Das Unternehmertum scheint Familie Polic im Blut zu liegen. Claudia Polic hat nicht nur ihre Meisterschneiderei aufgebaut, sondern auch ihre eigene Familie für das Unternehmertum begeistert. Im Gespräch erzählt sie, warum alle Familienmitglieder selbstständig sind und wie der Austausch untereinander zum jeweiligen Erfolg beiträgt.
M.U.T.: Was ist das Besondere an Ihrer Meisterschneiderei?
Claudia Polic: Das Schöne am Unternehmertum ist die kindliche Freude, etwas Neues zu schaffen und sich an einem Produkt zu erfreuen sowie die Begeisterung der KundInnen zu spüren. Die Freude ist das Salz des Lebens und damit kann man alles meistern. Seit 2012 bin ich selbstständig und habe mit Taschen und Jeans nach Maß angefangen. Damals habe ich unter anderem auch Massenanfertigungen im Gesundheitsbereich gemacht und mich bewusst für kreative, individuelle Designs entschieden.
Seit 2024 gibt es CGAP Couture Privé die Maßschneiderei und CLAUDIER, meine Brand. Meine kreativen Ideen entstehen in meinem Atelier in St. Radegund. Wir legen Wert auf exakte, genaue Arbeit und verbinden traditionelles Handwerk mit modernem Design. Meine KundInnen sagen oft, dass es schöner ist, als sie es sich vorgestellt haben.
Wir machen individuelle Haute Couture sowie besondere Anlassmode aller Art für Frauen und Männer.
Ich zeichne alle Schnitte selbst und setze diese passgenau um. Dazu arbeiten wir nur mit Naturstoffen, denn ich bin auch Humanenergetikerin und daher davon überzeugt, dass Leinen, Baumwolle und Seide eine höhere Schwingung sowie Außenwirkung auf die Menschen als Polyester haben.

Dürfen Sie VIP-KundInnen nennen?
Jeder Mensch kommt mit einem Anliegen, das ich lösen darf. Ich arbeite sehr intim und mir ist daher wichtig, meine KundInnen nicht zu nennen, da ich die absolute Verschwiegenheit einhalte.
Ich schneidere schon auch für Personen des öffentlichen Lebens wie PolitikerInnen, SängerInnen etc. Dafür steht meine Firma, dass diese eine Kundin, dieser eine Kunde, die/der zu einem Termin zu mir kommt und ich mir für sie oder ihn ohne Stress zu 100 Prozent Zeit nehme. Ich habe mein Designstudio auch komplett nach Feng Shui eingerichtet, daher fühlt man sich bei mir gleich wohl.
Was meinen Sie, warum sind gerade in Ihrer Familie alle UnternehmerInnen?
Von meinen Eltern habe ich immer gehört, dass man einen fixen Job braucht und ich war die erste Selbstständige in meiner Familie. Ich habe dann in meiner eigenen Familie meinen Sohn, meine Tochter und meinen Mann mit dem Unternehmertum sozusagen „angesteckt“, weil wir das, was wir tun, alle gerne machen und sie bei mir gesehen haben, dass es funktionieren kann.
Man weiß nie, wie der nächste Tag ist, und ich wollte immer frei und selbstbestimmt arbeiten. Jetzt sind wir alle unternehmerisch tätig und das finde ich sehr schön. Ich war schon ein Vorbild für meine Familie, wie ich das durchgezogen habe und ich bin durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Ich weiß, woher ich mir Hilfe hole, wenn ich sie brauche und habe dafür meine „Mastermind-Gruppe“, denn alleine kann man nicht alles schaffen. Man muss als Selbstständige auf Leute zugreifen können. Hilfe annehmen zu können, ist meiner Meinung nach das wichtigste Learning.
Wer von der Familie macht welches Business?
Ich selbst führe eine Meisterschneiderei mit Maßanfertigungen für Damen sowie Herren und habe mein eigenes Modedesignlabel mit Webshop. Mein Fokus liegt auf exklusiver Mode, Maßanfertigungen und hochwertiger Handwerkskunst.
Meine Tochter führt ihre eigene Marketing-Agentur. Sie konzipiert Social-Media-Strategien, erstellt virale Videos, Webseiten sowie Webshops, entwickelt Kampagnen und organisiert PR für Events für ihre Kundinnen und Kunden.
Für mein Unternehmen konzipiert sie aktuell meine neue Webseite, hat meinen Webshop umgesetzt und entwickelt mein Social Media Marketing, Kampagnen und die Organisation sowie PR meiner Modeschauen und das Management von Models. Gemeinsam sind wir auch international tätig und bauen unsere Arbeit derzeit noch exklusiver aus.
