It’s a match! Wie Jugendliche und Betriebe erfolgreich zusammenbringen?

Karina Ruege kennt die Herausforderungen des Arbeitsmarkts. Mit Jugendjob.at möchte sie jungen Menschen berufliche Perspektiven in der Südweststeiermark aufzeigen und gleichzeitig regionale Betriebe bei der Suche nach Fachkräften unterstützen.

M.U.T.: Was wollen Sie mit der Plattform Jugendjob.at erreichen?

Karina Ruege: Jugendjob.at ist für mich weit mehr als nur eine Jobplattform – es ist mein Herzensprojekt. Als Unternehmerin (HEIDECO GmbH Deutschlandsberg), Lehrlingsausbildnerin und Mama kenne ich beide Seiten: Ich weiß, wie schwierig es für Jugendliche sein kann, den passenden Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in der eigenen Region zu finden.

Gleichzeitig erlebe ich täglich, wie sehr unsere Klein- und Mittelbetriebe nach motivierten Nachwuchskräften suchen. Die Big Player haben einen Vorsprung bei der Sichtbarkeit von Jobangeboten. Mit Jugendjob.at sollen auch KMU und EPU die Möglichkeit haben, Lehrlinge und MitarbeiterInnen zwischen 14-29 Jahren in der Datenbank zu finden.

Als Win-Win-Situation habe ich Jugendjob.at ins Leben gerufen. Seit dem Start im April 2026 konnte die Initiative schon über 40 regionale Betriebe für sich gewinnen. Besonders stolz bin ich darauf, dass das Projekt vollständig eigenfinanziert wurde. Ganz bewusst habe ich auf Förderungen und Subventionen verzichtet, damit nachhaltige regionale Zusammenarbeit aus eigener Kraft entstehen kann.

Mein Ziel ist es, 300 regionale Unternehmen dauerhaft auf Jugendjob.at zu vereinen. Dadurch entsteht eine starke regionale Arbeitgeberdatenbank, die Jugendlichen von der Berufsorientierung bis zum Berufseinstieg zeigt, welche Chancen vor ihrer Haustür auf sie warten, was auch für den Wirtschaftsstandort von Bedeutung ist.

Ob Schnupperstelle, Lehrstelle, Berufspraktikum, Ferialjob, Aushilfstätigkeit, Zivildienst oder Freiwilliges Soziales Jahr – Jugendliche sollen auf einen Blick erkennen, wie vielfältig die beruflichen Möglichkeiten in der Südweststeiermark sind.

Porträt der Unternehmerin Karina Ruege in weißem Blazer in einem hellen, modernen Arbeitsumfeld.
Persönlich, engagiert und mit Blick für die Zukunft von Jugend und Betrieben in der Region Südweststeiermark: Karina Ruege. Foto: www.fotoaugenblick.at

Welche Erfolge konnten Sie mit Jugendjob.at bisher verbuchen?

Die Plattform bringt unglaublich viel und ich bekomme nur positive Rückmeldungen von beiden Seiten, also von den Betrieben und den Jugendlichen bzw. deren Eltern. Die registrierten Unternehmen bekommen jetzt viel mehr und aussagekräftigere Bewerbungen.

Die meisten Jugendlichen kennen nur die großen, bekannten Arbeitgeber oder stoßen auf Jobplattformen mit österreichweiter Streuung. Dabei gibt es direkt vor unserer Haustür eine enorme Vielfalt an spannenden Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten.

Auf der anderen Seite fehlen vielen Ein-Personen-Unternehmen sowie kleinen und mittleren Betrieben Zeit und Budget, um sich als attraktiver Arbeitgeber professionell zu präsentieren. Große Onlineportale sind oft teuer und erreichen nicht gezielt junge Menschen aus unserer Region. Genau hier setzt Jugendjob.at an.

Es gibt schon erste Erfolgsgeschichten. Zum Beispiel haben das Gasthaus Pauritsch und das Gasthaus Maurer Aushilfen und FerialpraktikantInnen gefunden. Man kann Jugendjob.at als Matching-Plattform für Berufe sehen, die ein Profil zu einem leistbaren Preis zur Verfügung stellt.

Bereits ab 99 Euro pro Monat beziehungsweise 666 Euro pro Jahr können Unternehmen ihre offenen Stellen und ihr Unternehmen auf der Plattform präsentieren. Wer noch mehr Aufmerksamkeit erzielen möchte, hat zusätzlich die Möglichkeit, professionelle Reels und Fotos erstellen zu lassen.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich sinkt aktuell, der Fachkräftemangel und die Arbeitslosenrate sind jedoch omnipräsent. Wie schätzen Sie die Entwicklungen am Arbeitsmarkt ein?

Der Fachkräftemangel wird sich leider fortsetzen, den sind wir nicht mehr so schnell los. Aber auch die Wertigkeit der FacharbeiterInnen steigt dadurch dementsprechend.

