Warum es italienische Unternehmerinnen in Kärnten (nicht mehr) schwer haben

Monica Cardinali-Vanicek gestaltet nicht nur Wohn- und Geschäftsräume, sondern auch Verbindungen zwischen Menschen. Die gebürtige Italienerin bringt mit ihrem Alpe-Adria-Netzwerk italienische Unternehmerinnen in Kärnten zusammen – und schafft so Räume für Mut, Austausch und Wachstum.

Wie lässt sich italienische Eleganz mit Kärntner Bodenständigkeit verbinden? Monica Cardinali-Vanicek zeigt es seit Jahren – als Unternehmerin, Innenraumgestalterin und Initiatorin eines lebendigen Alpe-Adria-Netzwerks für selbstständige Italienerinnen in Kärnten. Ihre Räume sind klar, funktional und dennoch voller Emotion – genau wie ihre Vision von einem grenzüberschreitenden Unternehmerinnentum. Im Interview spricht sie über gestalterischen Tiefgang, das Potenzial von Netzwerken und warum Kärnten von mehr weiblichem Unternehmertum nur profitieren kann.

M.U.T.: Auf Ihrer Homepage behaupten Sie: „Der Raum, in dem wir leben, hat Einfluss darauf, wie wir uns fühlen.“ Wie zeigt sich das in Ihrer Arbeit?

Monica Cardinali-Vanicek: Ich spüre die Menschen, aber genauso die Räumlichkeiten. Ich habe eine sehr ausgeprägte Raumwahrnehmung, die dazu dient, dass ich Störfaktoren registriere. In gewissen Räumen verspüre ich den Drang, aufzuräumen. Das kommt auch schon mal in einer Urlaubsunterkunft vor, wenn ich dort die Möbel verrücke (lacht). Ich glaube sehr an Ordnung, weil sie uns Freiraum zum Denken gibt, uns zu entfalten und uns zu bewegen. So kann wieder Neues entstehen!

Inwiefern schwingt da Ihr italienisches Gespür mit?

Ja, ich bin Italienerin und ich komme aus einer Region, wo die Geselligkeit und der Genuss sehr ausgeprägt sind. Wir Italiener brauchen Räume, wo das möglich ist. Und wenn alles unordentlich ist oder alles in der Mitte eines Raumes steht, hat man nicht den Platz, wo man sich frei bewegen kann. Deshalb ist eines meiner Lieblingsdesignstücke dieser unsichtbare Schrank, der alles verschwinden lässt. Auch wenn drinnen Chaos herrscht, sieht man es nicht. Ich sage nicht, dass Chaos nicht entstehen darf. Im Gegenteil, es bringt Lebendigkeit ins große Ganze.

„Unser Leben besteht aus ständigem Suchen“, weiß Cardinali.

Wie bringen Sie Ordnung in das Chaos?

Die Frau mit schulterlangen Haaren strahlt in die Kamera. Sie trägt eine gemusterte Bluse und ein Business-Sakko.
Monica Cardinali-Vanicek ist Italiens Alpen-Adria Botschafterin. Foto: marygoodfoto

Für jeden Gegenstand braucht es einen Platz. Das ist wichtig, weil sonst suchen wir andauernd. Unser Leben besteht nämlich aus ständigem Suchen. Funktionalität dient dazu, dass wir diese Hindernisse nicht jeden Tag erleben. Wir ärgern uns jedes Mal, dass wir den Schlüssel finden müssen oder die Schuhe liegen überall herum und man stolpert drüber. Mein Konzept ist es, viel Staufläche zu schaffen und die Dinge unsichtbar zu machen. Mein Job ist es, das Leben meiner Kunden zu erleichtern. Dabei geht es immer um die persönlichen Abläufe. Und je cleaner, schlichter und minimalistischer der Stil, desto mehr kann man sich dann selbst entfalten. Da ich aus Italien stamme, setzen die Menschen meinen Sinn für Ästhetik quasi voraus.

