Fisch-Tools: Auf der Suche nach dem perfekten Loch

Fisch-Tools aus St. Josef gehört zu jenen Hidden Champions, deren Produkte Millionen Menschen verwenden, ohne den Hersteller zu kennen. Rund 2,6 Millionen Bohr- und Fräswerkzeuge verlassen jährlich das weststeirische Werk, fast die Hälfte davon sind Forstnerbohrer – ein spezieller Holzbohrer. Gerade in diesem scheinbar einfachen Werkzeug liegt die besondere Stärke des Familienunternehmens: Präzisionsfertigung, hohe Fertigungstiefe und jahrzehntelanges Prozesswissen machen Fisch in einer engen Nische zum weltweiten Technologieführer. Nun soll ausgerechnet der amerikanische Markt die nächste Wachstumsphase antreiben.

Ein Forstnerbohrer bohrt saubere, maßhaltige Löcher in Holz – auch am Rand oder schräg angesetzt. Was banal klingt, ist in der professionellen Anwendung eine Präzisionsaufgabe. Fisch-Tools produziert davon rund 1,2 Millionen Stück pro Jahr und sieht sich in diesem Segment weltweit führend.

Weltklasse aus St. Josef

Der Unterschied beginnt bereits beim Rohling. Fisch schmiedet seine Forstnerbohrer als nach eigener Darstellung einziger Hersteller. Das Material wird erhitzt, gestaucht und verdichtet, bevor Drehen, Fräsen, Schleifen und Schärfen folgen. Auch die Oberflächenbehandlung findet im eigenen Werk statt. Für den kaufmännischen Geschäftsführer Christoph Riegler liegt der Vorsprung aber nicht in einem einzelnen Verfahren, sondern im Zusammenspiel der gesamten Präzisionsfertigung.

Das Bürogebäude von Fisch-Tools
Das Bürogebäude von Fisch-Tools steht auch für den klaren Standortwillen des Unternehmens. Trotz internationaler Märkte und globaler Kunden sollen Entwicklung und Produktion auch künftig in St. Josef bleiben. Foto: Fisch-Tools

Beim patentierten Black Shark kommt eine spezielle Schneidengeometrie mit Wellenschliff hinzu. Sie reduziert die Reibung beim Bohren und damit die Temperatur. In Vergleichstests mit 25 Marken belegten laut Riegler vier Produkte aus dem Hause Eberhard die ersten vier Plätze – zwei unter der Marke Fisch, zwei als Private-Label-Produkte. Nach zehn Bohrungen in Hartholz lagen Fisch-Bohrer demnach bei rund 40 bis 45 Grad Celsius, während manche asiatischen Produkte 90 Grad und mehr erreichten.

In eine dritte Fertigungslinie für Forstnerbohrer wurden vor zwei Jahren nochmals knapp 1,5 Millionen Euro investiert.

Vom Dorfschmied zum Hightech-Spezialisten

Die Geschichte beginnt 1946. Der gelernte Schmied Johann Eberhard machte sich nach dem Krieg selbstständig und griff für die Produktion von Holzbohrern das historische Fisch-Symbol wieder auf. 1947 wurde die Marke geschützt, 1960 gingen die ersten Werkzeuge nach Deutschland. Aus der kleinen Schmiede entstand über Jahrzehnte eine hochautomatisierte Bohrerfabrik. 1999 bezog das Unternehmen den heutigen Standort in St. Josef.

Die Familie führt den Betrieb inzwischen in dritter Generation. Was geblieben ist, ist die Konzentration auf ein scheinbar simples Produkt – und die Überzeugung, dass sich industrielle Wettbewerbsfähigkeit über Präzision und Spezialisierung verteidigen lässt.

