Ein Riesling wie keiner: Wie ein Steirer Europas Spitze eroberte

Mitten im steirischen Sausal entstehen auf Steilhängen mit bis zu 110 Prozent Gefälle Weine, die international für Aufsehen sorgen. Mit seinem Riesling holte Winzer Gerhard Wohlmuth die Auszeichnung als bester trockener Riesling Europas – ein Erfolg, hinter dem jahrzehntelange Konsequenz, außergewöhnliches Handwerk und eine klare Philosophie stehen.

Europas bester Riesling kommt aus der Steiermark

Manche Erfolgsgeschichten beginnen mit einer guten Idee. Andere mit harter Arbeit. Die Geschichte von Gerhard und Marion Wohlmuth beginnt auf einem der steilsten Weinberge Österreichs. Dort, wo Maschinen längst an ihre Grenzen stoßen und nahezu jeder der gekonnten Arbeitsschritte von Hand erfolgt, entstehen Weine, die mittlerweile internationale Maßstäbe setzen: Beim renommierten „Meiningers Best of Riesling Tasting 2026“ wurde der Wohlmuth-Riesling aus der bekannten Monopollage nun mit dem Sonderpreis „Bester Europäischer Riesling trocken“ ausgezeichnet. Und die Konkurrenz war enorm: Rund 1.300 Rieslinge aus den renommiertesten Weinregionen Europas stellten sich der Blindverkostung. Dass sich am Ende ein Wein aus dem kleinen Sausal gegen internationale Spitzenweingüter durchsetzte, mag viele überraschen. Für KennerInnen bestätigt die Auszeichnung jedoch vor allem eines: Spitzenqualität entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis konsequenter Arbeit, großen Wissens und einer besonderen Begeisterung für das tägliche Tun.

Flasche des Riesling Ried Edelschuh 2023 vom Weingut Wohlmuth aus der Südsteiermark, ausgezeichnet als bester trockener Riesling Europas.
Der „Riesling Ried Edelschuh 2023“ vom Weingut Wohlmuth wurde beim „Meiningers Best of Riesling Tasting 2026“ zum besten trockenen Riesling Europas gekürt. Foto: Weingut Wohlmuth

Handarbeit statt Abkürzung

Wer das Weingut in der Steiermark besucht, versteht schnell, warum dieser Erfolg kein Zufall ist. Die Weinberge zählen zu den steilsten Europas. Bis zu 110 Prozent Hangneigung machen den Einsatz großer Maschinen nahezu unmöglich. Jeder Rebstock verlangt Aufmerksamkeit, beinahe jeder Arbeitsschritt erfolgt in sorgfältiger Handarbeit. Hinzu kommen außergewöhnliche natürliche Voraussetzungen: Schwarzer und roter Schiefer prägen die Böden, kühle Nächte treffen auf warme Tage und die Weingärten reichen bis auf 600 Meter Seehöhe. Genau dieses Zusammenspiel verleiht den Weinen ihre charakteristische Mineralität und Eleganz.

Doch außergewöhnliche Lagen allein reichen nicht aus. Damit aus diesem Potenzial Spitzenweine entstehen, investiert die Winzerfamilie Jahr für Jahr rund 1.200 Arbeitsstunden pro Hektar in ihre Weingärten. Wirtschaftlich ist das sicher nicht der einfachste Weg – für Gerhard und Marion Wohlmuth aber der einzig richtige. „Das Sausal ist prädestiniert für mineralische Weine von Weltformat“, sagt Gerhard Wohlmuth. Im Familienbetrieb ist man überzeugt, dass echte Qualität dort entsteht, wo Präzision, Geduld und Leidenschaft wichtiger sind als Geschwindigkeit. Während vielerorts Effizienz und Ertrag im Vordergrund stehen, setzt Familie Wohlmuth seit Generationen konsequent auf Handarbeit und kompromisslose Qualität – ein Weg, der sich auszahlt.

