In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Diesmal: Bücher, die seinen Weg in die Selbstständigkeit geprägt haben. (Spoiler: Es sind keine Business-Ratgeber).
Wenn man an Bücher und Business denkt, fällt einem wahrscheinlich nicht unbedingt Ödön von Horvath ein. Der österreichische Dramatiker, der viel zu jung in Paris verstarb, ist vor allem für seine gesellschaftskritischen Theaterstücke bekannt. Trotzdem ist sein Roman „Jugend ohne Gott“ für mich eines jener Bücher, die mein Denken und Leben massiv beeinflusst haben – und vielleicht auch meinen Weg in die Selbstständigkeit.
Zum ersten Mal fiel es mir als jungem Gymnasiasten in die Hände, damals als Aufgabe für ein Referat. Seitdem habe ich es sicher schon über ein Dutzend Mal gelesen. Also danke an Frau Professor Lucius an dieser Stelle. (Auch wenn wir uns bei der übrigen Lektüre im Deutsch-Unterricht nicht immer einig waren).
Immer noch aktuell
Abgesehen davon, dass der Stil nach fast einhundert Jahren immer noch erstaunlich frisch klingt, hat es eine fesselnde Geschichte, die nicht aufhört, aktuell zu sein. Es geht um den aufkeimenden Faschismus in Österreich, aber auch um einen Mordfall unter Jugendlichen und um das Ausbrechen eines vormals angepassten Menschen aus seiner bürgerlichen Existenz.
Der Protagonist der Geschichte ist eine Art Antiheld. Zu Beginn ist er ein braver Angestellter an einer kleinstädtischen Schule. Als Lehrer macht er seine Arbeit ohne große Begeisterung, mehr oder weniger rein nach Vorschrift. „Denn ich möchte die Altersgrenze erreichen, um die volle Pension zu beziehen“, erklärt er an einer Stelle. Doch mit der Zeit merkt er, dass er in diesem System nicht mehr weitermachen kann.
Der Weg aus der Unselbstständigkeit
Er fängt an, Widerstand zu leisten. Sucht seinen eigenen Weg in einer Welt, die geradewegs in eine fatale Richtung marschiert. Auch wenn es heutzutage zum Glück nicht so dramatisch ist: Diese Lektion finde ich gerade für Unternehmer und Selbstständige wichtig. Sich nicht davon beeindrucken zu lassen, was alle anderen gerade machen, sondern seinen eigenen Weg zu gehen.
Gleichzeitig findet er auf diesem Weg auch ein neue Verbündete. Menschen, die genauso denken wie er. Er schafft sich sozusagen Netzwerke, die ihn bei seinen Zielen unterstützen. Zum Schluss gibt er seine Anstellung an der Schule auf und verlässt das Land, um nach Afrika zu gehen und dort Gutes zu tun.
Erbschaftssteuer – Gezielter Angriff auf die nächste Generation
Die Erbschaftssteuer ist eine jener politischen Ideen, die in Österreich niemals ganz verschwinden. Sie wird nicht beschlossen, sie wird …
Zum Artikel →Warum Handwerk ein Wunder ist
Am Sonntag, 10. Mai, ist Muttertag. Wer auf der Suche nach einem persönlichen, handgefertigten Geschenk ist, wird bei Ausseer Porzellan …
Zum Artikel →Wo der Plan Pause macht
Ich komme in die Südsteiermark, um die Golden Hill Country Chalets & Suites kennenzulernen. Drei Tage Aufenthalt, ein Blick auf das Konzept, …
Zum Artikel →Die meisten von uns gehen nicht nach Afrika, aber viele Selbstständige kennen diesen Weg, dieses langsame Heranreifen der Entscheidung, eine sichere Stelle aufzugeben und endlich sein eigenes Projekt zu starten. Es geht um Zweifel am Status Quo und die Suche nach einem eigenständigen Weg außerhalb der vorgegebenen Bahnen.
Hüte dich vor den grauen Herren
Ein ganz anderes Buch, das mich ähnlich geprägt hat, ist „Momo“ von Michael Ende. Ich habe es deutlich später gelesen als Horváth. Nicht als Schüler, sondern in einer Phase, in der Arbeit plötzlich mehr Raum in meinem Leben einnahmen. Deadlines, Projekte, das ständige Gefühl, beschäftigt zu sein, aber nicht immer mit den richtigen Dingen.
In „Momo“ tauchen sie dann auf. Die Herren in den grauen Anzügen, die den Menschen einreden, Zeit sparen zu müssen, um effizienter und produktiver zu werden. Und die Menschen glauben ihnen. Sie streichen alles aus ihrem Leben, was nicht unmittelbar Profit bringt.
In dem surrealen Märchen saugen die gespenstischen grauen Herren von der Zeit-Spar-Kasse den Menschen Stück für Stück die Lebenszeit und Energie aus und ernähren sich davon. Sinnbildlich ist es gerade eine Schildkröte, die Momo mit ihrer betonten Langsamkeit hilft, gegen die grauen Männer zu kämpfen.
Unabhängig bleiben
Entschleunigung klingt vielleicht für einen Selbstständigen nicht unbedingt naheliegend, aber manchmal ist sie notwendig. Gerade wenn man von Haus aus sehr motiviert und getrieben ist, braucht es die bewussten Phasen der Langsamkeit, damit man auch langfristig produktiv bleibt. Etwas, das ich mir immer wieder hinter die Ohren schreiben muss.
Als Selbstständiger muss ich mich ständig daran erinnern, dass ich das mache, weil ich eben der eigene Herr über meine Zeit sein will. Wenn es eine Lektion für mich gibt, dann diese: Was produktiv oder unproduktiv ist, bestimmst du selbst. Also mach dein eigenes Ding und hüte dich vor den grauen Herren, die dir die Zeit stehlen wollen.
