Nahversorger unter Druck: Kärntens Lebensmittelhändler zwischen Tradition und Zukunft

Es ist früher Morgen in Nötsch. Anton Kovcsa beginnt seinen Arbeitstag wie seit Jahrzehnten – in einem der letzten echten Gemischtwarenläden Kärntens. Noch bevor die Türen öffnen, werden Regale aufgefüllt, Bestellungen geprüft und das Sortiment durchgesehen. Seit 1994 führt Kovcsa den Familienbetrieb in dritter Generation. Doch die Zukunft kleiner Nahversorger ist ungewisser denn je. Die Konkurrenz durch Handelsriesen, steigende Kosten und immer neue Verordnungen setzen ihnen vermehrt zu.

Als neuer Gremialobmann des Kärntner Lebensmittelhandels kennt Kovcsa die Sorgen seiner Branche genau. Er vertritt rund 1100 HändlerInnen, darunter ca. 50 ADEG-HändlerInnen in Kärnten und setzt sich auf Bundesebene für bessere Rahmenbedingungen ein. Sein Anliegen: Den regionalen Handel stärken und die kleinen Nahversorger vor dem Aus bewahren.

Kampf der Kleinen: Wenn Familienbetriebe gegen Konzerne bestehen müssen

Die Kärntner Nahversorger stehen vor großen Herausforderungen. Während Supermarktketten mit riesigen Werbebudgets, Niedrigpreisen und großem Filialnetz locken, kämpfen kleinere Händler um ihre Existenz. „Wir können preislich nicht mit den Konzernen konkurrieren. Aber wir punkten mit Service, Qualität und echter Regionalität – das muss unser Trumpf sein“, so Kovcsa.

Besonders in ländlichen Regionen sind Nahversorger oft die einzige Einkaufsmöglichkeit für ältere Menschen oder jene ohne Auto. Ihre Schließung würde vielerorts bedeuten, dass Kunden kilometerweit zum nächsten Supermarkt fahren müssten. „Wir brauchen gezielte Maßnahmen, um diese Betriebe am Leben zu halten. Eine Verlängerung des Regionalitätsbonus ist ein wichtiger Schritt“, fordert Kovcsa.

Pfandchaos im Handel: Wie kleine Läden mit der Neuregelung kämpfen

Seit Januar 2024 gilt in Österreich die neue Pfandregelung für Einweg-Getränkeverpackungen aus Kunststoff und Metall. Ziel ist ein geschlossener Recyclingkreislauf – doch für kleine Händler bedeutet die Umsetzung vor allem eines: Zusätzlichen Aufwand.

„Grundsätzlich sind Recyclingmaßnahmen zu befürworten, doch die Einführung des Pfandsystems war bestenfalls chaotisch zu nennen“, kritisiert Kovcsa. Viele kleinere Betriebe haben keinen Platz für große Rücknahmeautomaten und müssen Flaschen und Dosen manuell annehmen und lagern. Fehlende Aufklärung führte zudem zu Unsicherheit bei den Kunden: Welche Gebinde sind pfandpflichtig? Was passiert mit alten Verpackungen? „Wir mussten an der Kassa unzählige Diskussionen führen. HändlerInnen dürfen nicht diejenigen sein, die am Ende für die schlechte Informationspolitik den Kopf hinhalten“, betont Kovcsa.

Dorfläden als Lebensader: Warum Nahversorger unverzichtbar sind

Nahversorger sind weit mehr als Einkaufsmöglichkeiten – sie sind soziale Treffpunkte und wirtschaftliche Stützen für ihre Regionen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt die Problematik: Gab es 2000 noch über 500 selbstständige Lebensmittelhändler in Kärnten, sind es heute weniger als 200.

„Wenn wir nichts tun, wird diese Zahl weiter sinken“, warnt Kovcsa. Darum setzt er sich für nachhaltige Lösungen ein. Die #heimkaufen-Kampagne der Wirtschaftskammer Kärnten etwa macht auf die Bedeutung des regionalen Einkaufs aufmerksam. „Solche Initiativen müssen noch stärker gefördert werden – denn wenn der letzte Laden im Dorf schließt, kommt er nicht mehr zurück.“

Die Zukunft des Handels: Regionalität und Innovation als Chance

Wie können kleine Händler langfristig bestehen? Laut Kovcsa braucht es eine Kombination aus Tradition und neuen Ideen. „Wir müssen unsere Stärken – Regionalität, persönliche Beratung und Verlässlichkeit – noch besser nutzen. Aber wir dürfen uns modernen Entwicklungen nicht verschließen.“

Neue Konzepte wie Kooperationen mit Produzenten, Online-Vorbestellungen für Frischeprodukte oder regionale Lieferdienste können helfen, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. „Es gibt viele Möglichkeiten – aber wir müssen sie aktiv nutzen, um nicht vom Markt verdrängt zu werden“, schließt Kovcsa.

Für Anton Kovcsa ist klar: Die Kärntner Nahversorger brauchen faire Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und mehr Unterstützung. „Der Lebensmittelhandel steht vor großen Herausforderungen. Doch mit gezielten Maßnahmen und einer Stärkung der Regionalität können wir den Wandel aktiv gestalten – anstatt ihm nur zuzusehen.“

Janus Böhm
Janus Böhm
Ehemaliger Redakteur | Kärnten
Ressorts: Life | Style, Leben | Arbeiten, Nah | Fern

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