Junge Büchsenmacher mit klarem Ziel

Zwei junge Männer haben in einer alten Schmiede in Himmelberg ihr eigenes Unternehmen gegründet. Dabei setzen sie auf ein Handwerk, das nur noch wenige beherrschen. Lukas Bubna-Litic und Mathias Wedenig bauen Jagdwaffen im Einzelstück und sind bereits jetzt österreichweit bekannt.

Am wohlsten fühlen sich Mathias und Lukas, wenn die Fräse aufheult und Metallspäne durch die Luft fliegen. Sobald das Kreischen der Maschine verstummt, beugt sich Lukas mit Schutzbrille über das Werkstück und pustet den silbernen Staub zur Seite. Er löst das Teil aus der Halterung, prüft die Kanten, dann spannt er es wieder ein und arbeitet weiter. Ein paar Meter daneben streicht Mathias mit einem Tuch über ein Stück dunklen Nussbaum. Die Bewegung ist ruhig und konzentriert. Während er das Holz bearbeitet, tritt die Maserung Stück für Stück hervor.

„Nicht jeder Büchsenmacher ist Jäger. Aber es hilft enorm.“ Mathias Wedenig

In einer ehemaligen Schmiede in Himmelberg, haben die zwei jungen Männer ihr eigenes Kapitel begonnen. Mathias Wedenig (25) und Lukas Bubna-Litic (26) sind Büchsenmacher. Sie gehören zu einer kleinen Berufsgruppe, die ein Handwerk betreibt, das heute selten geworden ist. Vor einem Jahr haben sie „B2W Jagdwaffen“ gegründet. Die Idee dazu hatten die beiden, als sie sich in der Fachschule für Büchsenmacher in Ferlach kennenlernten.

Ein Ziel vor Augen

Schon damals schmiedeten sie erste Pläne für eine eigene Werkstatt. Aber erst nach getrennten beruflichen Wegen fanden sie zueinander zurück. Lukas arbeitete zwei Jahre bei einem Büchsenmacher in Niederösterreich und Wien, Mathias wagte parallel zu seiner Anstellung den Schritt in die eigene Selbstständigkeit. Als beide feststellten, wie viel Erfahrung und Kundschaft sie bereits mitbrachten, fiel der Entschluss schneller als gedacht. „Es hat einfach Sinn gemacht, genau zu diesem Zeitpunkt zu gründen“, sagt Mathias heute.

Mathias Wedenig (25) und Lukas Bubna-Litic (26) B2W Jagdwaffen, Büchsenmacher in Himmelberg, Kärnten. Foto: Ljubisa Buzic
Mathias Wedenig bei der Arbeit an einem Gewehrschaft. Foto: Ljubisa Buzic

Mit der Jagd aufgewachsen sind sie beide. „Mein Vater hat mich das erste Mal mit vier oder fünf Jahren auf die Jagd mitgenommen“, erzählt Mathias. „Ich bin immer mit dabei gewesen und habe mit 16 meinen Jagdschein gemacht.“ Im Wald rund um den Maltschacher See, Glanberg und St. Oswald lernte er die Jagd auf Rehe und Rotwild. Als ihm seine Tante irgendwann erzählte, dass es eine eigene Schule für Büchsenmacher gibt, war für ihn klar, was er einmal machen wollte.

Der Blick des Jägers

Eine ebenso große Leidenschaft für die Jagd hat auch Lukas, der in Niederösterreich aufgewachsen ist und für die Ausbildung zum Büchsenmacher nach Ferlach zog. In ihrem jungen Alter schon so viel Erfahrung zu haben, ist auch ein großer Vorteil bei ihrer Arbeit: „Nicht jeder Büchsenmacher ist Jäger. Aber es hilft enorm“, sagt Mathias. „Wenn ein Kunde mit einem Anliegen kommt, verstehen wir sofort, wovon er spricht.  Das macht vieles einfacher.“

Ihre Kunden sind hauptsächlich Jäger, aber auch Sportschützen und Sammler. Manche reisen aus Niederösterreich oder Wien an. „Man kann sagen, dass wir schon österreichweit bekannt sind“, erklärt Lukas. In ihrem Betrieb bieten sie das gesamte Spektrum an, das in einer modernen Büchsenmacherei gefragt ist: Reparaturen und Anpassungen, Tuningarbeiten sowie den Verkauf von handelsüblichen Jagdwaffen und Munition. Das Herzstück ihrer Arbeit, sagen beide, ist aber die Neuanfertigung. „Ein Gewehr von Grund auf zu bauen ist etwas ganz Besonderes“, sagt Lukas.

