Selbstständigkeit sollte Spaß machen

In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Diesmal: Ein Text über seine bisher stressigste Phase und darüber, wie er die Freude an der Selbstständigkeit fast verloren hätte.

Es ist Herbst 2025 und ich bin voll auf Anschlag, wie man so schön sagt. Ich arbeite gerade mit einer großen Wiener Agentur an gleich zwei Magazinprojekten für Tourismuskunden, habe in Kärnten noch ein drittes Projekt am Start und daneben ein paar Magazine, für die ich regelmäßig Texte schreibe. Und es geht sich alles vorn und hinten nicht mehr aus.

Ich bin das zweite Jahr selbständig und tatsächlich ist dieser Herbst die erste Phase, in der ich mich wirklich ein wenig überfordert fühle. Ich stehe morgens auf und überlege, wie viel ich in den heutigen Tag hineinquetschen kann. Telefonate, Interviews, Recherchen und natürlich schreiben. Wenn meine Frau die Kinder am Nachmittag aus dem Kindergarten holt, verbarrikadiere ich mich noch für ein paar Stunden im Arbeitszimmer.

Hallo Überforderung!

Und ich merke zum ersten Mal, seit ich selbstständig bin diese kleine Stimme im Kopf, die sagt: „Nicht noch ein Text, nicht noch ein Auftrag“, während ich eine neue Zeile auf meine ToDo-Liste setze. Das ist der Moment, in dem bei mir die Alarmglocken schrillen. Denn eigentlich habe ich mich selbstständig gemacht, damit ich genau dieses Gefühl nicht habe. Nur irgendwo unterwegs ist der Spaß verloren gegangen.

Ich wollte schon als Kind schreiben. Mein erster halbwegs realistischer Berufswunsch (nach Geheimagent und Astronaut) war Schriftsteller zu werden. Heute schreibe ich zwar keine Bücher, aber ich lebe seit über dreizehn Jahren vom Schreiben und es fühlt sich fast wie ein Wunder an. Vor lauter „alles zu viel“ vergesse ich das allerdings manchmal.

Das ist eine Falle, in die viele von uns Selbstständigen hineintappen, gerade wenn es wirklich gut läuft. Wir sind es gewohnt, „viel Arbeit“ automatisch mit „viel Stress“ gleichzusetzen. Und Stress wiederum mit etwas Negativem. Dann wird plötzlich aus dem Traumberuf ein Albtraum.

Neues Mindset

Man muss es sich als Selbstständiger immer wieder bewusst machen, egal welchen Beruf man hat. Dass es nicht selbstverständlich ist, mit dem eigenen Talent Geld zu verdienen. Und erst recht nicht, morgens aufzustehen und zu wissen: Ich mache heute das, was ich wirklich gern mache und ich bin mein eigener Chef.

In dem Moment, in dem mir das klar wird, verschiebt sich etwas. Ich nehme mir bewusst vor, mit mehr Freude an meine Aufgaben heran zu gehen. Als ich am nächsten Morgen meinen Laptop hochfahre, meine Kaffeetasse daneben stelle und mich in meinen Stuhl lehne, fühle ich mich ein bisschen wie ein Schriftsteller. Ich freue mich, dass ich heute wieder etwas zu schreiben habe. Ich nehme mir Zeit für den Text, bin mit dem Kopf nicht schon bei den nächsten Jobs.

 

Ich habe den Herbst geschafft. Alle Deadlines eingehalten und jede Menge positives Feedback von KundInnen bekommen. Der größte Erfolg aber war, dass ich den Spaß wiedergefunden habe. Dass sich meine Einstellung geändert hat. Seitdem schaue ich anders auf stressige Phasen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass es gut läuft und dass ich das machen darf, was ich immer machen wollte.

Und heute?

Der große Erkenntnis-Moment ist ein halbes Jahr her. Was ist davon übriggeblieben? Ich muss zugeben, es gab auch danach immer wieder mal Tage und Wochen, die eher mühsam als spaßig waren. Trotzdem hilft mir die Erinnerung an diesen Moment und der Gedanke: Ich darf genau das machen, was ich liebe.

Herzens-Projekte und Weiterbildung

Was mir außerdem hilft: Neues probieren und regelmäßig Dinge einstreuen, die einem besonders viel Freude machen. Wenn ich mir für meine M.U.T.-Artikel etwa spannende InterviewpartnerInnen aussuche, bei denen ich auch fotografieren kann, sind das kleine Highlights in dem Monat.

Was auch hilft, sind kleine Ausreißer aus dem Arbeitsalltag. Ich habe etwa den nächsten Monat einen Videografie-Kurs in Wien gebucht. Vielleicht entsteht aus etwas, das ich im Moment nur zum Spaß mache, ja irgendwann mehr. Bis dahin feiere ich das, was ich tue, so gut es geht. Gerade wenn viel los ist.

Ljubisa Buzic
Ljubisa Buzic
Autor | Kärnten
Ressorts: Menschen | Meinungen, Hart | Herzlich, Arbeiten | Leben

buzic@mut-magazin.at

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