Frauensache: Eigenes Geld statt Abhängigkeit

Sarah Hofbauer aus Stainach-Pürgg wurde kürzlich von der Wirtschaftskammer Steiermark zur „Unternehmerin des Jahres“ gewählt. Sie zeigt, dass Geldbildung kein trockenes Thema ist, sondern ein Schlüssel zu Selbstbestimmung und Gestaltungskraft – besonders für Frauen. Als „Beste Gestalterin“ steht sie für Verantwortung, Leidenschaft und den Mut, Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

M.U.T.: Frau Hofbauer, Ihr beruflicher Werdegang ist beeindruckend vielfältig – von der Buchhalterin zur Journalistin bis hin zur Finanzexpertin. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Sarah Hofbauer: Ich war lange im Angestelltenverhältnis, aber schon immer ein freiheitsliebender Mensch mit vielen Ideen, der gerne nach Leistung und nicht nach Arbeitszeit bezahlt wird. Nach der Matura in der HAK Liezen arbeitete ich als Buchhalterin und Bilanzbuchhalterin und sammelte wertvolle Erfahrung in einer Steuerberatungskanzlei. In meiner ersten Elternkarenz entdeckte ich die Leidenschaft für das Schreiben und absolvierte eine Journalistenausbildung. Elf Jahre lang war ich haupt- und nebenberuflich als Journalistin tätig.

Mit der Geburt meines vierten Kindes wollte ich meine eigenen Ideen verwirklichen. Ich gründete gemeinsam mit Peter Frey und Tristan Bacher die Ballschule Liezen und später die Ballschule Graz – ursprünglich, weil ich etwas Sinnvolles für meine Kinder schaffen wollte. Heute betreuen wir mit 14 Trainern 16 Schulen und Kindergärten und bieten an acht Standorten Nachmittagskurse und auch Sommercamps an. Parallel dazu arbeitete ich im Direktvertrieb und fand dort den Weg in die Selbstständigkeit. Ich habe schnell gemerkt, dass ich als Unternehmerin mehr verdiene als im Angestelltenverhältnis. Der Blick auf das Pensionskonto veränderte dann alles.

Sie sprechen vom Pensionskonto als Wendepunkt – was ist damals in Ihnen vorgegangen?

Nach 14 Jahren Teilzeitarbeit und trotz unermüdlichen Einsatzes sah meine Pensionsprognose nicht gut aus. Ich brauchte eine Strategie, damit ich auch im Ruhestand noch finanziell unabhängig bin. Also begann ich, mich intensiv mit Veranlagung und Vorsorge zu beschäftigen. Ich habe mir ein halbes Jahr lang Zeit genommen, bin von Bank zu Bank, von Versicherung zu Versicherung, gegangen und habe für mich nach Veranlagungsstrategien gesucht. Vor allem meine Ausbildung als Buchhalterin und Bilanzbuchhalterin hat mir in dieser Phase sehr geholfen, weil ich Zahlen und Zusammenhänge schnell verstehen konnte. Zusätzlich habe ich mich als Versicherungsagentin und als Beraterin für betriebliche Altersvorsorge ausbilden lassen, um mein Wissen zu vertiefen und anderen Menschen fundierte Unterstützung bieten zu können.

In Gesprächen mit vielen Menschen erkannte ich, dass es sehr vielen gleich geht wie mir, sie auf der Suche nach Möglichkeiten sind, jedoch keine Ahnung davon haben, wie Geld funktioniert. Es fehlt nicht am Interesse, sondern oft an Zeit, Energie und an verständlicher Aufklärung. Das wollte ich ändern.

Frauen sind hier leider oft doppelt benachteiligt: durch Teilzeitarbeit und unbezahlte Arbeit daheim. Früher wurden die besten 15 Jahre zur Berechnung der Pensionshöhe herangezogen, heute zählt der Durchschnitt vom ersten bis zum letzten Arbeitstag. Das bedeutet: Die Pensionslücke ist groß. Frauen bekommen in Österreich durchschnittlich eine Pension um die 1.400 Euro brutto. Viele teilzeitarbeitende Frauen liegen da sogar noch deutlich darunter. Die Armutsgrenze liegt bei 1.661 Euro. Das ist alarmierend. Deshalb ist es mir wichtig, Bewusstsein zu schaffen – etwa durch Vorträge und Workshops.

Wie genau unterstützen Sie Menschen und Unternehmen dabei, ihre finanzielle Zukunft aktiv zu gestalten?

Als Expertin für private und betriebliche Veranlagung ist es mein Ziel, Menschen Wissen und Werkzeuge in die Hand zu geben, damit sie ihre finanzielle Zukunft aktiv gestalten können. Ich betrachte das Thema ganzheitlich. Natürlich empfehle ich auch Produkte für eine kurz-, mittel- und langfristige Geldanlage, aber ich sehe mich in erster Linie als Coach und Begleiterin. Ich lege das Geld nicht für meine Kunden an. Ich vermittle das Wissen, zeige Strategien, helfe beim Vergleichen verschiedener Produkte und ermutige dazu, Gegenangebote einzuholen.