Mein Sohn ist körperlich eingeschränkt und hat sich mit 3D-Druck, UV-Harz-Schichtdruck und Lasergravuren auf exklusive Art und Weise selbstständig gemacht. Ich habe ihn u.a. auch schon für Werbegeschenke für meine Firma beauftragt.
Auch meinen Mann habe ich mit dem Unternehmergeist inspiriert. Neben seiner Tätigkeit als LKW-Fahrer ist er selbstständig im Bereich Gesundheit und Wohlbefinden tätig und arbeitet dort im Direktvertrieb mit Nahrungsergänzungsmitteln.
weil wir alle weniger Zeit haben.“ Claudia Polic
Inwiefern beeinflussen die Familienmitglieder einander, ohne im selben Unternehmen zu sein?
Wir lernen voneinander, indem wir einander stärken und einander weiterhelfen. Wir profitieren also voneinander, denn wir sind alle sehr weitsichtig und wenn eine/r eine gute Idee hat, wird diese aufgegriffen. Wir stärken einander ebenso bei gewissen Fragen. Ich bin schon länger selbstständig, dadurch ist man schon irgendwann eingefahren. Da hole ich mir gerne frische Inputs von meiner Familie.
Jede/r macht geschäftlich sein eigenes Ding und das ist gut so. Wir empfehlen einander schon bei passenden Aufträgen weiter, weil wir von der Leistung des/der anderen überzeugt sind. Wir halten aber auseinander, was zum Business gehört und was privat ist. Wir haben gelernt, dass das so gescheiter ist.
Am Anfang haben wir in der Familie alles auf Gegengeschäft gemacht. Jede/r will die Wertschätzung haben und mittlerweile arbeiten wir mit normalen Angeboten, die wir uns übermitteln. Natürlich gibt es dann schon einen Familienrabatt. Es muss geschäftlich bleiben, was geschäftlich ist, deshalb gibt es auch keine Unstimmigkeiten.
Was sind die Vorteile und was mögliche Nachteile einer UnternehmerInnen-Familie?
Wir machen uns immer wieder Gespräche aus für unsere gemeinsame Zeit im privaten Rahmen. Wir müssen immer den Kurs beibehalten, dass wir nicht in die Arbeit abdriften, wenn wir uns sehen.
Zum Beispiel am Sonntag machen wir ein Familienessen, mit meinem Mann plane ich ein Date, damit wir Zeit für uns haben. Man muss die privaten Termine ebenso wie die beruflichen einplanen. Ich bin auch noch Gemeindekassiererin in St. Radegund bei Graz.
Wir nehmen die Zeit als Familie bewusster wahr, weil wir alle wenig Zeit haben. Die, die wir uns einplanen, genießen wir. Wenn etwas von der Familie nicht zu lösen ist, gehen wir zur Energetikerin zur Bioressonanz, damit der Stau rausgeht.

Was ist der Unterschied zum klassischen Familienunternehmen?
Von meinen Eltern habe ich mitgenommen, dass man sich an einen Tisch setzt und redet. Das habe ich schon früh eingeführt, weil Reden ist das wichtigste und es funktioniert.
Wir hatten früher sogar einen Redestock in der Familie, der weitergegeben wurde. Mittlerweile kommen die Kinder und sagen: „Wir müssen reden.“ Wenn die oder der eine nicht redet, weiß die oder der andere nicht, was los ist. Alle reden frei und auch wenn etwas nicht passt, wird es ausgeredet, bis eine Lösung gefunden wird.
Wir haben aber auch gelernt, zuzuhören und reflektieren regelmäßig. Im Grunde ist es ein Lernprozess, denn auch als Eltern müssen wir erst in unsere Aufgabe reinwachsen. Eine Familie, die unternehmerisch tätig ist, ist spannend, denn man hat immer etwas zu erzählen.
Im klassischen Sinne könnte ich mir ein Familienunternehmen nicht vorstellen, weil ich es liebe, wie es ist. Potenzielle KundInnen werden weitervermittelt, wir sind überzeugt voneinander und empfehlen uns weiter.
Es ist spannend, wenn jede/r etwas Anderes zu erzählen hat. Indem man Erfahrungen und Erfolge sowie Probleme austauscht, lernt man am meisten voneinander.
Die sechs Unternehmen der vier Familienmitglieder:
CLAUDIER:
www.claudier.eu | info@claudier.eu
CGAP Couture Privé:
www.cgapcoutureprive.com | info@cgapcoutureprive.com
BioChi Consulting:
www.biochi-consulting.at | office@biochi-consulting.at
REIHA Agency:
www.reihaagency.com | office@reihaagency.com
KIWILIT:
www.kiwilit.com | office@kiwilit.com
Einfach Andi:
www.einfachandi.com | info@einfachandi.com
