Ein Kärntner hinter den Tennisschlägern der Weltelite

Wenn Stefan Müller heute einen Tennisschläger in die Hand nimmt, geht es längst um mehr als Saiten und Material: Es geht um Performance, Vertrauen und die entscheidenden Details. Der 30-jährige Klagenfurter hat sich in einer hochspezialisierten Nische einen Namen gemacht – und sich einen Traum erfüllt, der ihn 2026 bis zu einem ATP-Turnier nach Madrid geführt hat.

Eine Schule fürs Leben

„Ich war mit drei Jahren schon regelmäßig mit meinem Opa am Tennisplatz“, erinnert sich Müller. Neben Skifahren, Klettern und anderen Sportarten wurde Tennis schnell zu seiner größten Leidenschaft. Intensives Training, zahlreiche Turniere in Kärnten und Österreich und unzählige Stunden auf dem Platz prägen seine bisherige Laufbahn. Schon als Jugendlicher wollte er sein Wissen weitergeben und absolvierte mit 16 seinen ersten Übungsleiter-Kurs und gab Kindertrainings. Nach dem Schulabschluss führte ihn sein Weg zunächst in eine ganz andere Richtung – nachdem das Volksschul-Lehramt nichts für ihn war, entschied er sich für die Polizeischule: „Die Ausbildung war eine Schule fürs Leben und ich bereue keine Sekunde“, sagt er heute. „Und trotzdem war mir damals schon klar, dass meine Zukunft wo anders liegt.“

Stefan Müller bringt in seinem Shop Stefs Racket Corner ein neues Griffband auf einen Tennisschläger auf.
Von der Besaitung bis zum Griffband: Bei Stefs Racket Corner wird jeder Schläger individuell an die Bedürfnisse der SpielerInnen angepasst. Foto: Alexandra Lanner Photographie

Von der Sicherheit in die Selbstständigkeit

Ein Beamtenjob, ein geregeltes Einkommen und klare Perspektiven – für ihn nicht genug Grund, diesem Weg weiter zu folgen. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich zurück in den Sport möchte“, erinnert sich Müller. Was von außen unverständlich schien, ist heute glasklar: Alles führte zurück zum Tennis. Oder sagen wir: In dessen Tiefe. „Ich wollte verstehen, was hinter dem Handwerk steckt“, erzählt der Unternehmer. Gemeint ist die Besaitung – ein Bereich, der außerhalb der Tennisszene oft unterschätzt wird. Denn professionelle Besaitung bedeutet weit mehr als das bloße Einziehen neuer Saiten. Spannung, Material, Spielstil, Ballgefühl und individuelle Vorlieben greifen ineinander. Jeder Schläger wird zum Präzisionsinstrument. Um sein Wissen auf höchstes Niveau zu bringen, ließ sich Müller beim Frankfurter Besaitungs- und Tuningsexperten Martin Mann ausbilden: „Er war – und ist bis heute – mein Mentor und hat mir unglaublich viel beigebracht“, erzählt er. Parallel dazu investierte Müller konsequent in seine Ausbildung und will heuer noch die Ausbildung als staatlich geprüfter Tennistrainer abschließen.

Nahaufnahme eines Tennisschlägers während der professionellen Besaitung. Die Saiten werden präzise gespannt und verarbeitet, um optimale Spieleigenschaften zu gewährleisten.
Präzisionsarbeit bis ins kleinste Detail: Bei der professionellen Besaitung entscheiden Spannung, Material und individuelle Anpassungen über das Spielgefühl auf dem Platz. Foto: Alexandra Lanner Photographie

„Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig“

„Das Besaiten bei Turnieren war mir auf Dauer zu wenig. Ich wollte etwas Eigenes aufbauen und einen Ort schaffen, an dem sich Menschen mit derselben Leidenschaft treffen können“, erzählt er. Die Idee war ebenso schnell geboren wie umgesetzt: Aus einer Idee im Sommer 2024 wurde innerhalb weniger Monate Realität: Im März 2025 eröffnete Stefs Racket Corner in Klagenfurt seine Türen. Mit „Stefs Racket Corner“ führt der 30-Jährige in Klagenfurt einen spezialisierten Shop für Tennis-, Padel-, Squash- und BadmintonspielerInnen. Das Angebot reicht von Schlägern und Zubehör über professionelle Besaitungen bis hin zu individuellem Schlägertuning, personalisierten Griffkappen und Schlägerlackierungen. Dabei verfolgt er einen klaren Anspruch: Es gibt nicht den perfekten Schläger – sondern nur den perfekten Schläger für die jeweilige Spielerin oder den jeweiligen Spieler. „Das Setup muss zum Menschen passen. Jeder spielt anders, jeder hat andere Bedürfnisse.“

Wawrinka, Fritz, Tsitsipas & Co.: Sein Weg zur Tenniselite

Seine Erfahrung bei kleineren Bewerben, seine langjährige Expertise und vor allem sein klarer Fokus führten ihn 2026 schließlich zu seinem ersten ATP-Turnier nach Madrid. Die Anforderungen auf diesem Niveau sind enorm. Schläger müssen unter Zeitdruck exakt nach den Wünschen der Profis vorbereitet werden. Fehler sind keine Option. „Das war definitiv eine Feuertaufe“, sagt Müller rückblickend und lacht. „Aber ich war unglaublich stolz, dort arbeiten zu dürfen.“ Zu den Spielern, deren Schläger durch seine Hände gingen, gehörten unter anderem Stefanos Tsitsipas und Taylor Fritz. Namen, die selbst eingefleischten Tennisfans Respekt abverlangen. Trotzdem macht Müller bei seiner Arbeit keinen Unterschied zwischen Weltstars und HobbyspielerInnen. „Ob Weltstar oder jemand, der zweimal pro Woche mit Freunden spielt: Mein Ziel ist immer die bestmögliche Lösung.“

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Auf die Frage, was ihn Tennis für die Selbstständigkeit gelehrt hat, muss Müller nicht lange nachdenken. „Dranbleiben. Auch im Tief zahlt sich Beharrlichkeit aus.“ Hinter seinem Erfolg steckt keine Abkürzung, sondern jahrelange Arbeit, stetige Weiterbildung und die Bereitschaft, einen sicheren Weg zu verlassen, um der eigenen Leidenschaft zu folgen. Was als Begeisterung für den Tennissport begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem spezialisierten Unternehmen. Heute betreut Müller Kundinnen und Kunden aus ganz Kärnten und darüber hinaus – vom ambitionierten Nachwuchsspieler bis hin zu internationalen Profis. Sein Shop in Klagenfurt hat sich zu einer der wichtigsten Anlaufstelle für Tennis-, Padel-, Squash- und BadmintonspielerInnen entwickelt. Das ATP-Turnier in Madrid war für ihn kein Endpunkt, sondern der nächste Schritt auf einem Weg, der von Anfang an von derselben Überzeugung geprägt war: Wer bereit ist, Zeit, Leidenschaft und Präzision in sein Handwerk zu investieren, wird dafür wohl früher oder später belohnt.

Stefs Racket Corner
Universitätsstraße 100a
9020 Klagenfurt
office@stefsracketcorner.at
+43 664 4403390

Fotocredit: Alexandra Lanner Photographie

Manuela Mark
Manuela Mark
Autorin | Kärnten
Ressorts: Start |Up, Life | Style, Leben |Arbeiten
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