Die Sorge der Metallindustrie

Trotz großer internationaler Erfolge registriert der Chef von Haslinger Stahlbau, Arno Sorger, einen Rückgang bei Großprojekten. Vor allem der Motor der Autoindustrie stottert.

Muss man sich um die metalltechnische Industrie Sorgen machen? Ganz im Gegensatz dazu, was sein Familienname suggerieren würde, stimmt Arno Sorger nicht in den Chor der Europa-Untergangsbeschwörer ein. Das überlässt er Branchenvertretern und notorischen Schwarzmalern. Er kümmert sich lieber um die Dinge, die er im eigenen Bereich steuern kann: den Zusammenhalt in den Teams an den zwei Produktionsstandorten im Kärntner Feldkirchen und im ungarischen Dunavecse, den Ausbau von Erfahrung und Wissen, um selbst komplexeste Herausforderungen in Großprojekten annehmen zu können oder die Pflege des Nachwuchses. Kurz all das, was Haslinger Stahlbau international wettbewerbsfähiger macht.

Europäischer Stahlbaupreis

Und die Erfolge können sich sehen lassen. Gerade hat man in der Kategorie „Großbetriebe“ den Kärntner Exportpreis gewonnen. Im Vorjahr wurde das mittelständische Unternehmen für die Errichtung des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen mit dem Europäischen Stahlbaupreis ausgezeichnet. Eine technische Meisterleistung, musste die 8000 Tonnen schwere Dachkonstruktion doch in fünf Teilen 200 Meter weit in 28 Metern Höhe über das Gebäude verschoben und dann dort endmontiert werden. Die üblichen Schwerlastkräne konnten aufgrund der beengten Verhältnisse vor Ort nicht eingesetzt werden. Es sind nicht allzu viele Stahlbauunternehmen in Europa, die sich über solche Großprojekte „drübertrauen“, bestätigt Sorger. Aber es gibt sie und der Kuchen an Aufträgen, den es hier zu verteilen gibt, ist in letzter Zeit offensichtlich kleiner geworden.

„Die wirklich großen Projekte werden eindeutig weniger“, kommentiert Sorger die derzeitige Durststrecke, und es gibt auch alarmierende Anzeichen aus der Autoindustrie. Für einen deutschen Sportwagenhersteller hat Haslinger Stahlbau in Leipzig eine neue Fertigungshalle zur Montage des rein elektrischen XXL-SUV „K1“ gebaut. Die Halle ist fertig, allein der K1 wird so nicht vom Band rollen, meldete das deutsche Handelsblatt. Aufgrund der zögerlichen Nachfrage vor allem aus den USA, wo zusätzlich noch die verhängten Strafzölle zu verdauen sind, landeten die Businesspläne in der Schublade. Die deutsche Autoindustrie schwächelt, initiiert kaum noch größere Projekte. Darunter leiden nicht nur Stahlbau-Spezialisten, sondern auch viele andere Zulieferbetriebe, vor allem im Metallbereich.

Metallindustrie baut Beschäftigte ab

Die österreichische Metalltechnische Industrie erwirtschaftete im Jahr 2025 mit 130.000 direkt Beschäftigten einen Produktionswert von 47 Mrd. Euro. Indirekt sichert sie sogar 290.000 Beschäftigte. Zuletzt ging der Trend aber nach unten: In den Jahren 2023 und 2024 sank der Personalstand um 10.000, im Jahr 2025 trotz leicht steigendem Produktionswert immer noch um 4.700.

Metallindustrie in der Krise

Ende April wendete sich Christian Knill, Obmann der stolzen österreichischen Metalltechnischen Industrie in der Wirtschaftskammer, mit einer düsteren Bilanz an die Öffentlichkeit. Die Branche habe zwar 2025 die Talsohle durchschritten aber in den beiden Jahren davor einen Produktionsrückgang von 16 Prozent verkraften müssen. Die Personalstände seien weiterhin auf Talfahrt. 2025 baute man wieder 4,7 Prozent oder in absoluten Zahlen 4700 Beschäftigte ab, 2023 und 2024 sogar 10.000 plus ca. 4000 Leiharbeitsstellen. Ob das schon das Ende der Fahnenstange ist? Die WK-Konjunkturumfrage lässt daran zweifeln. 41 Prozent der Betriebe rechnen mit einem weiteren Abwärtstrend, nur 15 Prozent sind optimistisch. Zölle, krisenbedingt hohe Energie- und Rohstoffkosten, überbordende Bürokratie und die inflationsbedingt verheerenden Lohnrunden knabbern an der Wettbewerbsfähigkeit. Fast zwei Drittel (60 Prozent) der befragten Betriebe wollen daher lieber im Ausland investieren.