Auch der Schweizer Skiverband setzt auf die weltbekannten Eisbohrer von Fisch-Tools.
Auch der Schweizer Skiverband setzt auf die weltbekannten Eisbohrer von Fisch-Tools. Foto: Fisch-Tools

Wenn Fisch drin ist

Der Hidden Champion bleibt für Endkunden oft tatsächlich verborgen. Rund 55 Prozent des Geschäfts entfallen auf OEM- und Private-Label-Produkte. Ein prominentes Beispiel findet sich in den USA. Dort verkauft eine Bosch-Tochter die Forstnerbohrer aus St. Josef. Auf der Vorderseite steht eine internationale Marke, auf der Rückseite „Made in Austria“.

Genau dieses Geschäft macht Fisch weniger abhängig von der Bekanntheit der eigenen Marke. Gleichzeitig bleibt die Eigenmarke technologischer Innovationstreiber. Der Export ist das Fundament des Unternehmens. Riegler nennt aktuell 48 Märkte. Deutschland ist der wichtigste europäische Exportmarkt, die USA folgen bereits unmittelbar dahinter. Rund 28 Prozent des Gruppenumsatzes werden inzwischen in den Vereinigten Staaten erzielt. Dazu kommen Frankreich, Kanada und zunehmend Australien sowie langjährige Kundenbeziehungen nach Japan.

In der Entwicklungsabteilung von FISCH-Tools entstehen Werkzeuge oft Jahre vor der Markteinführung neuer Maschinen. Gemeinsam mit Forschungspartnern arbeitet das Unternehmen zudem an neuen Werkstoffen wie Vollkeramik – als Antwort auf stark gestiegene Hartmetallpreise
In der Entwicklungsabteilung von Fisch-Tools entstehen Werkzeuge oft Jahre vor der Markteinführung neuer Maschinen. Gemeinsam mit Forschungspartnern arbeitet das Unternehmen zudem an neuen Werkstoffen wie Vollkeramik – als Antwort auf stark gestiegene Hartmetallpreise. Foto: Fisch-Tools

Amerika sucht Alternativen zu China

Bemerkenswert ist, dass das US-Geschäft gerade jetzt wächst. Die neuen amerikanischen Einfuhrzölle hätten zwar zunächst für große Unsicherheit gesorgt, sagt Riegler. Die derzeitigen 15 Prozent würden jedoch im Markt an die Endkunden weitergegeben. Einen Einbruch habe es nicht gegeben – im Gegenteil, die Absatzzahlen seien in den vergangenen beiden Jahren gestiegen.

Noch wichtiger ist eine zweite Entwicklung. Amerikanische Maschinen- und Werkzeugunternehmen versuchen ihre Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten zu reduzieren. Weil es in den USA selbst nur eine begrenzte Fertigungsbasis für hochwertige Holzbearbeitungswerkzeuge gibt, rückt Europa wieder stärker in den Blick.

Davon profitiert Fisch beim nächsten Kernprodukt: dem Schlangenbohrer für tiefe Bohrungen etwa durch Balken und Sparren. Drei größere US-Projekte sind laut Riegler in Vorbereitung. Eines davon sei bereits beinahe unterschriftsreif. Für die kommenden drei bis vier Jahre erwartet Fisch allein in diesem Bereich ein zusätzliches Umsatzpotenzial von zwei bis drei Millionen Euro.

Innovation aus Materialnot

Innovation entsteht dabei nicht nur aus Kundenwünschen. Fünf MitarbeiterInnen arbeiten derzeit in der Entwicklung. Fisch wird von Maschinenherstellern teilweise Jahre vor der Markteinführung neuer Maschinen in die Werkzeugentwicklung eingebunden.

Gleichzeitig zwingen explodierende Rohstoffpreise das Unternehmen zu neuen Lösungen. Besonders stark verteuert hat sich Hartmetall. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut und der TU Graz entwickelte Fisch deshalb Fräser, die vollständig aus Keramik bestehen. Ein amerikanischer Maschinenhersteller setzt bereits mehrere dieser Werkzeuge ein. Aus einem Kostenproblem könnte so ein neuer Technologievorsprung entstehen.

