Gewusst? Kärnten ist Trendsetter in der Kreislaufwirtschaft

Während sich Europa mit der Transformation zu einer ressourcenschonenden Industrie beschäftigt, setzt Kärnten bereits jetzt konkrete Maßstäbe. Zwei neue Großinvestitionen internationaler Unternehmen im Bereich der Recyclingtechnologien unterstreichen, warum Kärnten nicht nur geografisch, sondern auch wirtschaftlich ein Hotspot der Kreislaufwirtschaft ist.

Zwei Modellprojekte als Leuchttürme nachhaltiger Industrie

In Ferndorf revitalisiert Knauf Insulation, ein Tochterunternehmen der deutschen Knauf-Gruppe, einen stillgelegten Fabrikteil und errichtet eine hochmoderne Recyclinganlage für mineralische Dämmstoffe. Ab Ende 2026 sollen dort jährlich rund 10.000 Tonnen Glas- und Steinwolle verarbeitet werden – Materialien, die ab 2027 in Österreich nicht mehr deponiert werden dürfen. Der Recyclingprozess ermöglicht eine Wiederverwertung als Schmelzgranulat in der Produktion und spart wertvolle Flächen und CO₂ ein. Es ist ein Modellprojekt mit Signalwirkung für die gesamte Bauwirtschaft.

Parallel dazu investiert die Steinbeis Holding über ihre Tochtergesellschaft PolyVert GmbH 38 Millionen Euro in eine Hightech-Recyclinganlage für Kunststoffe in Völkermarkt. Dort werden jährlich bis zu 50.000 Tonnen Kunststoffabfälle aus kurzlebigen Produkten wie Verpackungen verarbeitet. Dank KI-gestützter Sortierung erreicht das Unternehmen eine Recyclingquote von über 90 Prozent – ein Spitzenwert, der die technologische Exzellenz des Standorts unterstreicht.

Kärnten als Nährboden für Kreislaufwirtschaft

Diese beiden Projekte sind mehr als nur wirtschaftliche Einzelentscheidungen – sie sind Ausdruck eines strukturellen Wandels, den Kärnten aktiv fördert. Mit seiner strategischen Lage im Süden Österreichs, der Nähe zu wichtigen Märkten wie Italien, Deutschland und dem Westbalkan sowie seiner gut ausgebauten Infrastruktur bietet das Bundesland optimale Bedingungen für Unternehmen, die nachhaltige Geschäftsmodelle umsetzen wollen.

Ein ganz wichtiger Player in dieser Entwicklung ist das „Green Tech Valley“, mit Standorten in Kärnten und der Steiermark. Der Green Tech Valley Cluster wurde mit viel Pioniergeist im Jahr 2005 gegründet. Das elfköpfige Team rund um Geschäftsführer Bernhard Puttinger unterstützt seine Partner mit Branchen-Knowhow und zahlreichen Services. Mit rund 300 Green-Tech-Unternehmen und dem Cluster, der seit 2005 grüne Innovationen vorantreibt, hat sich hier ein fruchtbarer Boden für nachhaltiges Wirtschaften etabliert.

Diese Art der sektorübergreifenden Zusammenarbeit ist in Kärnten kein Einzelfall, sondern Teil der strategischen Standortentwicklung. Unternehmen profitieren dabei nicht nur von Fachkräften mit spezifischem Knowhow, sondern auch von einem politischen und wirtschaftlichen Umfeld, das nachhaltige Investitionen gezielt unterstützt.

Kunststoffrecycling als Spezialisierung mit Zukunft

Ein Blick auf den Raum Völkermarkt macht deutlich, wie weit Kärnten im Bereich Kunststoffrecycling bereits ist: Rund 60 Prozent aller österreichischen Kunststoffabfälle erhalten hier ein „zweites Leben“. Das mechanische Recycling wird künftig auch durch das Projekt „SynCycle“ ergänzt, das chemisches Recycling vorantreibt und somit auch schwer verwertbare Kunststofffraktionen in den Wertstoffkreislauf zurückführt.

Kärnten investiert in zukunftsorientierte Technologien

Bernhard Lamprecht vom Lakeside Park
Beim Technologiepark Lavanttal wird es in Richtung Nachhaltigkeit und Materialwirtschaft gehen. Neue Wert-Werkstoffe sollen das übergeordnete Thema werden. Bernhard Lamprecht, Geschäftsführer Technologiepark Lavanttal GmbH. Foto: Fritz-Press GmbH

Mit dem geplanten Technologiepark Lavanttal in St. Paul wird direkt an der Koralmbahn zwischen Klagenfurt und Graz ein Hub für grüne Innovationen und nachhaltige Technologien realisiert. Das Innovationsquartier verknüpft Forschung, Bildung und Unternehmen und bietet als interdisziplinärer Standort Raum für Testproduktionen, Prüfeinheiten und teilbare Infrastruktur, um innovative Konzepte praktisch umzusetzen und weiterzuentwickeln. Damit fördert das Wissens- und Innovationsquartier nachhaltige Ansätze, die ökologische Verantwortung mit wirtschaftlichem Erfolg verbinden. Dazu ergänzt Bernhard Lamprecht, Geschäftsführer Lakeside Science & Technology Park: „Die enge Vernetzung von Wissenschaft, Forschung und Industrie wird zum Markenzeichen der gesamten Region.“

Strom aus erneuerbaren Quellen ist ein weiterer Standortvorteil.

Ein weiteres entscheidendes Argument für die Ansiedlung von Unternehmen im Bereich der Green Economy ist Kärntens Energieprofil. Das Bundesland erzeugt bilanziell 100 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen. Dabei setzt Kärnten konsequent auf den weiteren Ausbau eines intelligenten Mix aus Wasserkraft, Photovoltaik, Windkraft und Biomasse, um regional unabhängig und krisensicher zu werden. Für energieintensive Prozesse im Recyclingbereich ist das ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil, der sowohl ökologische als auch ökonomische Relevanz hat.

Zukunftsperspektive: Kärnten als europäisches Modell für die Circular Economy

In einer Zeit, in der Ressourcenknappheit, Klimawandel und geopolitische Abhängigkeiten die Wirtschaft zunehmend unter Druck setzen, bietet Kärnten nicht nur Antworten, sondern konkrete Lösungen. Die Kombination aus wirtschaftlicher Weitsicht, ökologischer Verantwortung und technologischer Exzellenz macht den Standort zu einem Schlüsselakteur im europäischen Wandel zur Circular Economy.

Kärnten zeigt eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftskraft kein Widerspruch sind. Vielmehr entsteht hier eine neue Form des Wirtschaftens: intelligent, vernetzt und zukunftsfähig. Kreislaufwirtschaft ist in Kärnten nicht nur ein Ziel, sondern gelebte Realität. Ein Modell, das weit über die Landesgrenzen hinaus Strahlkraft entfalten kann.

Mario Schönherr
Mario Schönherr
Ehemaliger Autor | Kärnten
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