Ein bissl Italien geht immer

Dieter Hahn liebt das Dolce Vita. Und was gehört zum südlichen Lebensstil unumstößlich dazu? Motorroller! Ein Glück, dass der Online-Handel hier mit den heimischen Fachhändlern in Sachen Beratung, Garantie und Emotion nicht mithalten kann. Uns hat der Berufsgruppensprecher verraten, warum sein Herz für das Segment Zweirad brennt. Mit überraschendem Detail zum Schluss! Inklusive Testfahrt-Video.

Wie lange gibt es Motec schon? Und worauf haben Sie sich spezialisiert?

Die Firma Motec -Leber & Hahn gibt es hier am Villacher Standort bereits seit 15 Jahren. Vor circa fünf Jahren haben dann Peter Leber Junior und ich das Unternehmen auf neue Beine gestellt, mit neuen Marken und mit einer neuen Philosophie. Wir vertreten das italienische Flair, Dolce Vita auf zwei Rädern. Dabei konzentrieren wir uns auf italienische Marken, denn diese passen natürlich zur Umgebung. Wir sind eben nicht nur ein Handelspartner für die Hersteller, die wir vertreten, sondern auch ein Meisterbetrieb und bieten unseren Kunden neben Verkauf auch das Service, Customizing sowie Tuning. Unsere Mitarbeiter sind dementsprechend von den Herstellern geschult. Ein Ergebnis ist die schnellste Vespa Kärntens mit 450 Kubikzentimeter.

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Welche Rolle spielt Kärnten aktuell am österreichischen Zweiradmarkt?

Kärnten hat eine ganz wichtige Rolle, was gesamt Österreich betrifft. Wir sind eindeutig ein Mutterland mit knapp 2.500 verkauften Motorrädern in den ersten sechs Monaten 2025 und mit einem Anteil von 35 % im Rollersegment, 15 % im Mopedsegment, also die berühmte Reibn, wie sie die Jugendlichen haben. Kärnten ist also einerseits von den Stückzahlen her ein richtiges Motorradland und andererseits auch ein klassisches südländisches Land, in dem der Roller sehr beliebt ist.

Kärnten hat die höchste Motorraddichte in Österreich.

Das bedeutet, dass im Verhältnis zur Einwohnerzahl in Kärnten mehr Motorräder zugelassen sind als in anderen Bundesländern. Konkret kommen auf 1.000 Einwohner etwa 88 Krafträder, wie Statista berichtet.

Isabella Schöndorfer lässt sich von Dieter Hahn beraten
Zwischen Roller und Reibn: Dieter Hahn beim Beratungsgespräch mit der Mutter dreier Jugendlicher.

Was treibt den Motorradboom in Kärnten zusätzlich noch an?

Da gibt es mehrere Gründe. Ich glaube, dass das Wesentliche unsere geographische Lage ausmacht. Wir können spontan einen Ausflug nach Slowenien unternehmen, sind schnell in Udine und die Berge erweisen sich natürlich als ideal für das Motorradfahren. Und dann ist da noch die European Bike Week sowie sehr viele kleine Events, die sich um die Seen tummeln, was das Thema Motorrad betrifft. Kärnten ist also ein richtiger Fixpunkt nicht nur in Österreich. Damit locken wir sehr viele Touristen her. Aber auch Einheimische setzen stark auf das Motorrad als Alternative, wechseln vom Zweitfahrzeug aufs Zweirad. Man darf nämlich nicht vergessen, dass es sich um ein sehr günstiges Fahrzeug handelt. Speziell der Rollerboom wird durch die Führerscheinreform und den Code 111 angetrieben, denn nach vier Jahren sind bis zu 125 Kubikzentimeter möglich. Das wirkt sich positiv auf die Verkaufszahlen aus. Wenn man das Auto zu Hause stilllegt und über den Sommer mit dem Motorrad oder dem Zweirad unterwegs ist, spart man sehr viele Kosten.

Videovorschau über das Display der Kamera
Auch als Video: Dieter Hahn (rechts) ist glühender Vertreter des Kärntner Fachhandels. Genauer gesagt Gramialobmann-Stellvertreter des Landesgremiums für Fahrzeughandel.

Was bedeutet das für Unternehmerinnen? Welche Vorteile hat das Zweirad gegenüber dem Zweitauto?

Unheimliche Flexibilität. Du bist in so Städten wie Klagenfurt und Villach, die nur eine gewisse Anzahl an Parkplätzen sowie Stau- und Reiseverkehr haben, mit einem Zweirad extrem flexibel. Du kommst schnell voran. Wir dürfen mittlerweile auch bei einer stehenden Kolonne unter gewissen Bedingungen vorfahren. Das Ganze ist für alle, die sich dem Zweirad widmen, ein riesengroßer Vorteil.

Mit welchen Trends dürfen wir in den nächsten Jahren rechnen?

Im Bereich Roller werden wir weiterhin sehr stark sein, weil es obendrein ein einfach zu bedienendes Produkt ist. Hinzu kommt, dass wir ein gewisses Downsizen erleben werden. Fahrzeuge über 1.000 Kubik oder ab einem gewissen Preissegment werden aufgrund der Nebenkosten wie Versicherung, Steuer & Co. wahrscheinlich zukünftig nicht mehr so stark verkauft werden. Bei diesen Fahrzeugen haben wir in den ersten sechs Monaten am meisten Rückgänge. Der Verbraucher weicht auf eine günstigere Variante aus.