Von Post-Corona-Depression zurück auf Wachstumskurs

Dass selbst ein Hidden Champion nicht automatisch auf einer geraden Wachstumslinie unterwegs ist, zeigte das Jahr 2024. Nach dem außergewöhnlichen Nachfrageboom während und unmittelbar nach der Corona-Pandemie kühlten sich die Märkte deutlich ab, Bestellungen wurden zurückhaltender und der wirtschaftliche Druck nahm zu. Fisch-Tools reagierte darauf nicht mit einem bloßen Sparprogramm, sondern nutzte die Phase für eine Neuorganisation und stellte interne Abläufe und Strukturen neu auf. Bereits 2025 zeigte sich, dass dieser Kurs Wirkung entfaltet: Das Unternehmen schaffte den Turnaround, erreichte seine Planzahlen und erfüllte auch die gesteckten Gewinnziele. Damit war die Talsohle nicht nur durchschritten, sondern zugleich eine neue Basis für weiteres Wachstum gelegt. Auch 2026 entwickelt sich nach Unternehmensangaben positiv. Die Richtung stimmt wieder und Fisch-Tools blickt mit deutlich mehr Rückenwind nach vorne.

Der Standort bleibt

In der schwierigen Phase wurden auch die Investitionen stark zurückgefahren. Doch nun wird wieder investiert; und zwar vor allem in Fertigungsanlagen für Schlangenbohrer. Wenn die neuen Projekte tatsächlich das erwartete Wachstum bringen, könnte auch das Werk in St. Josef erweitert werden. Die dafür notwendigen Grundstücke sind, so Riegler, gesichert.

Über die Verlagerungen von Standorten wurde in der Vergangenheit tatsächlich diskutiert. Doch die Eigentümerfamilie hat sich klar für St. Josef entschieden. Für Riegler ist das nicht nur eine emotionale Standortentscheidung. Schmieden, Drehen, Fräsen, Schleifen, Schärfen und Oberflächenbehandlung liegen eng beieinander. Das Know-how steckt damit nicht nur in Patenten oder Maschinen, sondern auch in Prozessen und MitarbeiterInnen.

Das Führungsduo von FISCH-Tools: Die Geschäftsführer Christoph Riegler und Andreas Eberhard setzen auf Präzision, Spezialisierung und internationale Märkte.
Das Führungsduo von Fisch-Tools: Die Geschäftsführer Christoph Riegler und Andreas Eberhard setzen auf Präzision, Spezialisierung und internationale Märkte. Foto: Fischtools

Genau darin liegt das Erfolgsprinzip von Fisch-Tools. Der Hidden Champion versucht nicht, jedes Werkzeug für jeden Markt herzustellen. Seit 2016 konzentriert sich das Unternehmen auf vier Kernsortimente: Forstnerbohrer, Schlangenbohrer, Spiralbohrer und Versenkwerkzeuge. In diesen Nischen will man technologisch besser sein als wesentlich größere Konkurrenten.

Der blaue Eisbohrer, mit dem Fisch zahlreiche nationale Skiverbände ausstattet, bleibt dabei ein auffälliger Markenbotschafter. Wirtschaftlich und technologisch schlägt das Herz des Unternehmens aber woanders: bei Millionen unscheinbarer Präzisionswerkzeuge aus St. Josef. Und bei der Fähigkeit, ein vermeintlich simples Loch ein kleines bisschen schneller, sauberer und langlebiger zu bohren als der Rest der Welt.

GF Christoph Riegler: „Eines ist klar! Wir bleiben in St. Josef.“

M.U.T.: Herr Riegler, worin liegt beim Forstnerbohrer der eigentliche Vorsprung von Fisch-Tools?

