Mit 17 Mutter, Unternehmerin mit 28 und heute eine bekannte Badplanerin: Die Admonterin Barbara Maxonus hat einen außergewöhnlichen Weg ins Installateurhandwerk gefunden. Mit viel Mut, kontinuierlicher Weiterbildung und einem feinen Gespür für die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden hat sie sich in einer lange männerdominierten Branche mit „Bäder fürs Leben“ einen Namen gemacht.
Im Gespräch mit dem M.U.T.-Magazin erzählt sie, warum Badplanung für sie vor allem mit Zuhören beginnt, weshalb ein Badezimmer oft weit mehr als nur ein funktionaler Raum ist – und warum sie jungen Menschen und Frauen Mut machen möchte, ihren eigenen Weg zu gehen.
M.U.T.: Frau Maxonus, Ihr beruflicher Weg begann alles andere als klassisch. Wie sind Sie zur Badplanung und zum Installateurhandwerk gekommen?
Barbara Maxonus: Mein Weg war tatsächlich sehr besonders. Ich war noch in der zweiten Klasse der HAK, als ich mit 17 Jahren mein erstes Kind bekommen habe. Ich wechselte von der HAK in die Handelsschule und besuchte die Schule mit meinem Sohn Sebastian, um meinen Abschluss zu machen. Im Klassenzimmer stand ein Reisegitterbett, in dem er dem Unterricht beiwohnte. Mein weiterer Weg führte mich in die Creativ Goldschmiede in Liezen.
Später kam mein zweiter Sohn Justin zur Welt und mein damaliger Mann war Installateur. Als wir uns 2005 selbstständig machten, war ich zunächst im Büro tätig, während er draußen bei den Kunden war. Was mich damals wirklich gestört hat: Wenn ein Kunde eine fachliche Frage stellte, musste ich immer erst meinen Mann fragen. Das hat mich nicht losgelassen. Also habe ich beschlossen, selbst Expertin zu werden. Ich habe angefangen, Ausbildungen nachzuholen – unter anderem zur diplomierten Sanitärfachberaterin. Dazu kamen viele weitere Fortbildungen, etwa in Baustellenkoordination, Bad- und Lichtdesign, Farblehre, Feng Shui und barrierefreier Planung. Ich habe alles gelernt, was ich in die Hände bekommen konnte. Nach der Trennung 2011 arbeitete ich noch sechs Jahre im gemeinsamen Betrieb, 2017 startete ich mit „Bäder fürs Leben“ und baute das Unternehmen mit meinem Sohn Sebastian auf.
Was macht für Sie eine wirklich gute Badplanung aus?
Für mich beginnt eine Badplanung nicht mit Fliesen oder Armaturen – sondern mit Zuhören. Beim ersten Termin bin ich immer beim Kunden zu Hause. Ich nehme mir ein bis zwei Stunden Zeit für eine sehr detaillierte Bedarfsanalyse. Dabei sprechen wir über Gewohnheiten, über Komfort, manchmal auch über Themen, die man sonst nicht so gerne anspricht, wie etwa gesundheitliche Aspekte.
Ein Badezimmer begleitet einen jahrzehntelang. Deshalb muss es perfekt zum Leben der Menschen passen. Erst danach entsteht ein Konzept: Farben, Materialien, Licht, sanitäre Ausstattung. Parallel hole ich Angebote von Fliesenlegern, Tischlern, Elektrikern und anderen Gewerken ein und erstelle ein Gesamtangebot. Unsere Kunden haben einen Preis, einen Ansprechpartner und einen klaren Bauzeitplan.
Fotos: Bäder fürs Leben
Viele verbinden das Handwerk noch immer mit einem bestimmten Rollenbild. Welche Erfahrungen haben Sie als Frau in dieser Branche gemacht?
Ich glaube, viele Menschen hatten früher ein sehr klares Bild davon, wie jemand im Handwerk auszusehen hat. Ich bin nicht das typische „Mannsweib“, ich bin gerne gestylt, geschminkt und feminin. Und ich habe gelernt: Man kann diese Branche revolutionieren und trotzdem vollkommen Frau sein. Ich möchte Frauen zeigen, dass es keine Grenzen gibt.