Viele Stunden Präzisionsarbeit

Jedes Gewehr, das hier entsteht, ist ein Einzelstück. Zwischen 200 und 300 Arbeitsstunden braucht es mindestens, bis eine Waffe den Zustand erreicht, den die Büchsenmacher „weißfertig“ nennen: fertig gebaut, funktionsfähig und behördlich geprüft. Die Oberfläche ist dann jedoch noch roh, ohne Dekor oder Gravuren. Je nach System können es auch 500 Stunden sein. Die Arbeit an einem dieser Einzelstücke kann bis zu einem Jahr dauern.

Mathias Wedenig (25) und Lukas Bubna-Litic (26) B2W Jagdwaffen, Büchsenmacher in Himmelberg, Kärnten. Foto: Ljubisa Buzic
Lukas Bubna-Litic (26) B2W bei der Arbeit an der Fräse. Foto: Ljubisa Buzic

Am Anfang steht ein Gespräch mit dem Kunden, das „schon sehr intensiv“ ist, wie es Lukas ausdrückt. Hier werden Jagdart, Kaliber, System und Sonderwünsche besprochen. Dabei wird auch der Körper des Kunden vermessen, denn die Waffe muss sich später anfühlen wie eine Verlängerung der eigenen Gliedmaßen.

Zufriedene Kunden

Die Konstruktion entsteht zuerst als 3D-Modell. Danach beginnt der langsame, präzise Aufbau. Fräsen, Feilen, Anpassen. Ständige Kontrollen. Abschließend der Beschusstest in Ferlach, bevor Elemente wie Gravuren an spezialisierte Partner weitergegeben werden. Bei der Endmontage tragen sie Samthandschuhe, damit das fertige Stück nicht den kleinsten Kratzer aufweist, bevor es der Kunde zu Gesicht bekommt. „Der schönste Moment ist, die Freude zu sehen, wenn der Kunde das Gewehr zum ersten Mal in der Hand hält“, sagt Lukas. Manche schicken ihnen später Fotos von der Jagd.

Mit einem Kundenstamm in Wien, Niederösterreich und Kärnten, sind die beiden bereits jetzt gut mit Aufträgen eingedeckt. „Wir können uns auf jeden Fall vorstellen, mal zu expandieren und Mitarbeiter einzustellen“, erklärt Lukas. Was sie in dem ersten Jahr seit ihrer Gründung gelernt haben? „Du musst einfach anpacken“, sagt Lukas. Sechzig bis siebzig Stunden Arbeit pro Woche sind für die beiden normal. Und schließlich werden sie in den eigenen Betrieb, den eigenen Traum, investiert. „Das ist schon etwas ganz Anderes.“ Und man merkt ihnen die Zufriedenheit an. Ihr Ziel haben die beiden nie aus den Augen verloren.

Mathias Wedenig (25) und Lukas Bubna-Litic (26) B2W Jagdwaffen, Büchsenmacher in Himmelberg, Kärnten. Foto: Ljubisa Buzic
Ein Jagdgewehr mit Kipplauf. Foto: Ljubisa Buzic

B2W Jagdwaffen wurde im Herbst 2024 von Lukas Bubna-Litic und Mathias Wedenig gegründet. Zum Angebot gehören Reparaturen, Tuning und Modernisierungen sowie maßgefertigte Jagdwaffen. Jede Waffe wird vom ersten Beratungsgespräch bis zur Endmontage in präziser Handarbeit hergestellt.

Adresse: Tiebelweg 10, A-9562 Himmelberg
Telefon: +43 664 2085811
Instagram: B2W Jadgwaffen

 

Ljubisa Buzic
Ljubisa Buzic
Autor | Kärnten
Ressorts: Menschen | Meinungen, Hart | Herzlich, Arbeiten | Leben

buzic@mut-magazin.at

M.U.T. auf Youtube

M.U.T.letter

Wissen, was die Wirtschaft bewegt.

Das könnte Sie auch interessieren