Recht, das bewegt – im doppelten Sinn

In Gröbming führt die Kanzlei „Anwalt 2“ ein ungewöhnliches Doppel aus juristischer Präzision und sportlicher Spitzenleistung.

Wer die Kanzlei „Anwalt 2“ in Gröbming betritt, dem fällt zuerst etwas auf, das in einer juristischen Praxis völlig ungewöhnlich wirkt. Keine schweren Holzmöbel, keine gedämpfte Atmosphäre, keine distanzierende Kühle. Stattdessen helle, lichtdurchfluteter Räume und klare Linien – und zwei Rennräder, die im Eingangsbereich stehen, als gehörten sie selbstverständlich hierher. Und tatsächlich tun sie das. Sie stehen symbolisch für die Menschen hinter dieser Kanzlei: Pia-Maria Thoma und Alexander Kanzian, zwei Juristen, deren berufliches und sportliches Leben ein bemerkenswertes gemeinsames Muster trägt: Tempo, Präzision, Ausdauer und Zielstrebigkeit.

„Wir mögen es schlicht, unkompliziert und schnell“, sagen die beiden über ihre Arbeitsphilosophie. Pia-Maria Thoma stammt aus Spielberg, aufgewachsen in der Nähe des RedBull-Rings. Der Motorsport war kein entferntes Spektakel, sondern Alltag. Ihr Vater war selbst Autorennfahrer, die Formel 1 war allgegenwärtig. Eigentlich wollte sie Profi-Tennisspielerin werden. Ab ihrem elften Lebensjahr trainierte sie mit Ambition und Disziplin darauf hin. Doch mit 18 entschied sie sich neu.

Die Welt der Formel 1 faszinierte sie intensiver, und so wählte sie ein Studium, das sie dorthin führen sollte: Rechtswissenschaften, mit dem Ziel, Juristin in der Formel 1 zu werden. Sport blieb dennoch ein zentrales Element ihres Lebens. Während des Studiums entwickelte sie sich zur leidenschaftlichen Läuferin, trainierte für Halbmarathons, strukturierte ihren Alltag nach Trainingsplänen, die sie sich damals mühsam aus Zeitschriften zusammentrug.

Mutig in die Selbstständigkeit

Nach dem Studium führte sie ihr Weg in Anwaltskanzleien in Bruck und Radstadt und später in das Notariat nach Schladming. Pia-Maria Thoma lernte, spezialisierte sich, wuchs. Sie absolvierte beide Notariatsprüfungen. Dann folgten – aus einer Mischung aus Begeisterung und eigener Konsequenz – auch die Anwalts- und die Richteramtsprüfung. Es gab zu diesem Zeitpunkt in der gesamten Steiermark lediglich zwei Menschen, die all diese Prüfungen abgelegt hatten. Sie war eine davon. Der Sport trat zwischenzeitlich in den Hintergrund, berufliche Verantwortung hatte Vorrang.

Doch 2018, als sie gemeinsam mit Alexander die Kanzlei gründete, kehrte er als wesentlicher Bestandteils des Alltages zurück. Gemeinsam decken Thoma und Kanzian ein breites Feld ab – von Erbrecht und Verlassenschaftsverfahren über Immobilien- und Unternehmensrecht bis hin zu Familien- und Verkehrsrecht sowie strafrechtlichen Verfahren. „Wir möchten, dass sich Menschen bei uns wohlfühlen“, sagt Thoma. „Dass sie wissen, dass wir zuhören. Dass wir verstehen, was sie brauchen. Und dass wir Wege finden, die funktionieren.“

Pia-Maria Thoma: Zwischen Rennrad und Rechtsakten

Das Laufen ersetzte die heute 41-Jährige durch das Rennrad, und dieses wurde mehr als nur Ausgleich, es wurde zweite Bühne. 2019 gewann sie aus dem Stand den Amadé Radmarathon. Während der Corona-Jahre startete sie erstmals bei Damen-Eliterennen und fuhr sich in die Radbundesliga. Drei Jahre lang hielt sie nicht nur mit Fahrerinnen der österreichischen Elite mit, sondern führ auch um das Führungstrikot der Liga, bis ein schwerer Sturz in einem Rennen im Jahr 2023 das Rennfahren fast beendet hätte. 2025 wollte sie es noch einmal wissen und wurde bei den Elite-Bergstaatsmeisterschaften Fünfte – als älteste Teilnehmerin im Feld, neben vollprofessionellen WorldTour-Athletinnen, während sie selbst täglich Klienten beriet.

„Im Sport wie im Beruf braucht es Struktur, Selbstbeherrschung und den Willen, sich weiterzuentwickeln. Ich brauche Ziele, ich brauche Herausforderungen. Das gilt für die Arbeit genauso wie für das Training.“ Pia-Maria Thoma
Siegerpodest, Radrennen, Gewinnerin ist eine blonde Damen mit kurzen Haaren
Notarin Pia-Maria Thoma siegt beim Istra-Radrennen in Kroatien. Foto: FinisherPix

Sieg beim Istria-Rennen

Kürzlich setzte Pia-Maria Thoma schließlich ein sportliches Ausrufezeichen: Beim Istria-Radmarathon in Poreč, einem der größten Radsport-Events Europas mit über 4000 Teilnehmern, siegte sie auf der 135-Kilometer-Distanz mit 1800 Höhenmetern. Der Sieg war nicht nur sportliche Leistung, sondern Ausdruck einer Haltung: konsequente Planung, mentale Stärke, Disziplin – und Freude an der Herausforderung.

Ihr nächstes Ziel steht fest: Im April geht es zum „Mallorca312“, wo Thoma sich für die 225 Kilometer lange Strecke mit nahezu 4000 Höhenmetern entschied. Das Training hat längst begonnen. Für Thoma sind Sport und berufliche Verantwortung kein Widerspruch, sondern zwei Systeme, die einander stärken. Sie sagt: „Im Sport wie im Beruf braucht es Struktur, Selbstbeherrschung und den Willen, sich weiterzuentwickeln. Ich brauche Ziele, ich brauche Herausforderungen. Das gilt für die Arbeit genauso wie für das Training.“

Tina Tritscher
Tina Tritscher
Autorin | Steiermark
Ressorts: Life | Style, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich
tritscher@mut-magazin.at

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