Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer satteln auf – und entdecken das Pferd nicht nur als Freizeitpartner, sondern als Geschäftspartner. Coaching, Gesundheit, Tourismus, Nischenprodukte: Die Branche boomt, die Vielfalt überrascht. Ist das Business rund ums Pferd vielleicht Kärntens unterschätzter Wachstumstreiber?
Pferde haben in Kärnten eine lange Tradition – als Arbeits- und Freizeitpartner, aber zunehmend auch als Wirtschaftsfaktor. Das Geschäft rund ums Pferd boomt. Zwischen Hügeln, Seen und Almen in Kärnten entstehen immer mehr Unternehmen, die sich auf Pferde spezialisieren – mit innovativen Geschäftsmodellen, die über den klassischen Reitbetrieb hinausgehen.
Pferde sind mehr als edle Freizeitbegleiter. Sie sind Geschäftspartner, Trainer, Co-Therapeuten – und nicht zuletzt Wirtschaftsmotoren. Der Markt ist vielfältig, die Zielgruppen zahlungskräftig und die Nachfrage nach ganzheitlichen, naturnahen Erlebnissen trifft den Zeitgeist.
Pferde sind die besseren Coaches
Ein besonders spannendes Feld, das sich schnell auch hier in Kärnten verbreitet hast, ist das pferdegestützte Coaching. Hier kommen Pferde als Spiegel menschlichen Verhaltens zum Einsatz – in Einzel- oder Gruppensettings, in Workshops für Teamentwicklung, Führungskräftetraining oder zur Stressprävention. TrainerInnen mit psychologischer oder pädagogischer Ausbildung kooperieren oft mit Pferdebesitzern oder betreiben selbst einen kleinen Hof. Das Pferd reagiert unvoreingenommen auf Körpersprache, Haltung und Stimmung – und gibt so unmittelbar Feedback.

„Pferdegestütztes Coaching bringt das ans Licht, was in klassischen Formaten oft verborgen bleibt: Präsenz statt Position, Wirkung statt Rolle. Es bietet klares, unmittelbares Feedback – ehrlich, direkt und transformierend. Ein Format, das nicht inszeniert, sondern verändert. “ erklärt Daniela Planinschetz-Riepl, Inhaberin von Sattelfest & Frei, leidenschaftliche Unternehmensberaterin und Trainerin. Sie nimmt in Kärnten eine Pionierrolle bei diesem Thema ein.
Der Markt wächst rasant und es sind vor allem Frauen mit sozialer oder psychologischer Ausbildung, die sich mit dem pferdegestützten Coaching selbstständig machen oder ihr Portfolio erweitern – mit überschaubarem Investitionsbedarf, aber großem Wirkungspotenzial.
Klassisch und stark nachgefragt: ReitlehrerInnen und PferdetrainerInnen
Auch das klassische Geschäft des Reitunterrichts ist in Kärnten lebendig – aber im Wandel. Der Trend geht weg von reinen Reitschulen hin zu spezialisierten, mobilen ReitlehrerInnen oder solchen mit einem ganzheitlichen Konzept: Bodenarbeit, (natural) Horsemanship, gymnastizierende Reitweise und artgerechte Ausbildung stehen im Vordergrund.
ReitlehrerInnen arbeiten oft freiberuflich und kommen zu den KundInnen in deren Stall. Andere betreiben eigene kleine Anlagen mit wenigen Schulpferden und konzentrieren sich auf Qualität statt Masse. Auch die Ausbildung von Jungpferden oder die Korrektur von Problempferden ist gefragt – hier sind erfahrene PferdetrainerInnen mit Fingerspitzengefühl gefragt.

Joey Hattenberger (Pferde im Fokus) zählt zu den profiliertesten Pferdetrainern in Kärnten. Den Begriff „Pferdeflüsterer“ mag der dabei aber gar nicht. Denn es geht im vorrangig um die ehrliche Kommunikation mit dem Pferd auf Augenhöhe. Um echtes Verstehen und partnerschaftliches Miteinander. Auf seiner „Sunshine-Ranch“ in St. Jakob im Rosental betreut er mit seiner Frau Hekla nicht nur die drei eigenen Pferde, sondern bietet auch Gastpferden eine Einstellmöglichkeit, um beim täglichen Training Fortschritte zu erzielen. Gerne gebucht wird Hattenberger auch, wenn es um das Verladen geht. Das Ein- und Aussteigen stellt nämlich vielfach nicht nur die Pferde, sondern auch deren Besitzer, vor massive Herausforderungen.
Körper- und Energiearbeit für Pferde
Die Gesundheit der Pferde ist vielen HalterInnen ein großes Anliegen – und ein lukrativer Markt für SpezialistInnen. Anbieter von hochwertigem Futter, Ergänzungsmitteln oder Futterberatung finden in Kärnten ein aufgeschlossenes Publikum, ebenso wie eine Vielzahl neuer Therapie- und Anwendungsformen, rund um Anatomie und Bewegungsapparat.
Dabei gewinnt die Körper- und Energiearbeit mit Pferden stark an Bedeutung. Hier geht es nicht nur darum, die körperliche Gesundheit des Pferdes zu erhalten, sondern mit unterschiedlichen Methoden gezielt Körperpartien zu entspannen. Bei der Masterson Methode® werden spezifische Körperpartien sanft gelockert und der Bewegungsspielraum erweitert. Dabei wird das Pferd in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt, um im nächsten Schritt spezifische Körperpartien sanft zu lockern. Es steht nicht die direkte Bearbeitung der Muskeln im Vordergrund, sondern das Ziel, dass das Pferd selbstständig Verspannungen loslässt. Um dies zu erreichen, wird nur scheinbar Druck durch ganz sanfte Berührung ausgeübt. So wird die Widerstandsgrenze des Pferdes nicht überschritten.