Sie wurden mehrfach als Sanitärplanerin ausgezeichnet. Was hat diese Anerkennung für Sie bedeutet?
Bei einem Planungswettbewerb in Wien konnte ich den Preis „Sanitärplanerin des Jahres“ entgegennehmen. Das war das ein unglaublicher Moment. Ein Jahr später habe ich wieder gewonnen und danach noch einmal den zweiten Platz erreicht. Das hat mir gezeigt, dass ich mit meiner Art zu planen wirklich etwas bewirken kann. Es war auch eine besondere Form der Wertschätzung – gerade als Frau in einer Branche, die lange von Männern geprägt war.
Heute führen Sie das Unternehmen gemeinsam mit Ihrem Sohn Sebastian. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?
Sehr gut – wir ergänzen uns perfekt. Ich komme stark aus der Planung und Organisation. Sebastian ist Installateur mit über zehn Jahren Erfahrung und setzt viele Projekte praktisch selbst um. Seit Oktober 2024 ist er auch offiziell Gesellschafter und gemeinsamer Geschäftsführer. Zusätzlich arbeitet meine Schwiegertochter Selina vier Tage pro Woche im Betrieb mit. Wir haben ein Familienunternehmen. Darauf bin ich sehr stolz.

Ihr Betrieb arbeitet mit 14 Partnerbetrieben zusammen. Warum ist dieses Netzwerk so wichtig?
Ein Badezimmer ist ein komplexes Projekt. Es braucht Elektriker, Fliesenleger, Tischler und viele weitere Gewerke. Wir arbeiten seit rund 20 Jahren mit denselben regionalen Partnern im Bezirk Liezen zusammen. Das ist ein großes Vertrauensverhältnis. Unser Prinzip lautet: Wenn ein Problem entsteht, suchen wir Lösungen – nicht Schuldige. Diese gegenseitige Wertschätzung ist der Schlüssel.
Wie hat sich der Markt für Badezimmer in den vergangenen Jahren verändert?
Die Kunden sind heute sehr gut informiert. Studien zeigen, dass viele Menschen im Durchschnitt zwei Jahre über eine Badsanierung nachdenken, bevor sie jemanden kontaktieren. Deshalb ist Weiterbildung extrem wichtig. Ich besuche regelmäßig internationale Fachmessen – etwa die ISH, die größte Sanitärmesse der Welt. Aber am Wichtigsten bleibt trotzdem etwas anderes: die Emotion. Wenn mich ein Mensch in sein Zuhause lässt, schenkt er mir Vertrauen. Dieses Vertrauen muss man respektieren.
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Ein großer Trend ist Barrierefreiheit – und zwar nicht nur bei älteren Menschen, sondern auch bei jungen Familien. Außerdem wird das Badezimmer immer mehr zum Rückzugsort. Viele Menschen sind beruflich stark belastet und suchen einen Ort, an dem sie wirklich herunterkommen können. Dinge wie Fernseher oder Musikanlagen sind im Bad wieder weniger gefragt. Die Menschen sehnen sich nach Ruhe. Da müssen Farben und Produkte auch perfekt passen.
Digitalisierung spielt auch im Handwerk eine immer größere Rolle. Wie nutzen Sie diese Möglichkeiten?
Wir arbeiten schon seit über 20 Jahren mit 3D-Planung. Neu ist unser sogenanntes „Badkino“. Dort können Kunden ihr zukünftiges Badezimmer in einer virtuellen Umgebung erleben. Auch mittels einer VR-Brille können Kunden bei uns ihr künftiges Bad ansehen.
Welche Innovationen werden Badezimmer künftig verändern?
Vor allem innovative und flexible Lösungen. Ein Beispiel dafür ist ein junges Erfinderteam, das ich kürzlich kennengelernt habe. Sie haben eine besonders kreative Idee entwickelt: eine bodenebene Duschfläche, die sich bei Bedarf hochfahren lässt und dadurch zu einer Badewanne wird. Solche multifunktionalen Lösungen zeigen, wie sich Komfort und Platzersparnis im Badezimmer verbinden lassen.