Nur wer versteht, was mit seinem Geld passiert, kann langfristig gute Entscheidungen treffen. Besonders wichtig ist es mir, auch Unternehmer zu sensibilisieren. Es gibt geniale Möglichkeiten, wie sie ihre Liquidität steigern, ihre eigene Vorsorge und die ihrer Mitarbeiter über die Firma aufbauen und dabei auch noch Steuern sowie Abgaben optimieren können. Mir geht es in erster Linie um Aufklärung und um ein Bewusstsein für finanzielle Verantwortung zu schaffen.

Sie sind leidenschaftliche Triathletin und Bergsportlerin. Was bedeutet Ihnen der Sport – und gibt es Parallelen zu Ihrer Arbeit?

Absolut. Ich habe mit Klettern und Bergsport begonnen und 2010 meinen ersten Ironman absolviert. Sport ist für mich der perfekte Ausgleich – er macht den Kopf frei und stärkt den Willen. Und ja, es gibt viele Parallelen zur finanziellen Disziplin: Im Sport wie beim Sparen braucht man Durchhaltevermögen. Wer ein sportliches Ziel erreichen will, muss trainieren, dranbleiben, Rückschläge aushalten. Beim langfristigen Kapitalaufbau ist das genauso. Nur wer plant und durchhält, kann den Zinseszins für sich nutzen und sein Kapital vermehren. Wer nichts macht oder zu früh aufgibt, verliert. Erfolg entsteht aus realistischen Zielen und konsequentem Dranbleiben.

Was möchten Sie in den nächsten Jahren gestalten oder verändern?

Ich möchte noch mehr Bewusstsein schaffen – vor allem in Unternehmen und Schulen. Mein nächster Schritt wird sein, Schulen zu kontaktieren und Workshops in Bildungseinrichtungen anzubieten. Grundlegende Informationen, was Geld betrifft, werden leider nicht gelehrt. Welche Steuern fallen an? Wie spare ich kurz-, mittel- und langfristig? Denn Sparen ist nicht gleich Sparen. So vielen Jugendlichen fehlt das Gespür für Geld.

Sie sind Mutter von vier Kindern, Unternehmerin und Sportlerin – wie schaffen Sie es, all diese Lebensbereiche miteinander zu vereinbaren?

Einteilung und Disziplin sind für mich das A und O – und natürlich der Rückhalt meiner Familie. Mein Mann ist ebenfalls selbstständig und wir unterstützen uns gegenseitig. Wir haben einen Familienkalender, und wer zuerst einen Termin einträgt, hat Vorrang – der oder die andere bleibt bei den Kindern und ist für den Haushalt zuständig. Mir ist es wichtig, dass unsere Kinder am Nachmittag von uns selbst betreut und unterstützt werden.

Zum Abschluss: Ihre drei Buchtipps zum Thema Geld?

  • „Ein Hund namens Money“ von Bodo Schäfer – ideal für Kinder, aber auch für Erwachsene, die mit dem Thema beginnen wollen.
  • „Der reichste Mann von Babylon“ von George S. Clason
  • „Cashflow Quadrant“ von Robert T. Kiyosaki
Vier Frauen auf einer Bühne präsentieren die Unternehmerin des Jahres Sarah Hofbauer mit Trophäe.
Vize-Präsidentin der WK-Steiermark Gabriele Lechner, Celina Dohr, GF Frau in der Wirtschaft, Unternehmerin des Jahres Sarah Hofbauer und Manuela Khom, Landeshauptmann-Stv.. Foto: Klaus Morgenstern

Vorträge von Sarah Hofbauer:

  • 15. Dezember und 29. Jänner um 19 Uhr Online-Workshops “Reden wir übers Geld”, darüber welche Veranlagungsmöglichkeiten es gibt und welche Steuern/Kosten dabei anfallen, wie du den Zinseszinseffekt für dich nutzen kannst, warum Vorsorge so wichtig ist, wie unser Sozialsystem funktioniert und wie du Vermögen vermehren kannst. Anmeldung unter info@sarah-hofbauer.com (Anmeldelink wird zugesendet)
  • 22. Jänner in der WKO Liezen “Vermögensaufbau für Unternehmen – Potenziale ausschöpfen”. Vortrag mit den baV-Experten Sarah Hofbauer und Christian Schuster. Verschaffen Sie sich als Unternehmer Steuervorteile und planen Sie das Wachstum Ihres Privatvermögens. Hofbauer und Schuster zeigen, wo ungenützte Steuerpotenziale liegen, wie Sie sich und Ihr Unternehmen optimal absichern, wie Sie mit flexibler Kapitalbildung nachhaltig den Unternehmenserfolg steuern, wie Sie Mitarbeiter an Ihr Unternehmen binden und wie Sie die Liquidität Ihres Unternehmens stärken.

Tina Tritscher
Tina Tritscher
Autorin | Steiermark
Ressorts: Life | Style, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich
tritscher@mut-magazin.at

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