Christian Knill leitet übrigens gemeinsam mit seinem Bruder Georg, dem Präsidenten der Industriellenvereinigung, die vor über 300 Jahren gegründete steirische Knill Unternehmensgruppe mit Sitz in Weiz. Es handelt sich um eines der renommiertesten Maschinenbauunternehmen des Landes mit insgesamt 36 Unternehmen in 19 Ländern sowie 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Arno Sorger, Geschäftsführer von Haslinger Stahlbau in Feldkirchen/Kärnten
Arno Sorger, Geschäftsführer von Haslinger Stahlbau in Feldkirchen/Kärnten. Foto: Haslinger

Produktion in Kärnten und Ungarn

Apropos nur noch im Ausland investieren: So weit geht Sorger mit Haslinger Stahlbau nicht. Die beiden Produktionsstandorte in Feldkirchen und Dunavecse, in denen die Stahlkonstruktionen für die Montage vor Ort vorbereitet werden, sollen im Wesentlichen im derzeitigen Verhältnis beibehalten werden. Von den insgesamt 450 Beschäftigten arbeiten 160 in Ungarn. Das Wachstum dort gehe jedenfalls nicht zu Lasten des Kärntner Standortes, betont der Firmenchef. Zusätzlich zu den Produktionsstandorten gibt es übrigens noch ein Statikbüro in Dresden sowie Vertriebsstandorte in München und Wien. Für Sorger sind die Lohnkosten ein zweischneidiges Schwert. Wenn man gute Leute haben wolle, müsse man sie auch entsprechend zahlen. Das funktioniere allerdings nur, solange man dabei auch wettbewerbsfähig bleibe. Man ahnt, wie schwer die Gratwanderung in Zeiten wie diesen fällt.

Immer mehr Frauen

Großen Wert legt man bei Haslinger Stahlbau traditionell auf die eigene Fachkräfteausbildung. Sogar das Führungspersonal wird laut Sorger praktisch ausschließlich aus den eigenen Reihen besetzt. Derzeit sind 35 Lehrlinge beschäftigt, darunter auch zwei weibliche. Bei Haslinger Stahlbau hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Die Lehre wird flexibel vor, mit oder nach der Matura angeboten. Und auch sonst positioniert man sich für die Branche untypisch frauenfreundlich. Überall in Betrieb und Montage erleichtern etwa Hebevorrichtungen die schweren Arbeiten. Außerdem wurden gerade 600.000 Euro in einen neuen Sozialtrakt investiert. Sehr gut hat auch ein Programm zur Umschulung von Frauen aus anderen Berufen zu Schweißerinnen eingeschlagen. Der Kulturwandel erfolgt schrittweise und treibt den Team-Spirit in neue Dimensionen.

Sorger: seit 1995 bei Haslinger Stahlbau

Wenn Arno Sorger über Mut, Einsatz und Teamwork im Stahlbau spricht, dann merkt man ihm seine Begeisterung sofort an. Schon sein Großvater hatte ein Bauunternehmen. Seine Ferialjobs waren damit jedes Jahr schon im Voraus gebucht. Er hat da regelrecht Feuer gefangen. Denn als er nach dem Studium der Betriebsinformatik kurz in der Wirtschaftsprüfung landete, war ihm der Bürojob bald zu wenig. Im Jahr 1995 stieg er bei Haslinger Stahlbau in Feldkirchen als Assistent der kaufmännischen Leitung ein.

Großprojekt von Haslinger Stahlbau im norddeutschen Cuxhaven: das weltweit größte und modernste Montagewerk für leistungsfähige, getriebelose Offshore-Windkraftanlagen.
Großprojekt von Haslinger Stahlbau im norddeutschen Cuxhaven: das weltweit größte und modernste Montagewerk für leistungsfähige, getriebelose Offshore-Windkraftanlagen. Foto: Siemens-Gamesa

Mehrheitseigentümer Hutter & Schrantz

Der im Jahr 1949 als Schlosserei gegründete Gewerbebetrieb war unter der Führung von Josef Podesser schon in industrielle Dimensionen gewachsen. 2010 übernahm Sorger und Haslinger stieß in die Liga jener Unternehmen vor, die internationale Großprojekte zu realisieren imstande sind. Podesser und Sorger halten übrigens über die PUS Beteiligungs- und Management GmbH durchgerechnet je 5 Prozent an der Haslinger Stahlbau GmbH. Mehrheitseigentümer ist die Hutter & Schrantz Stahlbau AG, ein traditionsreiches, im Jahr 1824 gegründetes Unternehmen, dem einst u.a. die Kärntner Kestag gehörte. 1978 wurde Haslinger Stahlbau übernommen. Heute kontrolliert der Unternehmer Heinz Martin Hutter & Schrantz mehrheitlich über die HSV GmbH. Info hier.

Warten auf den Aufschwung

Dass bei Haslinger Stahlbau alle an einem Strang ziehen, ist offensichtlich. Bis zum nächsten Aufschwung wird man wohl noch eine Zeitlang etwas kleinere Brötchen backen müssen. Aber egal aus welcher Ecke er letztlich kommen wird, auf der Liste derer, die die Hallen dafür bauen werden, steht das Kärntner Unternehmen ganz oben.

Aktuelle Projekte

Die Referenzliste von Haslinger Stahlbau ist lang. Die spektakulärsten Projekte der letzten Zeit:

  • Zwei große Hallen für die Halbleiterindustrie in Dresden: zusammen fast 20.000 Tonnen verbauter Stahl.
  • Das neue Elektrostahlwerk in Linz: 13.000 Tonnen verbauter Stahl
  • Der Mobility-Hub des KI-Campus in Heilbronn: 3000 Tonnen verbauter Stahl.
  • Im Jahr 2025 erwirtschaftete Haslinger Stahlbau mit (an allen Standorten) 450 Beschäftigten einen Umsatz von 113 Mio. Euro
  • Haslinger Stahlbau
Gilbert Waldner
Gilbert Waldner
Autor | Kärnten
Ressorts: Wirtschaft | Politik, Hart | Herzlich, Öko | Logisch
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