehalten und gerechtfertigt werden.

Das gilt für die KundInnen von Werbe- und MarketingberaterInnen ebenso wie für die Marketingbranche selbst. Leistungsfähigkeit hängt unmittelbar mit Sichtbarkeit zusammen, und um sichtbar zu bleiben, braucht es eine Bühne. Dort, wo Unternehmen, Agenturen und Marken mehr leisten als bloße Sichtbarkeit, muss diese Leistung erkennbar gemacht werden.

Juryvorsitzender: Univ. Prof. Dr. Thomas Foscht
Thomas Foscht von der Universität Graz fungierte als Juryvorsitzender für den Staatspreis Marketing 2026 Foto: KF Uni Graz

Der Staatspreis Marketing schafft genau diese Bühne. Er rückt jene Arbeiten ins Rampenlicht, die strategische Strukturiertheit, kreative Exzellenz und messbaren Markterfolg verbinden. Damit sorgt er für jene Aufmerksamkeit, die herausragende Marketingleistungen verdienen – nicht als Selbstzweck, sondern als Anerkennung für Ideen, die KonsumentInnen bewegen und Marken stärken. Kurzum: die Wirkung entfalten.

Qualität, Relevanz und Innovationsgrad entscheidend

Vergeben wird er vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus im Zweijahresrhythmus für herausragende, innovative und nachhaltig wirksame Marketingleistungen. Mit der Ausrichtung ist traditionell die Austrian Marketing Confederation (AMC), der Dachverband der österreichischen Marketing Clubs, betraut. Als höchste staatliche Auszeichnung für Marketing in Österreich würdigt der Staatspreis Unternehmen, Organisationen und Institutionen, die durch strategische Qualität, kreative Innovationskraft und nachweisbaren Markterfolg überzeugen. Im Mittelpunkt der Bewertung stehen Qualität und Relevanz der eingereichten Projekte ebenso wie ihr Innovationsgrad und ihre nachhaltige Wirkung. Tatsache ist: Wer auf dieser Bühne steht, gehört zu den Großen in Österreichs Marketing.

Eben dieser Staatspreis wurde jüngst in Wien verliehen. Spoiler: Die Gesamtwertung gewannen Demner, Merlicek & Bergmann für ihren Kunden Wiener Städtische Versicherung. Die strategische und kreative Leistung der MarketerInnen war im Wortsinne unschlagbar; da konnte auch die Stärke der anderen 147 erstklassigen Einreichungen nichts ausrichten. „#frausorgtvor“ war die ausgezeichnete Kampagne, die sich in der Kategorie Dienstleistungs-Marketing als beste von drei Nominierungen zum Staatspreis durchsetzen konnte. Sie rückt die finanzielle Vorsorge von Frauen in den Mittelpunkt und verbindet, so die Jury, gesellschaftliche Relevanz mit strategischer Markenführung und zielgerichteter Aktivierung.

Erstmals Bundesländerpreise vergeben

Erstmals wurde der Staatspreis auch in Bundesländerkategorien vergeben. Mit insgesamt acht Einreichungen aus der Steiermark und zwei aus Kärnten, die von der Hauptjury für die Shortlist des Staatspreises Marketing ausgewählt wurden, waren beide Bundesländer beim diesjährigen Wettbewerb erfolgreich vertreten. Das unterstreicht die Bedeutung und die Lebendigkeit der Kreativwirtschaft beider Bundesländer. Die Bundesländerpreise gingen an die Montanuniversität Leoben für ihren neuen Markenauftritt und an Dr. Oetker Österreich für den erfolgreichen Launch der Premium-Tiefkühlpizza SUPREMA. „Die beiden ausgezeichneten Projekte stehen beispielhaft für modernes Marketing: Sie verbinden eine klare strategische Ausrichtung mit kreativer Umsetzung und messbaren Ergebnissen“, erklärt der Marketing Club Graz.

Steiermark: Die Montanuniversität Leoben positioniert sich neu

Mit dem Projekt „Neu und erfolgreich – der Markenauftritt der Montanuniversität Leoben“ hat die Montanuniversität Leoben ihre Marke grundlegend weiterentwickelt. Ziel war es, die Universität von der historisch geprägten Wahrnehmung als reine Bergbauuniversität zu lösen und sie als moderne Ausbildungs- und Forschungseinrichtung für industrielle Transformation, Nachhaltigkeit und Circular Engineering zu positionieren. Unter dem neuen Claim „Versetz’ Berge / Move Mountains“ entstand ein konsistenter Markenauftritt, der sämtliche Kommunikationsmaßnahmen – von der Website über Social Media bis hin zu Veranstaltungen und Kampagnen – miteinander verbindet.

Im Mittelpunkt steht die Botschaft, dass Studierende an der Montanuniversität aktiv an Lösungen für Zukunftsthemen wie Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und nachhaltige Industrie mitarbeiten können. Die Neupositionierung zeigte bereits nach kurzer Zeit deutliche Erfolge. Nach mehreren Jahren rückläufiger Studierendenzahlen konnte erstmals wieder Wachstum erzielt werden. Die Zahl der StudienbeginnerInnen stieg gegenüber dem Vorjahr um 48 Prozent, die Gesamtstudierendenzahl um sechs Prozent. Gleichzeitig wurde der neue Markenauftritt von den Zielgruppen sehr positiv aufgenommen und das Image der Universität nachhaltig modernisiert.