Auch im Bereich Wellness gibt es spannende Entwicklungen. So war ich beispielsweise bei der Firma Artweger an der Entwicklung moderner Dampfbäder beteiligt.
Sie sind seit Jänner an einem neuen Standort. Was hat sich dadurch verändert?
Unser neues Geschäft befindet sich in der Niederfeldstraße 12c in Liezen. Die Fläche ist etwa doppelt so groß wie zuvor, wodurch wir unseren Kundinnen und Kunden deutlich mehr Platz, eine größere Auswahl und eine noch bessere Beratung bieten können. Die offizielle Eröffnung feiern wir am 27. und 28. März, jeweils von 9 bis 16 Uhr. Dabei freuen wir uns, viele Besucherinnen und Besucher begrüßen zu dürfen.

Was gibt Ihnen jeden Tag den Antrieb für Ihre Arbeit?
Ich liebe meine Arbeit. Mein Tag beginnt mit Meditation, einem Dankbarkeitsbuch und Affirmationen. Danach gehe ich ins Büro – oft arbeite ich 12 bis 14 Stunden. Aber selbst an schwierigen Tagen sitze ich auf dem Weg von Admont nach Liezen im Auto und grinse. Denn positive Emotionen können auch aktiv hervorgerufen werden.
Sie besuchen Schulen und halten dort Vorträge. Was möchten Sie den Jugendlichen dabei mitgeben?
Im vergangenen Jahr war ich zum Beispiel in der Mittelschule Liezen, wo ich beim Vorlesetag mitgemacht habe. Anfang April halte ich jetzt an der Polytechnischen Schule Rottenmann einen Vortrag. Dabei spreche ich mit den Schülerinnen und Schülern über wichtige Themen wie Auftreten, Selbstwert und Selbstbewusstsein. Mir ist es ein großes Anliegen, jungen Menschen Mut zu machen und ihnen zu zeigen, wie wichtig es ist, an sich selbst zu glauben und selbstbewusst aufzutreten. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Einstieg ins Berufsleben sein. Ich erkläre den Jugendlichen, worauf ich bei der Auswahl von Lehrlingen besonders Wert lege und welche Eigenschaften in der Arbeitswelt wichtig sind.
Welchen Rat geben Sie jungen Menschen, die ins Handwerk einsteigen möchten?
Lernt so viel wie möglich. Seid neugierig und offen. Die Chancen, die junge Menschen heute haben, gab es noch nie. Man muss nur mutig sein, Entscheidungen treffen und bereit sein zu lernen und zu arbeiten. Wenn man das tut, sind die Möglichkeiten grenzenlos.
Sie engagieren sich stark für Frauen – unter anderem mit Ihrem Podcast „Empowerment Echos“. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Ich möchte Mutmacherin sein. In meinem Podcast „Empowerment Echos“ spreche ich über Themen wie Resilienz, Selbstbewusstsein oder Persönlichkeitstypen. Dinge, die mich selbst im Leben weitergebracht haben. Außerdem engagiere ich mich im Lions Club Anasia Liezen, einem Damenclub, der soziale Projekte unterstützt. Mir ist wichtig, Frauen zu vernetzen und ihnen zu zeigen: Ihr könnt mehr, als ihr glaubt. Hierzu braucht es kein Konkurrenzdenken oder Vergleichen. Würden sich Frauen vernetzen und zusammenhalten, wären wir unschlagbar in unseren Möglichkeiten.
Wie verbringen Sie gerne Ihre Freizeit?
Besonders leidenschaftlich fahre ich Motorrad und genieße es, unterwegs zu sein. Außerdem mache ich gerne Sport, um fit zu bleiben und mich auszupowern. Sehr wichtig ist mir auch die Zeit mit meiner Familie. Ich verbringe viel Zeit mit meinem Partner und freue mich besonders über gemeinsame Momente mit meinen Enkelkindern, mittlerweile fünf und drei Jahre. Da darf ich „Kind“ und einfach glücklich sein.
Welche Lebensphilosophie begleitet Sie persönlich durch Ihren Alltag?
Jeder Mensch darf so leben, wie er leben möchte, denn jeder Mensch ist wertvoll genauso, wie er ist.