Eines der Themen, mit denen sich die Villacherin Beate Egger intensiv beschäftigt. Im Wechselspiel unterschiedlicher Methoden besucht sie täglich Pferde in den Ställen und wird auch bis nach Wien gerufen, um Hilfestellung bei Pferden zu leisten.
Einstellbetriebe bieten Lebensqualität für Pferde und Mensch
Ein Dauerbrenner in der Pferdebranche ist die Vermietung von Einstellplätzen. Wer selbst einen Hof besitzt oder in landwirtschaftliche Immobilien investiert, kann mit einem gut geführten Einstellbetrieb ein solides Einkommen erzielen – besonders, wenn das Angebot stimmt. Offenställe mit artgerechter Haltung, große Paddocks, Heu aus eigener Produktion und Serviceleistungen wie tägliches Misten, Füttern oder Training bieten einen attraktiven Lebensraum für Pferde – und entlasten deren BesitzerInnen. Kombiniert mit einem kleinen Reitplatz, einem Bewegungsstall oder einer Führanlage entsteht ein vielseitiges Geschäftsmodell.
Immer beliebter werden auch Stallgemeinschaften mit Mitmachkonzept – kostengünstiger für die Betreiber und mit starkem Gemeinschaftsgefühl für die NutzerInnen. Beispielgebend dafür sind Marilyn und Helmut Kogler vom Pferdehof Kogler, in Albern im Bezirk Feldkirchen. Nach der Übernahme des elterlichen Bauernhofs stellten sie von der klassischen Viehwirtschaft auf die Pferdewirtschaft um.
Mit Erfolg. Rund dreißig EinstellerInnen schätzen mit ihren Pferden die sehr familiäre Stimmung am Hof. Neben einem Offenstall-Angebot für Stuten auf Selbstversorgerbasis und einem großzügigen Areal für Wallache bieten die Koglers auch Luxus-Boxen mit Vollversorgung. Wichtig ist ihnen aber das Klima im Stall unter allen Einstellern. Denn die Philosophie richtet sich vor allem an BesitzerInnen von Freizeitpferden, die das Wohl ihres Pferdes in den Mittelpunkt stellen. Somit heben sie sich auch klar von allen Reiterhöfen ab, die sich auf Sportpferde fokussieren.
Urlaub mit Pferd: Tourismus trifft Reitkultur
Kärnten lebt vom Tourismus – warum nicht Reitkultur und Urlaub verbinden? Vom geführten Wanderritt über die Alm bis hin zur Reiterwoche mit Wellnessangeboten – die Kombination von Pferd und Erholung ist ein Trend mit Zukunft.
Gerhild und Heinz Hartweger vom Landgut Moserhof setzen bei diesem Thema Maßstäbe. Neben einer Reitschule, Unterkünften in einzigartigen Chalets und einem umfangreichen Angebot an Wanderreittouren zählen sie aktuell zur ersten Anlaufstelle für einen Pferde- und Reiturlaub in Kärnten.
Kreative Nischen: Von Pferdefotografie bis zur Hufpflege
Das Thema Pferd bietet aber auch viele kreative Nischen: Als stark steigend bezeichnet die Fotografin Petra Nestelbacher, Footprints Tierfotografie, die Nachfrage nach Pferde-Shootings. Dabei findet ihr spezielles Konzept, Tiere auch an außergewöhnlichen Locations und bei ganz besonderen Lichtstimmungen zu fotografieren, sehr großen Anklang.

Und auch das Berufsbild des Hufschmiedes hat sich gewandelt. Vielfach werden die klassischen Hufeisen durch Klebebeschläge ersetzt. „Klebebeschläge sind eine moderne Alternative zu herkömmlichen Hufeisen. Dabei wird ein Kunststoff- oder Verbundbeschlag mit speziellem Klebstoff am Huf befestigt, anstatt ihn zu nageln. Diese Methode schont das Hufhorn und fördert die natürliche Beweglichkeit,“ erklärt Petra Trapp, selbständige Hufpflegerin (HotteHüf).
Eine Branche mit viel Potenzial
Das Business mit Pferden ist vielseitig, kreativ und bodenständig zugleich – und Kärnten bietet mit seiner Landschaft, seinen Menschen und seiner touristischen Infrastruktur beste Voraussetzungen für nachhaltige Geschäftsmodelle. Wer Leidenschaft für Pferde mit unternehmerischem Denken verbindet, findet hier ein fruchtbares Feld. Ob Coaching mit Pferden, Stallvermietung oder innovative Dienstleistungen – wichtig ist ein professioneller Auftritt, fundiertes Fachwissen und ein tiefes Verständnis für das Tier. Denn am Ende ist jedes Business rund ums Pferd ein Business auf Augenhöhe – mit Mensch und Tier.
