Seit 1886 sorgt die Steinrieser Getränke GmbH aus St. Gallen im Norden der Steiermark für prickelnde Erfrischung – und für eine Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie viel Innovationsgeist in einem Familienbetrieb stecken kann.
Wenn in St. Gallen (Bezirk Liezen) die Abfüllanlagen auf Hochtouren laufen, entstehen hier jährlich mehr als 155 Millionen Einheiten – Limonaden und Säfte für internationale Handelsmarken. Der Name Steinrieser ist dabei nur wenigen bekannt, doch die Produkte finden sich in nahezu jedem Supermarktregal.
Als 1886 in St. Gallen die ersten Flaschen Sodawasser abgefüllt wurden, war Steinrieser einer von vielen Sodawassererzeugern in Österreich. Sodawasser war damals ein Alltagsprodukt – jeder Ort hatte seinen eigenen Erzeuger, der die lokale Gastronomie und Bevölkerung versorgte. Doch während viele dieser kleinen Betriebe längst Geschichte sind, entwickelte sich Steinrieser stetig weiter. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 80 Mitarbeiter, produziert auf 17.000 Quadratmetern Fläche und beliefert den Lebensmittelhandel in unzähligen Ländern.
In den 1950er-Jahren, als Österreichs Wirtschaft aufblühte und neue Marken entstanden, wagte Steinrieser den Schritt in die Limonadenproduktion – und wurde einer der ersten Lizenzabfüller von Almdudler. Danach folgten Produktionen für Afri-Cola, Frucade und andere Klassiker, die damals ausschließlich für die Gastronomie hergestellt wurden.
Vom Wirtshaus ins Supermarktregal
Eine neue Ära begann in den 1970er-Jahren: Die ersten Supermärkte – allen voran der Konsum Österreich – etablierten sich im Land. Für Steinrieser war das der Wendepunkt. „Meine Eltern haben mit ,Konsum‘ Kontakte geknüpft und so konnten wir erstmals Produkte an den Lebensmittelhandel liefern“, erzählt Geschäftsführer Franz Steinrieser. Das war auch notwendig, denn St. Gallen liegt in einer strukturschwachen Region mit wenig Tourismus. „Wir mussten schon damals über die Bezirksgrenzen hinausdenken“, fährt Franz Steinrieser fort. „Das Geschäft konnte nur wachsen, wenn wir den Lebensmittelhandel als Partner hatten.“
Ostöffnung als Wachstumsschub
Ein zweiter, entscheidender Schub kam in den späten 80er-Jahren. Mit der Ostöffnung entstanden neue Absatzmärkte, die plötzlich westliche Produkte nachfragten. Steinrieser war bereit: Das Unternehmen nahm an internationalen Messen teil, exportierte sogar bis nach Sibirien. Doch lokale Produzenten drängten bald in die Märkte, die Ostländer wurden uninteressant.
Auch Kroatien zählte lange als wichtiger Absatzmarkt für die Steinrieser Getränke GmbH. Als neue Einfuhrabgaben den Export nahezu unmöglich machten, entschied man sich für einen mutigen Schritt – 1996 entstand in Kooperation mit einem lokalen Partner eine eigene Produktionsstätte im Land. Seither füllt das Unternehmen auch in Kroatien ab.
Vor vier Jahren wurde die Partnerschaft in Kroatien dann um eine weitere Säule erweitert: eine Recyclinganlage für PET-Flaschen. Auf dem Nachbargrundstück des bestehenden Betriebs entsteht dort heute Kunststoffgranulat aus gebrauchten Flaschen – ein klares Bekenntnis zu Nachhaltigkeit.
Fokus auf Eigenmarken und Handel
Mit Beginn der 2000er-Jahre stellte das Unternehmen die Produktion für die Gastronomie vollständig ein und konzentriert sich seither ausschließlich auf den Lebensmittelhandel. Dieses Modell ist bis heute das Rückgrat. 85 Prozent des Umsatzes stammen aus Österreich und Deutschland, die restlichen 15 Prozent verteilen sich auf Exportmärkte wie beispielsweise China oder Südamerika.
Steinrieser versteht sich dabei als Dienstleister für den Lebensmittelhandel. Supermarktketten wie Spar, Billa, Hofer und Lidl zählen zu den wichtigsten Kunden. Auch Markenhersteller wie Keli, an der Steinrieser zu 50 Prozent beteiligt ist, lässt hier abfüllen.
Fotos: Tritscher
Die Fertigung erfolgt auf vier modernen Abfülllinien – sowohl in PET-Einwegflaschen als auch in Tetra-Pak-Kartons. Sogar im ÖBB-Nachtzug landet ein Produkt aus St. Gallen: das „Xeis Water“, abgefüllt speziell für den Bordservice-Anbieter Newrest.
Präzision und Verlässlichkeit haben den Betrieb zu einem geschätzten Partner des Lebensmittelhandels gemacht. Innovationen entstehen oft gemeinsam mit den Kunden: „Der Handel beobachtet, welche Produkte gut laufen, und beauftragt uns mit entsprechenden Eigenmarken. Wir liefern das Know-how und die Produktion“, sagt Geschäftsführer Franz Steinrieser. Jede Flasche, die das Werk verlässt, durchläuft außerdem strenge Kontrollen. Zuckergehalt, Säure, Geschmack, Aussehen und Mikrobiologie werden geprüft.
Wirtschaft unter Druck
Trotz technischer Modernisierung und nachhaltiger Initiativen steht auch die Steinrieser Getränke GmbH vor Herausforderungen. Inflation und gestiegene Rohstoffpreise bremsen den Absatz. 2024 war erstmals seit Jahren ein rückläufiges Umsatzjahr. Besonders die Preisexplosion bei agrarischen Rohstoffen und Preisschwankungen trifft die Branche: Orangensaftkonzentrat etwa war zeitweise viermal so teuer wie üblich – mit deutlichen Auswirkungen auf den Absatz. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Nachhaltigkeit: Zertifizierungen über Plattformen wie Ecovadis, energiesparende Produktion und Materialeinsparungen bei Verpackungen gehören längst zum Alltag. „Nachhaltigkeit funktioniert aber nur, wenn sie auch wirtschaftlich vertretbar ist“, sagt man bei Steinrieser.
Der Markt sei außerdem anspruchsvoller geworden – und wetterabhängig. Ein verregneter Sommer kann über ganze Produktkategorien entscheiden. Hinzu kommen bürokratische Hürden. Der geplante Lagerneubau in St. Gallen etwa liegt seit Jahren in Genehmigungsverfahren fest. 2018 wurde bereits das erste Kaufansuchen gestellt. Seither wartet das Unternehmen auf den Startschuss für das Projekt.
Aber bei Steinrieser sieht man positiv in die Zukunft. Das Unternehmen ist ein Beispiel dafür, wie ein Traditionsbetrieb durch unternehmerische Anpassung, technologische Investitionen und Nachhaltigkeitsbewusstsein langfristig bestehen kann. Und eines ist hier seit fast 140 Jahren Programm: Qualität, die prickelt.




