Tradition trifft Hightech: Die Tischlerei Schwab-Walcher in Schladming zeigt eindrucksvoll, wie ein Familienbetrieb mit über 135-jähriger Geschichte den Sprung in die Zukunft meistert. Und dass es dem Unternehmen gelang, gleich zweimal denselben Preis zu gewinnen, ist einzigartig in diesem Handwerk.
Wer heute durch das moderne Möbelhaus oder die hochdigitalisierte Werkstätte der Tischlerei Schwab-Walcher in Schladming geht, spürt sofort, dass hier Tradition und Zukunft kein Gegensatz sind. Das Familienunternehmen, das seit 1890 besteht, gehört zu den ältesten Handwerksbetrieben der Region. Auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentiert Schwab-Walcher individuelle Möbel für alle Wohnbereiche, gefertigt mit modernster Technik, aber mit dem unverkennbaren Gefühl für Holz, das seit Generationen weitergegeben wird.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück ins 19. Jahrhundert: 1890 gründete Johann Walcher, Hummersohn aus dem Seewigtal, die Tischlerei im sogenannten Kreitseilerhäusl in der Schladminger Maistatt. Bereits 1910 bewies die Familie visionären Unternehmergeist, als sie ein eigenes elektrisches Kraftwerk an der Enns errichtete – damals ein Meilenstein für den Maschinenantrieb. Nach dem Bau eines Möbelhauses in den 1950er-Jahren, dem Neubau 1965 und der großen Handwerksstätte 1970, wurde das Unternehmen kontinuierlich erweitert: neue Lackieranlage, zusätzliche Hallen, modernisierte Produktionsabläufe und schließlich 2017 die umfassende Digitalisierung der Fertigung.
Heute wird Schwab-Walcher in vierter Generation von Josef Walcher und Martin Fererberger geführt. Josef Walchers Wunsch war es immer schon, den Familienbetrieb weiter zu führen. Mit ihm in der Geschäftsführung steht Martin Fererberger, selbst erfolgreicher Tischlermeister und Gewinner des Meisterstücks des Jahres vor neun Jahren. Dass derselbe Betrieb 2024 erneut den österreichweit renommierten Lignorama-Award holte – diesmal durch den 25-jährigen Robert Vrhovac – gibt es in Österreich kein zweites Mal.
Handwerk auf 600 Quadratmetern Fertigung
In der Werkstätte in der Salzburgerstraße ist sichtbar, was das Unternehmen auszeichnet: handwerkliche Perfektion gepaart mit Hightech. Schon 2009 investierte Schwab-Walcher in die erste CNC-Fräse im Ennstal – ein damals revolutionärer Schritt. Heute arbeiten speziell geschulte Planer jede einzelne Komponente digital aus, bevor das Werkstück an die Maschinen übergeben wird. Der Tischler baut anschließend präzise zusammen, was am Computer bis ins letzte Detail vorbereitet wurde.
„Früher hat ein Mann alles gemacht – von der Planung bis zur Fertigung“, erzählt Josef Walcher. „Heute wird jedes Brett digital gezeichnet, an die Maschine geschickt und anschließend handwerklich zum Endprodukt zusammengefügt.“ Gleichzeitig seien die Sicherheitsstandards enorm gestiegen. Verletzungen, früher fast alltäglich, sind heute selten geworden.
Fotos: Christoph Huber
Zwei Standorte, 46 Mitarbeiter
Das Unternehmen beschäftigt derzeit 46 Mitarbeiter – mit einem bemerkenswert jungen Altersdurchschnitt von unter 28 Jahren. Rund zehn davon sind Lehrlinge: Tischler, Tischlereitechniker und Bürokaufmann/frau. Der Nachwuchs kommt – wie im Fall von Robert Vrhovac – nicht selten durch Schnuppertage in den Betrieb und bleibt anschließend oft viele Jahre.
Auch die nächste Generation steht bereits bereit: Philipp Schwab, der Sohn von August Schwab, dazumal Geschäftsführer, hat in Wien Architektur studiert und verstärkt nun die Planungsabteilung im Möbelhaus. „Ich liebe es, einen Beruf zu haben, bei dem man das Ergebnis vor Augen hat“, sagt er. „Der Prozess ist manchmal stressig, aber am Ende steht etwas, das bleibt.“ Trotz der tiefen Verwurzelung in der Region sei man offen für Neues: „Wir sind ein traditioneller Betrieb, aber wir denken modern. Und wir scheuen keine Veränderungen.“
Regionale Stärke und große Projekte
Rund 90 Prozent aller Aufträge kommen aus einem Umkreis von nur zehn Kilometern – ein Zeichen für die enorme Kundentreue. Gleichzeitig realisiert die Tischlerei auch herausragende Großprojekte: Eines der prominentesten Beispiele ist die Bergstation am Dachstein mit dem Gletscherrestaurant, ein Prestigeprojekt mit 4000 Arbeitsstunden, an dem acht Mitarbeiter von Jänner bis April 2024 gearbeitet haben.
Die Tischlerei verarbeitet vor allem Eiche, Fichte und Altholz, ergänzt durch Stein, Glas, Moos, Stoffe, Metall und moderne Designmaterialien. Das Material stammt überwiegend aus dem Salzburger Raum – kurze Wege, regionale Wertschöpfung und Nachhaltigkeit sind zentrale Werte.

Zwei beste Jungtischlermeister Österreich
Ein zentrales Element der Betriebsphilosophie ist die gezielte Förderung des Nachwuchses. Sichtbar unter anderem an den Meisterstücken, also jenen Abschlussarbeiten, mit denen Tischlermeisterinnen und Tischler ihre Prüfung absolvieren.
Mit ihren Meisterstücken können Absolventen auch am österreichweiten Lignorama-Award teilnehmen, einer renommierten Auszeichnung des Holz- und Designmuseums Lignorama in Ried. Der Wettbewerb prämiert jedes Jahr die besten Meisterstücke Österreichs und ist aufgrund seines hohen fachlichen Anspruchs in der Branche besonders anerkannt.
Bei Schwab-Walcher finden sich gleich zwei Preisträger: Martin Fererberger, heutiger Geschäftsführer, gewann den Award vor neun Jahren mit einem Weinpräsentationsmöbel. 2024 setzte sich erneut ein Mitarbeiter des Betriebs durch: Robert Vrhovac erhielt die Auszeichnung für sein Herrenmöbel. Beide haben ihre Ausbildung an der Ortweinschule in Graz absolviert.

Trends, Herausforderungen und Zukunftsorientierung
Der Möbelmarkt ist schnelllebig. Trends wechseln rasch – von rustikal gebeizter Eiche über helle Fichte bis zu modernen Kombinationen aus natürlichen Materialien und dunklen Akzenten. Digitalisierung, steigende Anforderungen und Fachkräftemangel sind Herausforderungen, denen sich die Branche stellen muss. Doch Schwab-Walcher begegnet ihnen mit Mut zur Veränderung, gezielter Ausbildung und einer klaren strategischen Ausrichtung.
„Alles, was wir vor zehn Jahren in Mailand gesehen haben, kommt jetzt bei uns an“, sagt Josef mit einem Schmunzeln. Und Schwab-Walcher ist bereit – mit Know-how, Innovationskraft und einer tiefen Leidenschaft für den Werkstoff Holz.



