Alles in Ordnung: Rita Turner setzt auf „milden Minimalismus“

Fast zehn Jahre internationale 5-Sterne-Hotellerie, 22 Umzüge und schließlich der Schritt in die Selbstständigkeit: Die Kärntner Unternehmerin Rita Turner hat gelernt, dass Ordnung kein Selbstzweck ist – sondern ein unterschätzter Hebel für Fokus, Energie und unternehmerischen Erfolg.

Zwischen Koffer und Karriere

Rita Turner kommt ursprünglich aus Kärnten. Doch ihre berufliche Laufbahn führte sie früh hinaus in die Welt: Nach Tirol und in die Schweiz, in die internationale 5-Sterne-Hotellerie. Front Office, Eventmanagement und ein Alltag, der vor allem eines verlangt: Struktur. „Ein 5-Sterne-Betrieb funktioniert nur, wenn alles klar organisiert ist – und gleichzeitig flexibel genug, um auf jede Situation reagieren zu können“, sagt sie. Für sie war diese Zeit vor allem eines: Ein Leben in Bewegung – insgesamt ist sie 22 mal umgezogen. „Da lernt man sehr schnell, was man wirklich braucht – und was einfach nur Ballast ist“, sagt sie heute. Eine Erkenntnis, die ihren weiteren Weg entscheidend prägen sollte. Nach ihrer Rückkehr nach Kärnten im Jahr 2022 folgte ein kurzer Abstecher in die IT, dann die Ausbildung zum systemischen Coach. „In der Ausbildung habe ich gemerkt, dass Coaching und Ordnung Hand in Hand gehen“, sagt sie und unterstützt heute Menschen dabei, genau diese Verbindung für sich zu nutzen. Die Struktur aus der Hotellerie, kombiniert mit Coaching-Kompetenz und ihrer eigenen Erfahrung, führte zu einem klaren Angebot: Ordnungscoaching mit Tiefgang – denn bei Turner geht es um weit mehr, als ordentliche Räume.

„Ordnung erlaubt einem, faul zu sein.“Rita Turner

„Je weniger Dinge man besitzt und je klarer die Strukturen sind, umso weniger stresst sich das Gehirn mit der sogenannten ‚stillen To-Do Liste‘“, verrät sie. Was einfach klingt, hat eine große Wirkung – gerade für Menschen mit hoher Verantwortung. „Ordnung ist viel mehr eine Form von Freiheit und Entlastung. Sozusagen ein Weg um eben nicht schon wieder etwas führen und managen zu müssen. In Wahrheit erlaubt Ordnung einem, auch mal faul zu sein.“ Ein Ansatz, der bewusst mit klassischen Leistungsbildern bricht – und gerade deshalb für UnternehmerInnen interessant ist.

Ordnungscoach Rita Turner hilft beim Aufräumen und Sortieren des Kleiderschranks.
Vom Keller bis zum Kleiderschrank: Rita Turner weiß, was Ordnung im Zuhause – und im Kopf – bewirkt. Foto: Weichselbraun
Ordnungscoach Rita Turner hilft Menschen, ihr Zuhause in Ordnung zu bringen, z.B. in der Küche.
„Wenn alle Dinge einen fixen Platz haben, kann man im ‚Autopilot‘ aufräumen“, weiß Ordnungscoach Rita Turner. Foto: Weichselbraun

Minimalismus im Arbeitsalltag

„Ich würde meinen Arbeitsplatz zeigen – wenn ich einen hätte“, sagt sie mit einem Lächeln. Statt im Büro arbeitet sie mit dem Laptop am Küchentisch. Nach getaner Arbeit wird alles wieder weggeräumt. „Das liegt an meinem milden Minimalismus – ich brauche schlicht und einfach keinen Schreibtisch.“ Ihr eigentlicher Arbeitsplatz ist ja ohnehin ein anderer: Bei ihren KundInnen zu Hause – zwischen Küche, Kleiderschrank und Keller. „Da fühle ich mich am wohlsten und das mache ich am liebsten“, sagt sie. Diese Nähe zum echten Leben macht ihre Arbeit so greifbar – und so wirksam.