Team von Unileoben, Marketingstaatspreisorganisatoren und Springer & Jacoby
Montanuni Leoben für das Marketingkonzept „Neu und erfolgreich – der Markenauftritt der Montanuniversität Leoben“: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, AMC-Präsident Willy Lehmann, Doris Sticksl, Vorständin Marketing Club Graz und Bundesländerpreis-Sponsorin Karin Seywald-Czihak (ÖBB-Werbung) gratulieren Christina Holweg, Anna Amerer, Johannes Roth, Birgit Stampfl, Christine Adacker und Thomas Antretter vom Team der Montanuniversität Leoben sowie dem Team der betreuenden Agentur Springer & Jacoby,, Marco Ulbing, Hans-Peter Feichtner, Lea Mittendorfer, Sebastian Müller, Paul Holcmann, Ralf Kober & Klaus Ketterle. Foto: Ingo Folie

Kärnten: Premium-Innovation belebt den Tiefkühlpizza-Markt

Der Kärntner Bundesländerpreis ging an Dr. Oetker Österreich für den „SUPREMA Premium-Launch“. Ziel des Projekts war es, mit einer innovativen Premium-Tiefkühlpizza neue Qualitätsstandards in einem gesättigten Markt zu setzen und gleichzeitig neue Zielgruppen für das Tiefkühlsegment zu gewinnen.

Herzstück des Projekts war die Entwicklung einer neuen Pizzatechnologie, die traditionelles italienisches Backhandwerk mit moderner Produktion verbindet. Begleitet wurde der Produktlaunch von einer integrierten Marketingkampagne, die klassische Reichweitenmedien mit innovativen Aktivierungsmaßnahmen kombinierte. Dazu zählten unter anderem Mixed-Reality-Videos, ein Pop-up-Restaurant im Wiener Riesenrad, Kooperationen mit Lieferdiensten, Influencer-Marketing sowie aufmerksamkeitsstarke Aktionen am Point of Sale.

Die Kampagne erzielte beachtliche Ergebnisse: Über 23 Millionen Impressions, mehr als 90 Prozent Reichweite in der relevanten Zielgruppe, ein Umsatzwachstum von 36 Prozent im Steinofen-Segment sowie 20 Prozent NeukäuferInnen in der Kategorie dokumentieren den erfolgreichen Marktstart. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich SUPREMA zu einer der erfolgreichsten Submarken von Dr. Oetker und setzte neue Impulse im Premiumsegment des österreichischen Tiefkühlpizza-Marktes.

Dr. Oetker für die Einreichung „Suprema Premium-Launch“: Bundesländerpreis-Sponsor Karin Seywald-Czihak (ÖBB-Werbung), AMC-Ehrenpräsident Georg Wiedenhofer, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und AMC-Präsident Willy Lehmann gratulieren Alexander Tauchhammer (Dr. Oetker). Foto: Ingo Folie

Marketing mit strategischer Wirkung

Die beiden ausgezeichneten Projekte verdeutlichen die Bandbreite erfolgreichen Marketings. Während die Montanuniversität Leoben mit einer konsequenten Markenstrategie ihre Position im Bildungsmarkt nachhaltig stärkte, überzeugte Dr. Oetker mit der erfolgreichen Einführung einer Produktinnovation in einem stark umkämpften Markt. Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz das Marketing tiefgreifend verändert, gewinnt diese strategische Dimension zusätzlich an Bedeutung. Womit man die Frage nach der KI im Marketing beantworten muss: „Wie sehr ändert sich Marketing gerade – kann das mit Hilfe der KI bald jeder?“

Juryvorsitzender Thomas Foscht von der Universität Graz ist sich sicher: „Künstliche Intelligenz verändert das Marketing derzeit so tiefgreifend wie kaum eine technologische Entwicklung zuvor. Inhalte lassen sich heute innerhalb weniger Minuten erstellen, Zielgruppen präziser analysieren und Kampagnen effizienter ausspielen. Viele operative Aufgaben werden dadurch einfacher und schneller. Die eigentliche Herausforderung des Marketings bleibt jedoch unverändert. Erfolgreiche Marken entstehen nicht durch einzelne Werbemittel oder KI-generierte Inhalte, sondern durch eine klare Strategie. Entscheidend sind ein tiefes Verständnis der Zielgruppen, eine überzeugende Positionierung, Kreativität und die Fähigkeit, langfristige Markenwerte aufzubauen.“

„Erfolgreiche Marken entstehen nicht durch einzelne Werbemittel oder KI-generierte Inhalte, sondern durch eine klare Strategie.“ Thomas Foscht

KI werde daher zu einem selbstverständlichen Werkzeug im Marketing werden – ähnlich wie einst das Internet oder Social Media. Foscht: „Sie kann Prozesse beschleunigen, Ideen liefern und Entscheidungen unterstützen. Sie ersetzt jedoch weder strategisches Denken noch unternehmerische Erfahrung oder das Gespür für Menschen und Märkte. Gerade deshalb wird professionelles Marketing künftig noch wichtiger: Wer künstliche Intelligenz sinnvoll mit Markenstrategie, Kreativität und Datenkompetenz verbindet, wird sich im Wettbewerb erfolgreich differenzieren können. KI macht Marketing schneller – aber nicht automatisch besser.“

Hannes Roth
Hannes Roth
Autor | Steiermark
Ressorts: Wirtschaft | Politik, Hart | Herzlich, Start | Up
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