Selbstständigkeit: Viel Freiheit ohne freie Zeit?

In der Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Keine Erfolgsmythen. Dafür ehrliche Einblicke, Learnings und Gedanken übers Arbeiten, Scheitern und Weitermachen.

Eigentlich wollte ich eine Kolumne über Urlaub als Selbstständiger schreiben. Passend zur Sommerzeit, ein Text, mit dem andere Selbstständige etwas anfangen können. Persönlich, authentisch, aus eigener Erfahrung. Vielleicht sogar mit einem kleinen Ratgeber-Touch. Gute Idee, dachte ich. Aber dann wurde es schwierig. Denn wenn ich ehrlich bin: Ich weiß gar nicht, wie das geht, Urlaub als Selbstständiger.

Mir ist völlig klar, wie wichtig Pausen sind, um leistungsfähig zu bleiben. In meiner Arbeit schreibe ich regelmäßig über Selfcare und mentale Gesundheit, mit oder ohne direkten Arbeitsbezug. Aber ein Vorbild bin ich sicher nicht. Ich bin jetzt seit rund einem Jahr selbstständig, und wenn meine Frau nicht schon lange vor meinem Start eine einmonatige Südafrika-Reise gebucht hätte, hätte ich wahrscheinlich noch gar keinen Urlaub gemacht. Jedenfalls nicht im klassischen Sinn.

Work hard, play hard

Wäre ich Mitte zwanzig und noch in meiner „Work hard, play hard“-Phase, wäre das vielleicht kein großes Problem. Damals hatte ich Jobs in der PR, im Kulturbereich und bei großen Events. Ich war voll Adrenalin und stolz darauf, nach einem 14-Stunden-Tag mit den Kollegen noch auf ein paar Drinks zu gehen.

Heute sieht das anders aus. Ich bin Anfang vierzig. Ich habe zwei kleine Kinder, die morgens umgezogen, mit Frühstück versorgt und mit Jause bestückt in den Kindergarten gebracht werden wollen. Die abends ihr Essen, ihr Programm und ihre Einschlafbegleitung brauchen. Und die am Wochenende keine Pause machen. Kein Platz für Vollgas-Mentalität und Macher-Höhenflüge.

Erst nach fast einem Jahr Selbstständigkeit habe ich aus eigenem Antrieb eine kleine Auszeit genommen. Die Kinder zur Oma gebracht, mit meiner Frau für ein verlängertes Wochenende nach London geflogen. Kein großer Urlaub, aber ein bewusster Break. Und was soll ich sagen: Es war höchste Zeit. Ich war überarbeitet, ständig gereizt und habe mich wegen jeder Kleinigkeit aufgeregt – vielleicht kennen Sie das.

Ein Kompromiss

Was ich mir jetzt vorgenommen habe, ist zumindest ein kleiner Kompromiss. Wenn sich zwei Wochen Auszeit gerade unmöglich anfühlen, weil Kunden betreut werden wollen und die Angst vor Verdienstausfall zu groß ist, dann eben kleine Pausen im Alltag. Manchmal hilft es, einen Nachmittag frei zu nehmen und mit den Kindern an den See zu fahren. Oder fixe Termine einzuplanen, die genauso verbindlich sind wie Kundencalls. Bei mir ist es der Yoga-Kurs am Montagabend. Ja, ich fluche innerlich, wenn ich mich in der unmöglichsten Haltung wiederfinde, aber es tut mir gut.

Ich kann also keinen perfekten Ratgeber zum Thema Urlaub als Selbstständiger liefern. Ich bin selbst noch mittendrin herauszufinden, wie das geht. Pausen machen klappt mal besser, mal gar nicht. Aber ich versuche, hinzuschauen: Was geht gerade? Was tut mir gut? Und manchmal reicht es schon, sich selbst ein paar Stunden frei zu geben, auch wenn’s kein perfekter Urlaub ist.

Ljubisa Buzic
Ljubisa Buzic
Autor | Kärnten
Ressorts: Menschen | Meinungen, Hart | Herzlich, Arbeiten | Leben

buzic@mut-magazin.at

M.U.T. auf Youtube

M.U.T.letter

Wissen, was die Wirtschaft bewegt.

Das könnte Sie auch interessieren