Wie alle mit denselben Themen kämpfen…

Durch ihre Arbeit und ihre Netzwerke ist Turner regelmäßig im Austausch mit erfolgreichen Frauen – von Quereinsteigerinnen über Gründerinnen bis hin zu erfahrenen Führungskräften. Trotz unterschiedlicher Lebensrealitäten zeigt sich dabei ein klares Muster: „Mit dem Haushalt und dem eigenen Besitz geht es uns allen gleich“, sagt sie. Die konkreten „Problemzonen“ mögen sich unterscheiden – bei der einen ist es der Kleiderschrank, bei der anderen das Kinderzimmer oder der Keller. Doch die dahinterliegenden Fragen bleiben dieselben: Wann soll ich das auch noch schaffen? Wohin damit? Und ist es nicht eigentlich zu schade zum Wegwerfen? Gerade für UnternehmerInnen entsteht hier ein Spannungsfeld: Nach intensiven Arbeitstagen wird der eigene Haushalt schnell zur zusätzlichen mentalen Belastung. Ordnung wird dann nicht als Entlastung wahrgenommen, sondern als weiterer Punkt auf der To-do-Liste.

… und wie wir sie lösen: Loslassen statt organisieren

Für Turner liegt die Lösung deshalb nicht im besseren Organisieren, sondern im bewussten Entscheiden. Der zentrale Hebel ist das Loslassen. „Am besten ist wirklich, sich von Unnötigem zu trennen und ziehen zu lassen, was einem nicht mehr dient oder einem gar ein schlechtes Gewissen macht“, verrät die Unternehmerin. „Passt eine Jeans seit zwei Jahren nicht mehr? Wäre es nicht besser, einfach die anzuziehen, die bequem ist und die andere jemandem zu geben, der sie brauchen kann?“ Gerade im unternehmerischen Kontext lässt sich dieses Prinzip übertragen: Nicht alles behalten, nur weil es einmal sinnvoll war. Nicht alles weiterführen, nur weil man es begonnen hat. Klarheit entsteht oft erst durch Reduktion.

„Erfolg ist für mich nicht Geld, Karriere oder Status – sondern dass etwas erfolgt.“ Rita Turner

Mentale Grenzen im Homeoffice

Ein weiteres Thema, das Turner häufig begegnet, ist die Vermischung von Arbeit und Privatleben – insbesondere im Homeoffice. „Am schlimmsten finde ich, wenn man private und arbeitsbezogene Gegenstände beim Arbeitsplatz mischt“, sagt sie. Die Folge ist ein ständiges gedankliches Hin- und Herspringen zwischen Rollen und Aufgaben. Das Gehirn bleibt gewissermaßen im Dauerbetrieb. Ihre Empfehlung ist klar: bewusste Trennung und klare Rituale. Eine eigene Tasche für Arbeitsmaterialien, das gezielte Verstauen nach dem Arbeitstag oder kleine Gewohnheiten, die Anfang und Ende markieren. „So muss man den Abend nicht damit verbringen, die Arbeit anzuschauen.“

Ordnungscoach Rita Turner am Küchentisch mit Laptop.
Rita Turner ist Ordnungscoach – und besitzt keinen Schreibtisch. Für sie unnötiger Ballast. Foto: Weichselbraun

Wo fange ich an?

Gleichzeitig weiß Turner, dass Veränderung Zeit braucht – und im Alltag oft daran scheitert, dass der Einstieg zu groß gedacht wird. Deshalb setzt sie bewusst auf einfache Methoden. „Wenn gar nichts mehr geht, sage ich: 10 Dinge räume ich jetzt weg“, erklärt sie. Alternativ empfiehlt sie einen 5-Minuten-Timer mit Musik. Der Effekt ist simpel, aber wirkungsvoll: Der Druck sinkt, die Hürde wird kleiner – und häufig entsteht aus diesen wenigen Minuten automatisch mehr.

Erfolg heißt: Ins Tun kommen

„Erfolg ist für mich nicht Geld, Karriere oder Status – sondern dass etwas erfolgt“, sagt sie. Entscheidend ist dabei auch nicht die äußere Bewertung, sondern die Bewegung: dass Ideen umgesetzt werden, dass man ins Tun kommt und nicht stehen bleibt. Auf die Frage, wo sie sich in fünf Jahren sieht, antwortet sie entsprechend schlicht und konsequent: „Weiterhin ordentlich zufrieden.“

ORDENTLICH ZUFRIEDEN

Rita Turner

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Fotocredit: Weichselbraun

Manuela Mark
Manuela Mark
Autorin | Kärnten
Ressorts: Start |Up, Life | Style, Leben |Arbeiten
mark@mut-magazin.at

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