223 Jahre Begeisterung für Wein

Das Weingut blickt auf mehr als zwei Jahrhunderte Geschichte zurück. Seit 223 Jahren wird hier Wissen von Generation zu Generation weitergegeben – während sich der Betrieb laufend weiterentwickelt. Tradition bedeutet bei der Familie Wohlmuth nicht Stillstand, sondern die Bereitschaft, Bewährtes zu erhalten und Qualitätsansprüche gleichzeitig regelmäßig weiterzuentwickeln. Zur Unternehmensphilosophie gehört deshalb auch der bewusste Verzicht auf Herbizide und Insektizide. Nachhaltigkeit ist für Wohlmuth kein Marketingbegriff, sondern Teil einer langfristigen Verantwortung. „Unsere Art zu arbeiten entsteht aus Verantwortung gegenüber jenen Generationen, die nach uns und unseren langlebigen Weinen folgen werden“, erklärt der Winzer. Diese Haltung bleibt auch international nicht unbemerkt. Bereits vor der aktuellen Auszeichnung bezeichnete der renommierte Weinkritiker Stuart Pigott den Riesling aus der Ried Edelschuh als einen „game-changing dry Riesling“ – eine Anerkennung, die den außergewöhnlichen Stellenwert des Weins und die Arbeit dahinter einmal mehr unterstreicht.

Mut, Geduld und Konsequenz

Die jüngste Auszeichnung ist für die Familie weit mehr als ein einzelner Wettbewerbserfolg. Parallel wurde das Weingut im aktuellen Falstaff Weinguide 2026/27 erstmals mit der Höchstwertung von fünf Sternen ausgezeichnet und zählt damit offiziell zur Spitze der österreichischen Weingüter.

Für Gerhard und Marion Wohlmuth ist der Titel deshalb weit mehr als eine Trophäe. Er bestätigt einen unternehmerischen Weg, der über Jahrzehnte konsequent verfolgt wurde. Einen Weg, der nie auf schnelle Erfolge setzte, sondern auf langfristiges Denken, kompromisslose Qualität und den Mut, den eigenen Überzeugungen treu zu bleiben. Gerade in einer Zeit, in der vieles schneller, effizienter und günstiger werden soll, hat Familie Wohlmuth ihren ganz eigenen Weg gewählt. Und wahrscheinlich ist genau das das Erfolgsrezept des besten Rieslings aus Europa. Oder das einer ganzen Familiengeschichte. Denn man setzt bewusst nicht auf kurzfristige Trends, sondern auf langfristige Verantwortung, harte Arbeit und kompromisslose Qualität. Denn Spitzenleistungen entstehen selten über Nacht. Sie wachsen – Jahr für Jahr. Rebe für Rebe. Hang für Hang. Und manchmal – oder gerade deswegen – auch dort, wo der Weg besonders steil ist.

Was das Sausal besonders macht

Das Sausalgebirge ist 400 Millionen Jahre alt und zählt zu den ältesten Landschaften Österreichs. Das Zusammenspiel aus Schieferböden, Höhenlagen bis 600 Meter sowie warmen Tagen und kühlen Nächten schafft ideale Bedingungen für charakterstarke Weine. Neben Riesling entstehen hier auch andere gefragte Weine wie Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller, Grauburgunder und Morillon, für die das Weingut Wohlmuth international bekannt ist.

Weitere Informationen und zum Shop: www.wohlmuth.at

Mehr M.U.T.ige Themen für Weinliebhaber:

Kärntens ungewöhnlichster Winzer

Dolce far niente mit Digital Detox

Warum der „Winedealer“ zurück nach Klagenfurt kam

 

 

Manuela Mark
Manuela Mark
Autorin | Kärnten
Ressorts: Start |Up, Life | Style, Leben |Arbeiten
mark@mut-magazin.at

M.U.T. auf Youtube

M.U.T.letter

Wissen, was die Wirtschaft bewegt.

Das könnte Sie auch interessieren