Christoph Riegler: Wir sind bei Forstnerbohrern weltweit führend. Das Schmieden ist dabei ein wichtiger Teil. Dadurch wird das Material verdichtet und bekommt eine hohe Festigkeit. Danach kommt aber die gesamte Präzisionsbearbeitung durch Drehen, Fräsen, Schleifen und Schärfen. Dazu kommen unsere patentierten Geometrien. Entscheidend ist letztlich das Zusammenspiel. Die Genauigkeit und Präzision, die wir erreichen, haben asiatische Hersteller in unserem Qualitätssegment bis heute nicht erreicht.

 

Warum eröffnet gerade der US-Markt derzeit neue Chancen?

Viele amerikanische Unternehmen versuchen ihre Abhängigkeit von China zu reduzieren. Gleichzeitig gibt es in den USA selbst in unserem Bereich nur eine schwach ausgeprägte Werkzeugindustrie. Daher richtet sich der Blick wieder stärker nach Europa. Das sehen wir gerade bei den Schlangenbohrern sehr deutlich. Wir haben drei größere Projekte in Vorbereitung und erwarten daraus in den nächsten Jahren deutliche Zuwächse.

 

Bedeutet dieses Wachstum auch weitere Investitionen in St. Josef?

Davon gehen wir aus. Wir wollen vor allem in Fertigungsanlagen für Schlangenbohrer investieren. In den nächsten drei bis vier Jahren sehen wir dort ein zusätzliches Umsatzpotenzial von zwei bis drei Millionen Euro. Wenn sich das entsprechend entwickelt, ist auch eine Erweiterung des Standorts möglich. Die dafür notwendigen Grundstücke sind gesichert. Und eines ist klar: Wir bleiben in St. Josef.

Fisch-Tools in Zahlen und Fakten

Johann Eberhard Gesellschaft m.b.H. / Fisch-Tools

St. Josef, Weststeiermark

www.fisch-tools.com

Gründung
1946 durch Johann Eberhard

Eigentümer
Familienunternehmen, heute in dritter Generation

Geschäftsführung
Andreas Eberhard, technischer Geschäftsführer

Christoph Riegler, kaufmännischer Geschäftsführer

Tätigkeit
Entwicklung und Präzisionsfertigung von Bohr-, Fräs- und Senkwerkzeugen vor allem für Holz sowie Kunststoffe, Verbundwerkstoffe und Nichteisenmetalle

Gruppenumsatz zuletzt
rund 16,5 Mio. Euro laut Unternehmensangabe

MitarbeiterInnen
102 am Standort St. Josef
8 bei FAMMAB Eberhard France

Produktion
rund 2,6 Mio. Werkzeuge jährlich

Internationale Präsenz
Die wichtigsten Märkte sind Deutschland, die USA, Frankreich, Kanada, Japan und zunehmend Australien. Daneben wird in 42 weitere Zielländer exportiert.

F&E
Fisch-Tools hat fünf MitarbeiterInnen in der Entwicklungsabteilung; Es gibt Kooperationen mit anderen Maschinenherstellern, mit dem Fraunhofer-Institut und der TU Graz

Kernsortimente
Forstnerbohrer, Schlangenbohrer, Spiralbohrer und Versenkwerkzeuge, Eisbohrer

Technologisches Leitprodukt
Black Shark Pro Forstnerbohrer mit spezieller Schneidengeometrie und Wellenschliff

Aktuelles Wachstumsfeld
Schlangenbohrer; geplantes zusätzliches Umsatzpotenzial von zwei bis drei Mio. Euro innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre

Aktuelle Innovation
Fräswerkzeuge aus Keramik als Alternative zu stark verteuertem Vollhartmetall

Investitionen
knapp 1,5 Mio. Euro für eine dritte Forstnerbohrer-Fertigungslinie; 2026 steigende Investitionen, insbesondere in die Schlangenbohrer-Fertigung

Johannes Tandl
Johannes Tandl
Autor | Steiermark
Ressorts: Wirtschaft | Politik, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich

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