edition keiper – kleiner Verlag mit großer kultureller Wirkung

Die „edition keiper“ ist ein kleiner Grazer Verlag, der seit Jahren weit über die Steiermark hinaus kulturelle Akzente setzt. Anita Keiper versteht Bücher nicht als Ware, sondern als Vertrauenssache – und die Arbeit mit ihren Autorinnen und Autoren als persönliche, oft lang gewachsene Beziehung. So ist ihr Haus für viele literarische Stimmen zu einem wichtigen Ort geworden.

Mitten in der Monstrosität der revitalisierten Taggermühle in der Grazer Puchstraße wirkt das Verlagshaus Keiper wie eine literarische Gegenwelt; ein etwa 200 Quadratmeter großer Raum, ein großer Tisch in der Mitte und am hinteren Ende eine fünf Meter hohe Bücherwand, die dem Ort etwas zugleich Großzügiges und Ehrfurchtgebietendes, und den bequemen Lesefauteuils davor, trotzdem sehr Gemütliches verleiht.

Wenn Anita Keiper über ihren Verlag spricht, klingt es nicht, als rede sie über ein Literaturprogramm. Sie redet über Autorinnen und Autoren – über Menschen, die ihr nah sind; über Eigenheiten, Zweifel, Hoffnungen und literarische Obsessionen. In ihrer Stimme ist Wärme, aber auch Wachheit und Verantwortung. Rasch wird klar, dass die „edition keiper“ ein Ort ist, an dem Literatur persönlich genommen wird.

„Ich bin immer Anwältin der Autorinnen und Autoren. Und nicht Anwältin meines Brieftascherls.“
Anita Keiper

Das Verlagswesen ist eine Branche, die sonst fast immer von Sichtbarkeit, Tempo und Verkaufslogik geprägt ist. Keipers Zugang ist daher alles andere als selbstverständlich. Und gerade darin liegt die kulturelle Wirkung ihres Grazer Verlages. Die „edition keiper“ ist kein Großverlag, kein Apparat, keine Titelmaschine. Sie ist ein Verlag mit Charakter, der sich trotz seiner Kleinheit in den letzten fast 20 Jahren tief im steirischen Kulturgefüge verwurzelt hat.

Der Aufbruch aus der Enge

Dabei hat all das nicht mit einem Businessplan begonnen, sondern mit der inneren Notwendigkeit nach Kreativität. Anita Keiper kam aus dem Bildungsbereich, aus einem Umfeld, das von Sprache und Publikationen zwar nicht weit entfernt war, aber anderen Regeln folgte. Sie arbeitete in einem sicheren Bereich, mit internationalen Projekten, mit Ministerium, EU und Europarat. Den sicheren öffentlichen Dienst gegen die Unwägbarkeiten eines kleinen Literaturverlags einzutauschen, ist niemals eine rationale, sondern immer eine Herzensentscheidung.

Denn die Sicherheit ihrer Anstellung war für sie irgendwann nicht mehr Befreiung, sondern Enge, Bürokratie, langsame Wege, und ein Korsett an Vorgaben. All das setzte Keiper zu. Der Wunsch, etwas Eigenes, Kreatives zu machen, wurde immer stärker. 2007 entstand zunächst eine Textagentur, 2008 kam der Verlag dazu. Von Anfang an an ihrer Seite war ihr Vertriebsleiter Robert Fimbinger. Doch der Titel „Vertriebsleiter“ greift für all das, was Fimbinger im Verlag tut, viel zu kurz.

Der erste, der an sie glaubte

Zu Beginn stand der literarische Betrieb aber nicht Spalier vor dem jungen Verlag. Anita Keiper war in der Grazer Literaturszene völlig unbekannt. Sie schrieb viele Autorinnen und Autoren persönlich an und bekam fast nur Schweigen zurück.

Bis Martin Wanko anrief. Wanko war der erste Autor, der Anita Keiper ernst nahm. Der erste, der nicht nur sagte „Das klingt interessant“; sondern der auch half. Mit Tipps, Erfahrung und Hinweisen auf Förderstellen, mit Orientierung in einer Welt, die der frischgebackenen Verlegerin damals noch völlig fremd war. Ohne ihn, sagt sie offen, hätte sie nach dieser anfänglichen Mauer des Schweigens in der noblen steirischen Literaturszene womöglich einfach aufgegeben. Martin Wanko ist daher viel mehr als ein Autor im Programm. Er ist ein Geburtshelfer der „edition keiper“.

