„Reden kann erlernt werden – wie ein Handwerk“

Rhetoriktrainer Thomas Lösch über überzeugende Kommunikation, Führungsstärke und die Kunst der freien Rede.

Am 23. April wird der „Tag des Buches“ gefeiert. Aus diesem Anlass hat das M.U.T.-Magazin mit dem Rhetoriktrainer, Coach und Bestsellerautor Thomas Lösch aus Stainach-Pürgg (Bezirk Liezen) gesprochen. In seinem Buch „Freie Rede – Das Praxisbuch“ zeigt er, wie Menschen lernen, sicher und überzeugend vor Publikum zu sprechen. Im Interview erzählt er von seinem ungewöhnlichen Karriereweg, typischen Kommunikationsfehlern von Führungskräften und warum Reden lernen letztlich ein Handwerk ist.

M.U.T.: Herr Lösch, Sie kommen ursprünglich aus einer ganz anderen Branche. Wie war Ihr Weg zum erfolgreichen Rhetoriktrainer?

Thomas Lösch: Ich bin schon in jungen Jahren – mit 22 – Stützpunktleiter bei der Landmarkt KG geworden und war anschließend mehr als zehn Jahre in Schwechat Geschäftsleiter in der Landtechnikbranche. Durch die Nähe zu Wien entstand bei mir die Idee, eine Ausbildung in Richtung Rhetorik, Mediation und Kommunikation zu machen. Dort absolvierte ich schließlich eine Trainerausbildung – da war ich 30 Jahre alt.

Ich hätte danach bei diesem Unternehmen als Trainer beginnen können oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Ich entschied mich für Letzteres. Heuer stehen wir im 25. Jahr unserer Tätigkeit mit der Firma „Rhetorik & Kommunikation“. Heute bin ich Trainer, Autor und Berater im Bereich Rhetorik und Kommunikation, Autor des Buches „Freie Rede – Das Praxisbuch“ und arbeite als Coach für Gemeinden sowie als Wirtschaftsmediator.

In Ihrem Buch geben Sie Menschen Werkzeuge für eine gelungene Rede an die Hand. Was unterscheidet Ihr Buch von anderen Rhetorikratgebern?

Das Buch ist unterhaltsam und berührt dadurch die Menschen – und das ist bei einem Sachbuch nicht automatisch gegeben. Ein autobiografischer Strang zeigt, wie aus einem schüchternen jungen Menschen ein Redner wurde. Mit 26 Jahren wurde ich Obmann des Musikvereins Stainach. Da dachte ich mir: Jetzt ist Rhetorik ganz wichtig in deinem Leben. In Wien habe ich dann zum ersten Mal ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich diesen Weg beruflich einschlagen will. Das Buch ist kein Guru-Buch, in dem jemand zeigt, wie gut er selbst reden kann. Vielmehr begleitet es die Leserinnen und Leser auf ihrem eigenen Weg zum Erfolg.

Gibt es eine zentrale Botschaft, die Leser unbedingt mitnehmen sollten?

Sprich auf der Bühne mit den Menschen – nicht zu den Menschen. Egal ob vor 20 oder 500 Personen: Stelle dir vor, du sprichst mit ihnen. Allein das Hinstellen und Reden stärkt die Selbstsicherheit. Und das Wichtigste: Jeder kann Reden lernen.

Buchcover. Auf dem Cover ist ein Mann mit geöffneten Händen. Titel "Freie Rede – Das Praxisbuch"
Foto: Lösch

Was war der ursprüngliche Auslöser, dieses Buch zu schreiben?

Am zweiten Tag des ersten Lockdowns war mir klar: Wir brauchen ein neues Geschäftsfeld.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet – und was war die größte Herausforderung?

Die ersten zwei Wochen habe ich das Vertriebskonzept entwickelt, danach habe ich etwa sechs Monate am Buch geschrieben. Das Schreiben selbst ging mir leicht von der Hand. Die größte Herausforderung lag im Weg vom fertigen Manuskript bis zum Buch im Verkaufsregal. Da gibt es sehr viele Schritte, die man völlig unterschätzt – Überarbeiten, Abstimmungen und Produktion.

Welche typischen Kommunikationsfehler beobachten Sie bei Managern oder Unternehmern?

Sie übersehen teilweise die Menschen in die Lösungsfindung miteinzubeziehen, fallen manchmal zu schnell mit der Tür ins Haus anstatt zuerst den Ist-Zustand zu beschreiben. Um das besser zu machen, gibt es im Buch „Freie Rede“ ein klares Redegerüst.

Was macht eine wirklich überzeugende Führungspersönlichkeit aus rhetorischer Sicht aus?

Sprecht so oft wie möglich in der Wir-Form – das wirkt sehr motivierend. Bleibt authentisch und schließt jedes Thema mit einem klaren Call-to-Action oder To-Do-Liste und nicht „schauen wir mal“.

Wenn jemand seine rhetorischen Fähigkeiten verbessern möchte – womit sollte er beginnen?

Mit wirkungsvollen Tools – und vor allem mit deren Umsetzung. Rhetorik ist wie ein Handwerk, das man erlernen kann. Zu diesen Werkzeugen gehören etwa das Bojenschwimmen – einer von mir entwickelten Methode, die auch im Buch „Freie Rede – Das Praxisbuch“ ausführlich beschrieben wird – Redegerüste oder Argumentationstechniken.