Daher ist es wichtig, sich als junger Mensch sukzessive in das Arbeitsleben einzugliedern. Sowohl für die fachliche als auch für die soziale Kompetenz ist ein Erstkontakt, zum Beispiel als FerialpraktikantIn, wichtig. Ich arbeite hier sehr gut und eng mit den Schulen in der Region zusammen, um den Jugendlichen die Möglichkeiten bei den Betrieben aufzuzeigen.

Dadurch können sie sich ein Berufsbild besser vorstellen und tun sich mit dem Übergang vom Schüler/von der Schülerin zum Arbeitnehmer/zur Arbeitnehmerin nicht so schwer. Ich bemerke eine gewisse Realitätsferne bei vielen Jugendlichen, durch realistische Einblicke in Berufe und die gesellschaftliche Anhebung des Images des Lehrberufs kann man hier ein nachhaltiges Konzept entwickeln.

Drei Mitarbeitende besprechen gemeinsam die Bedienung einer CNC-Produktionsmaschine in einer modernen Fertigungshalle.
Geschäftsführerin Karina Ruege im Austausch mit Mitarbeitenden in der Fertigung der Firma HEIDECO. Foto: www.fotoaugenblick.at

Welche Ansprüche und Bedürfnisse stellen Sie als Geschäftsführerin von HEIDECO bei Ihrem eigenen Betrieb und den Jugendlichen in Ausbildung fest?

Auf der einen Seite sind da arbeitssuchende Jugendliche, die sich eine Work-Life-Balance wünschen und auch erwarten. Das ist bei uns im Unternehmen mit Schichtbetrieb teilweise schwierig umzusetzen.

Grundsätzlich schaffen wir bei Heideco eine Viertageswoche, aber die Schichtarbeit wird immer zum Thema. Aufgrund unserer hohen Investitionen in teure Maschinen müssen diese auch mindestens zwei Schichten laufen, um rentabel zu sein. Wenn jede/r nur mehr am Vormittag bis 14 Uhr arbeiten möchte, funktioniert das nicht.

Von Unternehmerseite kann man rasch einschätzen, wer ins Unternehmen passt und wer nicht. Mir ist es etwa wichtig, dass er/sie Hausverstand hat, was keine Selbstverständlichkeit ist. Dann müssen wir schon auch aufs Zeugnis schauen, wie er/sie in Mathematik und in den Naturwissenschaften ist, weil er/sie Berechnungen machen muss.

Im Zuge unseres Schnuppertags lernen sie die Basis des Berufsbilds sowie Bohren, Drehen und Fräsen kennen, dabei sehen wir die praktischen Fähigkeiten. Dafür gibt es bei uns keinen Einstellungstest. Wir sind mit unserem MitarbeiterInnen-Stand von derzeit 22 Leuten zufrieden und mussten auch niemanden aufgrund der Wirtschaftslage kündigen. Nächstes Jahr suchen wir dann wieder Personal.

„Als Unternehmerin ist es wichtig, selbst Ideen einzubringen und Haltung einzunehmen.” Karina Ruege

Was würden Sie ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen raten, die optimistisch in die Zukunft blicken möchten?

Für Technologien, die verschwinden, gibt es mindestens zwei Wirtschaftszweige, die dafür wieder auftauchen. Daher blicke ich optimistisch in die Zukunft und gebe diesen Optimismus auch weiter. Man muss auf beiden Seiten, also als ArbeitnehmerIn und als ArbeitgeberIn sehr flexibel und aktiv sein.

Nicht zu reagieren, sondern zu agieren ist als UnternehmerIn wichtig. Selbst Ideen einzubringen und auch Haltung einzunehmen, um erhobenen Hauptes aus der Krise zu gehen. In den letzten Jahren gab es besonders viele Stürme aufgrund von Corona, dem Ukraine- und Irankrieg usw., aber diese machen einen auch stärker. So geht es immer weiter und wenn eine Tür zugeht, gehen zwei neue auf.

Hat sich durch die Koralmbahn etwas am regionalen Jobmarkt verändert?

Dieses Jahrhundertprojekt bietet einen enormen Vorteil hinsichtlich der Fachkräfte-Suche. Die MitarbeiterInnen sind innerhalb von 20 Minuten von Graz in der Weststeiermark. Dadurch denken PendlerInnen jetzt auch in die andere Richtung, um Berufschancen zu ergreifen.

Von Klagenfurt nach Deutschlandsberg fährt man ebenso nur 38 Minuten, um am Arbeitsplatz zu sein. Daher besteht hier ein enormes Potenzial für den Bezirk und die Region. Dieser Wettbewerbsvorteil wird durch die Laßnitztal Entwicklungs GmbH noch befeuert, die Betriebsstätten entlang der Koralmbahn zur Verfügung stellt.

Kontakt:

 

Karina Rüge

Aichegg 155

8541 Bad Schwanberg

karina.ruege@jugendjob.at

www.jugendjob.at

Nora Edelsbacher
Nora Edelsbacher
Autorin | Steiermark
Ressorts: Hart | Herzlich, Schaffens | Kraft, Life | Style
edelsbacher@mut-magazin.at

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