Das Sprungbrett für neue Stimmen

Was die „edition keiper“ besonders macht, zeigt sich dort, wo andere Verlage abwinken würden. Bei jungen Stimmen. Oder bei Gedichten. Da ist etwa Colin Hadler. Er kam als 17-Jähriger zu Anita Keiper. Von ihr bekam er eine Chance, veröffentlichte zwei Bücher, dann ging es weiter: Literaturagentur, Deutschland, dtv, Spiegel-Bestsellerliste. Dass die Verlegerin die Geschichte, wie ihr der vielversprechende Autor von denselben Leuten abgeworben wurde, die ihm zuerst keine Chance gaben, nicht mit Bitterkeit erzählt, sondern mit Stolz, verrät viel über ihr Selbstverständnis als Verlegerin. Im Recherchegespräch für dieses Porträt legt sie Wert auf folgende Feststellung: „Unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Aber wir können ein Sprungbrett sein.“ Das ist ein bemerkenswerter Satz. Anita Keiper will nicht festhalten. Sie will ermöglichen.

Die schöne Unvernunft der Lyrik

Noch deutlicher wird dieses Profil beim Blick auf die Reihe „keiper lyrik“. Während größere Verlage Gedichtbände aus wirtschaftlicher Vorsicht meiden, leistet sich die „edition keiper“ seit 2011 genau diesen Luxus. Unter der Herausgeberschaft von Helwig Brunner erscheinen regelmäßig Bände aus dem deutschsprachigen Raum, von etablierten Namen ebenso wie von vielversprechenden Debüts.

Lyrik verkauft sich nicht leicht. Aber sie schafft Profil. Sie bringt Aufmerksamkeit. Sie stiftet Renommee weit über die Region hinaus. Vor allem zeigt sie, dass ein Verlag nicht nur dort wichtig ist, wo er hohe Auflagen produziert, sondern auch dort, wo er kulturelle Räume offenhält, die andernorts geschlossen werden.

Herzblut mit Haltung

Die Stärke der „edition keiper“ liegt auch in der Art, wie hier gearbeitet wird. Anita Keiper kennt ihre Autorinnen und Autoren persönlich. Sie weiß, wie sie schreiben, was sie blockiert, woran sie hängen und was sie antreibt. Diese Nähe ist Teil der verlegerischen Philosophie. Während große Häuser Manuskripte oft durch mehrere Instanzen schicken, entsteht hier Literatur im Gespräch, im Vertrauen, im direkten Austausch.

Romantisch geht es in der „edition keiper“ dennoch nicht zu. Ein kleiner Verlag kann sich Illusionen nur sehr begrenzt leisten. Anita Keiper kalkuliert genau. Sie weiß, dass nicht jedes schöne Manuskript auch ein sinnvolles Projekt ist. Sie weiß, dass manche Bücher andere mitfinanzieren müssen. Krimis bringen Geld. Lyrik bringt Ansehen.

Literatur ist auch Prinzipiensache

„Ich bin immer Anwältin der Autorinnen und Autoren. Und nicht Anwältin meines Brieftascherls.“ Auch dieser Satz beschreibt eine Ethik. Literatur nicht bloß als Ware zu behandeln, Autorinnen und Autoren nicht zuerst als Renditefrage zu sehen und dennoch professionell genug zu bleiben, um den Verlag auf Dauer tragen zu können.

Heute ist die „edition keiper“ längst eine fixe Größe in der steirischen Literaturszene. Rund 20 bis 25 Titel pro Jahr, ein breit gewachsenes Autorinnen- und Autorenfeld, starke regionale Verankerung und zugleich Ausstrahlung nach außen: Die „edition keiper“ ist Plattform, Anlaufstelle, kultureller Anker. Und sie bleibt in Bewegung. Im heurigen Jahr stehen weitere Buchpräsentationen – etwa mit August Schmölzer – auf dem Programm.

Gerade rund um den Welttag des Buches lohnt sich der Blick auf Häuser wie dieses. Denn sie erinnern daran, dass Literatur meist nicht nur dort entsteht, wo Marketingbudgets groß sind und Bestsellerlisten locken, sondern oft dort, wo jemand bereit ist, einer Stimme zu vertrauen, lange bevor sie laut wird. Die „edition keiper“ in Graz ist deshalb mehr als ein Verlag. Sie ist der Beweis, dass Leidenschaft und verlegerischer Mut kulturelle Wirkung entfalten. Klein an Größe. Groß an Bedeutung.

 

Johannes Tandl
Johannes Tandl
Autor | Steiermark
Ressorts: Wirtschaft | Politik, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich

tandl@mut-magazin.at

M.U.T. auf Youtube

M.U.T.letter

Wissen, was die Wirtschaft bewegt.

Das könnte Sie auch interessieren