Wie geht man mit Lampenfieber oder Redeangst um?

Lampenfieber sollte man akzeptieren. Spannung – ähnlich wie im Sport – hilft uns, konzentriert, hellwach und leistungsfähig zu sein. Wenn es jedoch echte Redeangst ist, hilft ein einfacher Praxistipp: Relativiere deinen Anlass. Es geht nicht um Leib und Leben – und du wirst deinen Auftritt mit Sicherheit überstehen.

Welche Rolle spielt Körpersprache im Vergleich zu den gesprochenen Worten?

Eine enorme. Beim ersten Eindruck entscheidet Körpersprache zu mehr als 50 Prozent über den Grad des Erfolges. Achten wir besonders auf unsere Hände – sie sollten aktiv vor der Körpermitte sein und nicht in den Hosentaschen verschwinden. Auch unsere Mimik zeigt Freude und Begeisterung – und diese sollte man selbst trotz Lampenfieber sichtbar machen.

Sie arbeiten auch mit Schulen. Warum ist es wichtig, dass junge Menschen früh lernen, sich klar auszudrücken?

Weil sie bereits sehr früh mit mündlichen Prüfungen, Referaten und lautem Vorlesen konfrontiert sind. Deshalb sollten sie auch früh das passende Rüstzeug dafür bekommen.

Gruppe von Kindern
Die Schüler des Agrarbildungszentrums Hafendorf mit Thomas Lösch beim Trainieren für die Präsentation der Abschlussarbeiten. Foto: Lösch

Wie reagieren Schülerinnen und Schüler auf Rhetoriktraining?

Sowohl skeptisch als auch sofort begeistert. Besonders schön ist es, wenn jene, die sich anfangs nichts darunter vorstellen können, am Ende des Workshops begeistert sind. Alle merken relativ schnell: Es passiert nichts Schlimmes – und sie lernen etwas, das sie im Schulalltag tatsächlich brauchen können.

Gibt es einen Moment aus einem Schultraining, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Am BORG Bad Radkersburg im März dieses Jahres waren die Schülerinnen und Schüler zunächst eher zurückhaltend. Am Ende haben sie Reden gehalten, die wirklich genial waren – auf Deutsch und Englisch. Das war ein echter Wow-Effekt.

Sie haben ein Projekt gestartet, bei dem Unternehmen Ihr Buch für Schülerinnen und Schüler sponsern. Wie entstand diese Idee?

Geöffnetes Buch. Lesezeichen mit einem Tier aus einem Zoo.
Foto: Lösch

Eine Unternehmerin sagte zu mir: „Dein Buch sollten alle Schülerinnen und Schüler bekommen. Ich bin bereit, ein Sponsoring zu übernehmen.“ Heute folgen österreichweit hunderte Unternehmen diesem Beispiel und kaufen Exemplare für Schulen. Als Gegenleistung erhalten sie ein Marketingpaket mit Lesezeichen im Firmenbranding, Social-Media-Präsentation und Pressepräsenz. Zusätzlich bieten wir zu den Büchern ein kostenloses Rhetorikseminar an Schulen an. Insgesamt wurden bereits rund 12.000 Bücher an Schulen verteilt. Aktuell unterstützt beispielsweise die Tierwelt Herberstein zahlreiche Fachschulen im Süden Österreichs.

Wer hat Sie rhetorisch besonders inspiriert?

Barack Obama.

Gab es eine Rede, die Sie einmal komplett „vermasselt“ haben?

Komplett vermasselt nicht. Ich verwende bei jedem Auftritt das Werkzeug des Bojenschwimmens. Damit gibt es keinen Filmriss – man findet immer wieder zum nächsten Punkt zurück.

Was motiviert Sie heute, Menschen zu trainieren?

Deren Erfolg und Freude über die eigene Leistung sowie die große Dankbarkeit.

Ihr Praxistipp für Unternehmen, die eine wichtige Rede halten müssen?

Berühre die Menschen zuerst emotional. Lass die Sinne sprechen. Ein Beispiel: „Es ist ein unglaubliches Gefühl, heute in die Runde zu blicken und zu sehen, wie viel Leidenschaft unser Team ausstrahlt.“ Steige mit einer Geschichte ein.

Sie führen das Unternehmen gemeinsam mit Ihrer Frau. Wie ist die Rollenaufteilung?

Viele Menschen sagen zu mir: „Deine Manuela schaukelt ganz schön viel.“ Und ja, sie haben Recht. Sie kümmert sich um das gesamte Backoffice – bis hin zur Organisation im Hintergrund. So kann ich mit freiem Kopf zu meinen Auftritten fahren.

Mann und Frau lachen in die Kamera.
Seite an Seite – Thomas und Manuela Lösch. Foto: Lösch

Wo ist Ihr Buch erhältlich?

Mit Widmung direkt bei mir als Autor und im Fachhandel.

Thomas Lösch Rhetorik & Kommunikation

Schloss Stainach 7

8950 Stainach-Pürgg

www.rhetorik-trainer.com

office@rhetorik-trainer.com

+43 664 392 67 77

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Tina Tritscher
Tina Tritscher
Autorin | Steiermark
Ressorts: Life | Style, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich
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