Abwanderung, Fachkräftemangel und Demografie – Kärnten steht vor großen Herausforderungen. Die Wirtschaft setzt daher auf Migration und Integration, um Unternehmen zu stärken und den Standort langfristig abzusichern.
Kaum eine Region Österreichs ist so stark von Abwanderung betroffen wie Kärnten. Laut aktuellen Erhebungen verlässt ein erheblicher Teil der jungen Menschen das Bundesland, um in anderen Regionen oder im Ausland bessere Studien- und Jobmöglichkeiten zu finden. Rund 40 Prozent der 15- bis 29-Jährigen beurteilen die Lebens- und Arbeitsbedingungen hier kritisch.
Das befeuert den seit Jahrzehnten feststellbaren „Brain Drain“, der nicht nur die Bevölkerung schrumpfen lässt, sondern dem Land auch dringend benötigte Fachkräfte entzieht: Bis 2030 werden in Kärnten aufgrund von Geburtenrückgängen, Überalterung und Abwanderung 30.000 Arbeitskräfte fehlen. Und schon heute suchen Kärntens Betriebe händeringend nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Branchen wie Pflege, Metallverarbeitung, Elektrotechnik oder IT. Für die Wirtschaftskammer Kärnten ist seit langem klar: Ohne qualifizierte Zuwanderung wird diese Lücke nicht zu schließen sein.
Mentoring: Brücken in den Arbeitsmarkt
Eines der erfolgreichsten Instrumente ist das Mentoring-Programm für MigrantInnen, das die WKK gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und dem AMS seit bald 20 Jahren durchführt. Dabei begleiten erfahrene Mentorinnen und Mentoren qualifizierte Zuwanderer beim Einstieg in den Kärntner Arbeitsmarkt. Im jüngsten Durchgang fanden 45 Prozent der Teilnehmer eine fixe Anstellung, zwei wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. „Jede gelungene Integration ist ein Gewinn für beide Seiten – für die Unternehmen und für die Menschen, die hier ihre Zukunft aufbauen“, betont Anna-Paula Fauser, in der Abteilung Außenwirtschaft und EU der WK Kärnten für Migrations- und Integrationsthemen zuständig.

Internationale Studierende als Potenzialträger
Auch die Universität Klagenfurt spielt eine wichtige Rolle: Sie hat ihr englischsprachiges Angebot stark ausgebaut und zieht damit viele internationale Studierende an. Die WK vernetzt diese Talente mit Betrieben, etwa über das Karriereevent „Carinthia meets global talents“. Besonders zukunftsweisend ist die Zusammenarbeit zwischen Kärntner Unternehmen und dem Studiengang Robotics & Artificial Intelligence – ein Bereich, in dem internationales Know-how direkt in die Wirtschaft fließt.
Jobbörsen und Netzwerke für Integration
Praktische Zugänge zum Arbeitsmarkt schaffen auch Besuche von MigrantInnen bei Tourismus-Jobbörsen. Mit Dolmetschern und Beratung zu Deutschkursen oder Bewerbungen wird Integration hier konkret unterstützt. Zudem arbeitet die Wirtschaftsvertretung eng mit der Diakonie de La Tour zusammen, die mehrere Arbeitsmarktprojekte betreut und Kontakte zu Unternehmen bietet.

Fachkräfteagentur und internationale Offensive
Einen weiteren Meilenstein bildet die Kärntner Fachkräfteagentur, die Betriebe bei der Rekrutierung im Ausland unterstützt und auch die Integration vor Ort begleitet. Schon im ersten Auswahlprozess standen 1.600 BewerberInnen im Pool, bis Jahresende sollen rund 75 in Kärnten arbeiten. „Wir sind stolz darauf, dass wir dieses schon jetzt erfolgreiche Kooperationsprojekt in enger Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsreferat des Landes umsetzen konnten. Wir sind damit ein Benchmark für andere Bundesländer“, unterstreicht WK-Direktor Meinrad Höfferer, einer der Initiatoren und Motoren der Fachkräfteagentur.
Darüber hinaus ist Kärnten Teil der Internationalen Fachkräfteoffensive (IFO) der WKÖ. Wirtschaftsmissionen in ausgewählte Länder, Online-Matchmaking-Events wie die „IT Job Days“ und Key Account Manager in den AußenwirtschaftsCentern sorgen dafür, dass Betriebe Zugang zu internationalen Talenten bekommen.
Migration als Standortstrategie
Alle diese Maßnahmen sind in die österreichweite Fachkräftestrategie eingebettet, die von Lehrlingsförderung bis zu Work-Life-Balance reicht. Kärnten setzt dabei ein klares Signal: Migration ist kein Randthema, sondern Standortpolitik. „Ohne internationale Fachkräfte wäre der Wirtschaftsstandort Kärnten nicht zukunftsfähig“, erklärt WK-Präsident Jürgen Mandl: „Entscheidend ist, dass Integration nicht zufällig passiert, sondern aktiv gestaltet wird.“
Abwanderung bremsen, Zukunft sichern
Während junge Kärntnerinnen und Kärntner ihre Chancen oft in anderen Regionen suchen, bietet qualifizierte Zuwanderung die Möglichkeit, die Fachkräftelücke zu schließen und den Standort zu beleben. Die Wirtschaft zeigt mit ihren Initiativen, dass Integration weit mehr ist als ein soziales Projekt: Sie ist ein strategischer Schlüssel für Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
