In seiner Kolumne „Selbst & ständig“ schreibt unser Autor Ljubisa Buzic über das Leben als Ein-Personen-Unternehmen – mit persönlichen Erfahrungen, Aha-Momenten und einer Portion Selbstironie. Diesmal: Die Vorteile und Tücken des Dauerhomeoffice als Ein-Personen-Unternehmen.
Ich war nie ein großer Fan von Homeoffice. Zu Corona-Zeiten, als gefühlt alle Menschen mit Bildschirmjob das Arbeiten von zu Hause aus feierten, war ich der Typ, der davon träumte, wieder im Büro zu sitzen. Während es andere auskosteten, dass sie sich aus dem Bett an den Laptop rollen und ihre Arbeit in der Pyjamahose erledigen konnten, fragte ich mich, wann ich endlich wieder an einem echten Schreibtisch arbeiten würde.
Ich arbeite gerne in einem Team. Ich mag diese Mischung aus konzentrierter Stille und gemeinsamer Energie, wenn alle gleichzeitig in die Tastaturen tippen. Das kurze Gespräch zwischendurch, mit echten Menschen und Kaffee, der zugegeben nicht so gut schmeckt, wie der zuhause, aber irgendwie mehr Spaß macht, wenn man dabei mit Kollegen in der Küche zusammensteht. Und vor allem: wie unkompliziert es ist, Dinge zu klären, indem man einfach aufsteht und ins Nachbarzimmer geht.
Laptop und Jogginghose
Jetzt bin ich seit über einem Jahr selbstständig und arbeite fast ausschließlich im Homeoffice, inklusive aller Klischees wie etwa Jogginghose und ausgeleierten Schlapfen. Mit der Zeit sind mir aber ein paar Einsichten gekommen. Etwa dass ich trotz Heimarbeit nicht jeden Tag wie ein verschollener Langzeitstudent am Schreibtisch sitzen muss. Manchmal hilft es, sich so anzuziehen, als würde man ins Büro gehen. Was ebenfalls hilft: einen fixen Arbeitsbeginn zu haben, nicht nur einen ungefähren. Den Laptop (halbwegs pünktlich) um neun Uhr aufklappen. E-Mails bis zehn beantworten.
Ich habe mir meine Rituale gebaut: Morgens schaue ich die Früh-ZIB, bevor ich loslege. Vormittags rufe ich meine Frau in ihrer Redaktion an. Wir sind beide Journalisten und der Austausch mit jemandem, der das gleiche Umfeld kennt und versteht, worüber man redet, ersetzt immerhin einen Teil des Redaktionsalltags. LinkedIn ist deutlich interessanter geworden. Nicht nur wegen der erhofften Sichtbarkeit, sondern eben auch wegen dieser Verbindung zu Kolleginnen und Kollegen.
Natürlich hat das Arbeiten von zuhause aus auch seine Vorteile: Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen und auch mal nebenbei die Hausarbeit erledigen. In den Pausen räume ich den Geschirrspüler ein und überlege, ob ich kurz den Staubsauger anschalte, bevor ich weiterschreibe (ohne Staubsauger). Auf meinem Kolumnenfoto sieht man mich übrigens niemals an meinem Arbeitsplatz, sondern am schön aufgeräumten Esstisch. Das hat Gründe.
Wieder mal selbst verantwortlich
Was mir nach einer Weile überraschenderweise zu schaffen gemacht hat, war das Alleinsein. Dabei bin ich gar kein „Social Animal“. Ich verbringe gerne Zeit mit mir selbst. Aber eben nicht die ganze Zeit. Acht Stunden weniger Sozialkontakt klingen theoretisch angenehm, in der Realität merkt man schnell, dass Alleinsein und Einsamkeit zwei verschiedene Dinge sind. Und dass man sich um Letzteres aktiv kümmern muss.
Die Antwort ist, wie so oft als Selbstständiger, recht naheliegend: vernetzen. In Kärnten und der Steiermark gibt es mehr Formate für EPUs, als man auf den ersten Blick glaubt. Das regelmäßige EPU Safety Breakfast zum Beispiel, das in allen Bezirken stattfindet und Themen wie Steuern, KI oder Social Media aufgreift. Oder das Super Spezialtraining der Wirtschaftskammer Kärnten (großartiger Name übrigens), bei dem man Zugang zu Workshops zu Themen rund um Selbständigkeit bekommt.
Netzwerke statt Großraumbüro
Sehr empfehlen kann ich aus eigener Erfahrung das Mentoring des Wirtschaftsbunds Kärnten, über das ich hier bereits geschrieben habe. Weiterbildungen, Netzwerkabende, kleine Events. Dinge, die ich früher eher ignoriert hätte, sind heute gar nicht mehr so uninteressant.
Und dann wäre da noch das EPU Weihnachtstreffen der Jungen Wirtschaft Steiermark, das am 11. Dezember in Graz stattfindet. Auch das ein guter Anlass, den Laptop zuzuklappen und echte Menschen zu sehen. Es gibt also einiges für uns EPUs, wenn man die Augen offen hält. Selbstständigkeit bedeutet eben auch, dass man sich um all das selbst kümmern muss.
Also dann: Wir sehen uns!
