Eine Idee hebt ab: Kärntner Unternehmen zeigt, was Drohnen wirklich können

Mit SkyService bringt Michael Liechtenecker Drohnentechnologie dorthin, wo sie echten Mehrwert schafft – von der PV-Inspektion bis zur Agrarfliegerei.

Was können wir eigentlich noch? Diese Frage stand am Anfang – nicht ein Businessplan. Bei Michael Liechtenecker und seinem Bruder fiel die Antwort überraschend leicht. „Wir beide haben in unserer Jugend praktisch für den Modellbau und die Modellfliegerei gelebt. Ich habe mittlerweile selbst einen Flugschein und bin privat sowohl mit Segel- als auch mit Motorflugzeugen unterwegs“, erinnert sich der Friesacher. Mit der eigenen Softwarefirma hatten die Brüder längst unternehmerische Erfahrung gesammelt – doch als sich abzeichnete, dass ihr angestammtes Geschäft ein zweites Standbein brauchte, wurde der Blick nach oben gerichtet.

„Wir haben nach etwas gesucht, mit dem wir uns diversifizieren können – etwas, das uns beiden wirklich Spaß macht“, erzählt der 24-jährige Unternehmer. Im Ausland hatten die Brüder gesehen, wie Drohnen längst industriell im Einsatz waren – etwa bei der Reinigung von Glasfassaden. „Im Ausland haben wir gesehen, wie Drohnen etwa für die Reinigung von Glasfassaden eingesetzt werden, und wussten sofort: Das passt zu uns“, so Liechtenecker. Der Funke sprang über. SkyService war geboren – aus einer Mischung von Software-Know-how, Modellbau-Leidenschaft und fliegerischer Praxis.

Eine Drohne macht noch keine Lösung

Der Weg dorthin führte allerdings nicht über spektakuläre Luftaufnahmen. Denn genau darin sahen die beiden wenig Zukunftspotenzial – Fotos und Videos aus der Luft lassen sich mittlerweile auch mit vergleichsweise günstigen Consumer-Drohnen erstellen. Interessant wurde es dort, wo Drohnen mehr leisten müssen als nur zu fliegen: bei schweren Geräten, spezialisierten Sensoren, genehmigungspflichtigen Flügen und industriellen Anwendungen. Der erste konkrete Anwendungsfall war die Inspektion von Photovoltaikanlagen. Heute reicht das Portfolio deutlich weiter: PV- und Fassadenreinigung, Thermografie, PV-Enteisung und Anwendungen in der Landwirtschaft. Bei der Fassadenreinigung etwa übernimmt die Drohne Arbeiten, für die bisher Industriekletterer oder Hebebühnen nötig waren – schneller und sicherer. In der Landwirtschaft wiederum lassen sich Flächen bearbeiten, ohne dass schwere Maschinen den Boden verdichten.

Zwischen Himmel und Software

Der eigentliche Hebel liegt an der Schnittstelle zwischen Hardware und Software – und genau dort sehen die Brüder ihre Stärke. „Wir entwickeln Systeme, die unsere Auswertungen automatisieren“, erklären die Unternehmer. Daten werden schneller verarbeitet, Ergebnisse schneller geliefert. Aus einem Flug wird so mehr als ein hübsches Bild – es entstehen Informationen, mit denen sich tatsächlich etwas anfangen lässt. Auch die eigene Biografie spielt mit rein. Nach der Matura ging Michael Liechtenecker als Berufssoldat zum Jägerbataillon 25 – parallel brachte er sich das Programmieren bei. Später der Sprung in die Selbstständigkeit mit seinem Bruder. Heute fliegt er privat Segel- und Motorflugzeuge – Erfahrung, die direkt in den Drohnenbetrieb einfließt. „Vieles aus der Luftfahrt – Verfahren, Denkweise und Sicherheitsbewusstsein – lässt sich gut auf den professionellen Drohnenbetrieb übertragen“, sagt er. Diese Mischung aus Technik, Software und fliegerischer Praxis macht SkyService zu mehr als einem gewöhnlichen Drohnenbetrieb.

Eine Multikopter-Drohne mit langer Sprühlanze versprüht bei klarem Himmel einen Wasserstrahl auf einen Isolator, der an einer hölzernen Testkonstruktion mit Metallstützen montiert ist. Im Hintergrund ein Wald, am Boden ein rotes Versorgungskabel.
Testflug in der Praxis: Jede Einsatzmöglichkeit wird von SkyService auf Herz und Nieren geprüft. Foto: SkyService

Wege suchen und finden

Innovation klingt oft nach großer Zukunftstechnologie. Bei den Liechteneckers beginnt sie viel bodenständiger – bei einem ganz gewöhnlichen Problem. „Innovation ist für uns nicht die neueste Technologie an sich, sondern der Perspektivenwechsel“, so Michael Liechtenecker. Wartung, Sicherheit, Zeitaufwand – alte Probleme. Die Frage ist nur: Lässt sich das jetzt smarter lösen? Leicht war der Weg dorthin nicht. Die größte Hürde: Die Regulatorik. Luftfahrt ist streng geregelt, industrielle Drohneneinsätze bringen zusätzliche Auflagen mit sich. Für neue Anwendungsfälle gibt es oft schlicht keinen fertigen Weg. „Man muss ihn sich erarbeiten.“

Wie aus einer Schnapsidee ein Unternehmen wurde

Genau hier zeigt sich, was Unternehmertum für die Brüder bedeutet: Mut, Ausdauer, Ausprobieren. Mut, um in ein komplexes, streng reguliertes Feld einzusteigen – ohne alle Antworten zu kennen. Ausdauer, um sich durch Genehmigungen und Zertifizierungen zu kämpfen. Und Ausprobieren, um einer Idee überhaupt die Chance zu geben, ein Geschäftsmodell zu werden. „Ohne diese Zutaten bleibt jede gute Idee nur eine Idee“, bringt es der Kärntner auf den Punkt. Wie viel in der Technologie steckt, zeigt ihr aktuelles Pilotprojekt mit der GRAWE Versicherung: Acht Photovoltaikanlagen wurden geprüft – nur eine einzige war völlig fehlerfrei. Für die Brüder ein klarer Beweis, was regelmäßige, drohnengestützte Kontrollen bringen: Defekte früh erkennen, Schäden dokumentieren, gezielt reagieren.

Die nächste Flughöhe

Bei einzelnen Dienstleistungen soll es nicht bleiben. Die Brüder wollen SkyService zum Innovationstreiber für professionelle Drohnenanwendungen in Kärnten und darüber hinaus machen. Weitere Einsatzfelder sind bereits in Planung – etwa die Agrarfliegerei. Gewachsen werden soll auf mehreren Beinen: als Dienstleister, im Handel und mit einem eigenen Kompetenzzentrum. Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte hinter SkyService: Nicht die Drohne hebt ab, sondern die Idee dahinter. Zwei Unternehmer nehmen mit, was sie schon können, verbinden es mit einer Technologie im Höhenflug – und suchen nicht den spektakulärsten Einsatz, sondern den, der wirklich ein Problem löst.

SkyService

Bahnhofstraße 20

9360 Friesach

www.skyservice.at

Fotocredit: SkyService

Manuela Mark
Manuela Mark
Autorin | Kärnten
Ressorts: Start |Up, Life | Style, Leben |Arbeiten
mark@mut-magazin.at

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