Worauf legen Sie bei Ihren KundInnen Wert?

Ich habe das Glück, mit Kunden zu tun zu haben, die auf der gleichen Ebene sind. Ich ziehe sie an. Das Interesse für Räume spiegelt sich, es sind Personen mit einem Gespür und dann diskutieren wir manchmal über meine Lösungen (lacht). Denn im Unterschied zu meinen Kunden sehe ich den Raum schon fertig, während sie noch reden. Was ich anbiete, ist der Überblick. Dafür ist wichtig, dass ich bei der ersten Begegnung weder Pläne noch Fotos sehen möchte. Ich will nur hören.

Reden wir über den Weg aus zweierlei Hinsicht. Sie haben gesagt, dass sie die Projekte bereits fertig sehen. Hatten Sie diese Gabe schon früher gehabt, eventuell als Kind?

Ja.

Und warum haben Sie dann zunächst etwas ganz anderes gemacht?

Weil ich ein braves Kind war. Damals war das Schulsystem ein bisschen anders und auch die Branche eine männliche Domäne. Mein Vater ist Bauunternehmer und damals hat er gewusst, wie es auf den Baustellen zugeht und hat es mir einfach verboten. Also habe ich meinen zweiten Weg der Sprachwissenschaften eingeschlagen und meinen Traum erst später wieder aus der Schublade geholt. Die vielen Reisen und mein vorheriger Beruf nutzen mir auch sehr für mein jetziges Wirken.

„Ich bin zwar Italienerin, aber am Papier Migrantin“, so Cardinali über den italienischen Charme, der der österreichischen Bürokratie gegenübersteht.

Und dennoch bleibt Zeit für eine weitere Vision?

Nach einer gewissen Zeit suchte ich wieder eine neue Herausforderung. Von Frau in der Wirtschaft wurde ich gefragt, das Alpen Adria Frauennetzwerk aufzubauen. Gemeinsam mit Irena Novinsek, die Ansprechpartnerin für die slowenischen Unternehmerinnen ist. Da ich schon in meinem vorherigen Beruf immer mit Interkulturalität sehr viel zu tun hatte, habe ich sofort zugesagt. Mit meinem italienischen Pass bin ich de facto Migrantin. Ich habe gewusst, wie sich das oft anfühlt. Ich weiß, was das bedeutet, in einem fremden Land zu sein. Und es gibt in Kärnten 120 italienische Unternehmerinnen. Diese möchte ich mit meiner Tätigkeit erreichen.

Vier Vertreterinnen des Alpen Adria Frauennetzwerks
Gemeinsam mit Irena Novinsek (2. v.l.) vertritt Cardinali das Alpen Adria Frauennetzwerk. Am Foto mit WK-Vizepräsidentin Astrid Legner und Frau in der Wirtschaft-Landesgeschäftsführerin Tanja Telesklav. Foto: marygoodfoto

Worin liegt der Unterschied zur italienischen Wirtschaft?

Wir Italiener sind nicht gewohnt, dass die Wirtschaftskammer so ein Service für Frauen anbietet. Das ist einer der Gründe, warum ich mich als Botschafterin einsetze. Es wird so viel angeboten, aber die sprachliche Barriere wird oft übersehen. Ich möchte mit diesen Kärntner Unternehmerinnen mit italienischen Wurzeln Kontakt aufnehmen, mir ihre Geschichten erzählen lassen, die kulturellen Grenzen abbauen. Bei der vorherrschenden patriarchalischen Denkweise, die wir Italienerinnen aus Italien mitgenommen haben, braucht es viel Kopfarbeit. Solche Brücken kann man nur persönlich bauen, nicht wenn man danach googelt.

Kontakt:

Cardinali Interior Design

Monica Cardinali-Vanicek

office@cardinali.eu

0650 7006688

Paradeisergasse 9

9020 Klagenfurt am Wörthersee

Isabella Schöndorfer
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