Die kurze Anreise in die Südsteiermark fühlt sich wie der Start in einen langen Urlaub an. Ich tausche meine leere To-Do-Liste gegen den Luxus des Einfachen ein, freue mich auf nichts, entleere mich vom Alltag. PURESLeben verschafft mit einem seiner elf Ferienhäuser mir einen Ort voller Ruhe und Weitblick. Wie funktioniert so ein Non-Hotel-Konzept, bei dem es einem am Ende des Tages doch an nichts fehlt?
Vor dem italienisch anmutenden Landhaus Altenbach in den Bergen bei Oberhaag angekommen, schalte ich mein Handy aus, bevor ich die Schwelle übertrete, es sogleich demonstrativ in eine Schublade lege und diese endgültig zuschiebe. Ich will mich ganz bewusst ein paar Tage im Digital Detoxen üben. Das fällt beim Kennenlernen schwerer als gedacht. Gewohnt, die ersten Eindrücke der auffällig gemütlichen Unterkunft mit viel Holz, heimeligen Gerüchen und optischer Gelassenheit festzuhalten, greife ich reflexartig nach meinem Mobiltelefon ins Leere. Diesmal nehme ich alles selbst wahr, nicht hinter einer Kamera. Schnell wird klar, dass hier Profis mit viel Liebe am Werk sind, die das Leben auf das Wesentliche reduzieren.
Bühne für die Bodenständigkeit
Durch die großen Glasscheiben wird die Natur zum Hauptdarsteller des Genusses. Unaufgeregte Farbtöne aus Leinen rahmen das Gesamtkunstwerk der Gastgeberfamilie Silly ein. Und obwohl das Feuer im Steinkamin noch nicht lodert, wird mir warm ums Herz. Ich merke schnell: Das wird eine richtig gute Wohlfühlzeit. Zum ersten Mal bei einem Hoteltest hat mich das Wlan-Passwort meiner Unterkunft nicht interessiert. Ich tausche Social Media gegen eine Privatsauna, Nachrichten-TV gegen dicke Magazine, WhatsApp gegen echte Gespräche und die Wecker-Funktion meines Handys gegen natürliches Ausschlafen. Bester Nebeneffekt: So entspannt waren die Kids schon lange nicht mehr.
Service ohne Hotel
Zurück zur Familie Silly. Dietmar Silly ist eigentlich Winzer. Beim Bau seines Privathauses entdeckte er die Leidenschaft für Architektur und einzigartige Lagen. Mit einer Extraportion Tradition und dem Geschmack für authentisches Essen schuf er die Häuserfamilie inmitten des Weinlandes. Nach und nach entstanden Unikate, die eines verbindet: Ein Gefühl von Großzügigkeit und Privatsphäre, eingebettet in die Landschaft. Sillys Philosophie gab den alten Gebäuden eine neue Bedeutung. Regionale Handwerkebetriebe bewahrten die wertvollen Materialien und schufen Strukturen für eine moderne Architektur. So dusche ich in einem geräumigen Bad unter gebeizten Holzbalken, öffne Stadltüren zur ungewöhnlichen Galerie. „Wenn ich gehört habe, dass ein alter Stadl abgerissen werden soll, habe ich ihn mir angeschaut. Und wenn das Gespür da war, dass dieser Ort Potenzial hat, haben wir ihn gekauft“, erzählt Dietmar Silly.

Hausmannkost von Feenhand
Ungemein unaufgeregt ist auch die Kulinarik. Da werden morgens und abends kontaktlos Gläschen in einer Thermobox vor die Haustüre gestellt, die voller Liebe stecken. Von der Sellerie-Trüffel-Cremesuppe über den Tafelspitz mit Wurzelgemüse bis hin zum Apfelstrudel mit Vanillesauce ist jedes Aroma vertreten. Auch VegetarierInnen sind mit Kichererbsen-Curry oder Knödel in Schwammerlsauce bestens umsorgt. Die bekannten Rexgläser werden – ganz ohne feste Essenszeiten – bei Hungeralarm einfach im Ofen erwärmt. Hinter diesem Wohlfühl-Paket stecken Brigit, Anna und Edith, die Gästen auf Anfrage (fast) jeden Wunsch erfüllen. Unerklärlich, dass wir während unseres gesamten Aufenthalts weder Schritte noch Auto gehört oder eine der drei Damen gesichtet haben.
Führung durch das Familienweingut und Weinverkostung in der Kuchl mit Gerald Silly.
Yoga, Sauna, Pool, repeat
Die Reduktion auf das Wesentliche bietet mir in diesen Offline-Tagen so viel Zeit für eine ganz neue Abfolge meines Tages. Noch vor dem Frühstück starte ich mit einem Sauangang in den Tag, erfrische mich im Naturpool ehe ich meine Yoga-Praxis mit Blick auf die Streuobstwiese genieße. Erst danach gibt es Familie und Frühstück. Abends wollen alle nochmal in die Sauna, bevor wir den Tag mit einer guten Flasche Silly ausklingen lassen. Für die Kinder beherbergt die Winzerfamilie in ihrem Weinvorrat einen Apfelsaft der Sorte Cox Orange, den wir uns als Erinnerung auch nach Hause mitnehmen. Allgemeines Highlight ist die Feuerkiste, die wir an einem Tag unserer Wahl mit dem Team von PURESLeben fixieren. Die uralte Zubereitungsmethode am offenen Feuer beeindruckt mit ihrer rustikalen Einfachheit, wenn das Tomahawk vom Duroc-Schwein fertig herausgehoben wird. Dies ist nur noch vom Steckerlbrot zu überbieten, das wir über den Flammen aufbacken.

Wenn Ruhe reicht
Manche suchen sich Pausen in überladenen Urlaubsangeboten, andere brauchen vermeintlich gar keine Auszeit von Bildschirm & Co.. In Zukunft wird es wichtig sein, feine Grenzen im Alltag zu ziehen, um den digitalen Konsum nicht unser Leben bestimmen zu lassen. Bewusstes Ausschlafen ohne Handywecker sowie Aktivitäten ganz ohne Social Media werden mich als Kind der 80er, das ohne Mobiltelefon aufgewachsen ist, immer wieder an diesen puren Ort in der Südsteiermark zurückbringen. Und beim nächsten Mal probiere ich auch das Genussradeln in Eibiswald, zu dem ich vor lauter Entspannung gar nicht gekommen bin!