Wie verändert die E-Mobilität den Motorradmarkt?

Derzeit überhaupt nicht. Jeder Hersteller hat das Thema E-Mobilität im Zweiradbereich versucht. Nur hat es sich bis jetzt nicht in dieser Form durchgesetzt, wie wir das gerne hätten, weil ja die Umweltthematik mitschwingt. Der Motorradkonsument an sich hat das Produkt aber in dieser Form noch nicht angenommen.

Gab es einmal eine lustige Begebenheit in Ihrem Unternehmen mit einem Kunden, die Sie uns gerne erzählen möchten?

Toll, dass Sie mich fragen! Ich erzähle das immer wieder im Freundeskreis und es ist fast nicht zu glauben. Ich habe zwei sehr tolle Erlebnisse gehabt. Das eine handelt von einer Familie – Vater, Mutter, Sohn. Der Vater hat sich mit einer Motorradmarke von uns seinen Jugendtraum erfüllt. Die Mama und Frau war dann so fasziniert, dass sie extra den Führerschein gemacht hat und sich genau das gleiche Motorrad gekauft hat. Und der Sohn hatte zuvor bereits eine andere Motorradmarke, war dann vom Lifestyle der Eltern so beeindruckt, dass er sich genau dasselbe Motorrad gekauft hat. In der anderen Geschichte geht es um einen Familienvater, der jetzt erst vor kurzem bei uns ins Geschäft hereingekommen ist und mit der ganzen Familie im Hintergrund hingesetzt hat. Am Ende des Tages wurden für ihren Bedarf vier Fahrzeuge auf einen Schlag bestellt.

Das heißt, Sie setzen den Trend nicht zum Zweitrad, sondern zum Dritt- oder Viertrad (beide lachen). Wie sehen Sie den Kärntner Zweiradhandel in der Zukunft?

Sehr positiv. Durch meine Besuche bei den Betrieben bin ich überzeugt, dass wir in den in den Werkstätten hochgeschulte und hochqualifizierte Personen haben. Das ist sehr erfreulich für den Standort Kärnten! Sehr, sehr wichtig ist aber auch, dass wir auf den Endverbraucher positiv einwirken und ihm sagen, dass wir, der Kärntner Zweiradhandel, alles können, was auch andere können. Das heißt, es ist nicht notwendig, dass Kunden heutzutage als Villacher, als Klagenfurter, egal wo wir jetzt zu Hause sind, aus Spittal oder St. Veit in ein anderes Bundesland fahren, um Produkte zu kaufen. Kauf in Kärnten, kauf regional, kauf vor Ort. Der Fachhändler deines Vertrauens sitzt um die Ecke. Heimische Markenvertreter geben Garantien. Der Kärntner Zweiradhandel ist auf einem hohen Niveau.

Bereiten Ihnen Ersatzteile aus dem Osten Kopfzerbrechen?

Mittlerweile ist es ein Problem, dass sehr viele Billigteile, zudem nicht geprüfte Teile vom Endverbraucher direkt bestellt und auf die Fahrzeuge montiert werden. Ich kann nur immer wieder appellieren, zum Fachhandel zu gehen und das vom Fachhandel prüfen zu lassen. Zweiradbesitzer können Garantien verlieren, wenn hier etwas montiert wird, das vom Hersteller nicht freigegeben ist oder nicht zum Fahrzeug passt. Die Produkte, die in Europa produziert oder von Herstellern freigegeben werden, sind ein Sicherheitsargument. Und Sicherheit beim Zweirad ist ja wohl das Wichtigste, was es gibt und nicht irgendwo einen billigen Ersatzteil im Web zu bestellen.

Schöndorfer sitzt auf einem Roller und ist bereit für die Testfahrt.
Dolce Vita auf zwei Rädern: Dem Betriebsbesuch folgte ein Rollertest auf der Piaggio Liberty 125 S.

Zum Abschluss darf ich noch eine ganz persönliche Frage an Sie stellen: Sind Sie Mitglied in einem Roller oder Motorradclub?

Nein. Ich war noch nie in meinem Leben Mitglied irgendwelcher Clubs oder dergleichen. Ich finde es aber toll, dass es Clubs gibt. Das sind Menschen, die sich einfach zusammentun und dieses Dolce Vita auf zwei Rädern gemeinsam genießen. Denn das Motorrad an sich ist ja auch eine gesellschaftliche Sache, bei der man gemeinsam etwas unternimmt und Erfahrungen austauscht. Ich fördere Gruppen, die das gemeinsame Ausfahren genießen.

Leber & Hahn Zweiradtechnik GmbH

Ferdinand-Wedenig-Straße 12

9500 Villach

04252 244 66

office@motec-villach.at

Fotos: Martina Magnet

Isabella Schöndorfer
Isabella Schöndorfer
Chefredakteurin
Ressorts: Wirtschaft | Politik, Hart | Herzlich, Wert | Voll, Life | Style
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