Wer zu „Vom Hügel“ kommt, fährt nicht zufällig vorbei. Man sucht diesen Ort. Irgendwo in der südoststeirischen Hügellandschaft hat die Soziologin Margrit de Colle etwas geschaffen, das sich jeder eindeutigen Kategorie entzieht. Landwirtschaft, Floristik, Gastronomie, Seminarort und Concept Store – das ist das Prinzip von „Vom Hügel“. Es ist ein Ort, an dem man zur Ruhe kommt und an dem das Abschalten leicht fällt.
„Ich mag verschränkte Projekte“, sagt Margrit. Ein Satz, der „Vom Hügel“ besser beschreibt als jedes Geschäftsmodell. Was heute wie ein ausgereiftes Konzept wirkt, begann vor mehr als zwanzig Jahren auf einem Maisacker mit Ruine. Schritt für Schritt entstand daraus ein Ort, an dem sich Blumenanbau, Gestaltung, Kulinarik und Bildung zu einem unternehmerischen Kosmos verbinden. Nicht aus Businessplan-Logik, sondern aus Haltung. Margrit, aus dem oberen Lavanttal gebürtig, kommt nicht aus klassischer Landwirtschaft. Modeschule in Graz, Soziologiestudium mit Schwerpunkt Entwicklungspolitik, PR und Organisationsarbeit – ihre Biografie liest sich eher wie die einer kulturellen Unternehmerin. Vielleicht erklärt gerade das, warum hier alles über Produkte hinaus erzählt wird. Ein Strauß ist nicht nur ein Strauß, ein Frühstück nicht nur Gastronomie, ein Workshop nicht bloß Veranstaltung. Alles ist Teil eines größeren Zusammenhangs, den man gesehen haben muss.
Nicht alles ist Sonnenschein
Diese Konsequenz zeigt sich in jedem Detail. Möbel aus alten Tunnelbögen. Saisonale Blumen statt Importware. Räume, deren Ästhetik wie zufällig wirkt, die aber das Ergebnis einer Symbiose von gutem Geschmack und Wissen um Materialien ist. „Wenn Dinge nicht zusammenpassen, irritiert mich das“, sagt sie. Dabei ist es nicht nur Margrits Sinn für Schönheit, der „Vom Hügel ausmacht“, sondern auch eine unternehmerische Präzision, die man so zwischen Pflanzen und Ausflugsgästen nicht erwartet hätte. Denn romantisch ist dieses Projekt keineswegs entstanden. Bürokratische Hürden, lange Genehmigungsverfahren, Corona als tiefer Einschnitt, Finanzierungsthemen – Margrit spricht offen über jene Seite des Unternehmertums, die hinter gelungenen Bildern meist unsichtbar bleibt. Gerade deshalb wirkt ihre Selbstbeschreibung bemerkenswert klar: „Was ich bin? Unternehmerin.“ Vielleicht weil sich bei ihr Naturverbundenheit und Unternehmergeist nicht widersprechen. Im Gegenteil. Wachstum, Risiko, Erneuerung – all das liest sie in natürlichen Prozessen. „Eine Blume wirft ihr Saatgut ja auch nicht zaghaft aus“, sagt sie und lacht.

Expansion: Gästehaus geplant
Diese Haltung prägt auch das Geschäftsmodell. Wer zu „Vom Hügel“ kommt, soll idealerweise nicht nur frühstücken, sondern wiederkommen: zu Workshops über Fermentation, Brotbacken oder florale Gestaltung, zu Festen, Retreats oder irgendwann vielleicht Übernachtungen im geplanten Gästehaus zwischen Blumenfeldern. Es ist ein Unternehmen, das nicht auf Expansion um jeden Preis setzt, sondern auf Verdichtung von Erlebnis, wobei gerade darin sein wirtschaftlicher Kern liegt. „Vom Hügel“ verkauft nicht Blumen oder Frühstück, sondern eine kuratierte Form von Lebensqualität, Ästhetik und Innovation.
Concept Store in Graz
Dass daraus inzwischen ein Betrieb mit sieben Hektar, zehn MitarbeiterInnen und Standort in Graz geworden ist, zeigt: Auch sehr individuelle Ideen können wirtschaftlich tragfähig sein – wenn sie konsequent gedacht sind. In Graz hat Margrit de Colle eine urbane Übersetzung dieser Idee geschaffen. Die Boutique in wunderbaren Altbauräumen mitten in der Grazer Innenstadt wirkt wie die Stadtversion der Farm, stylishe Nacherzählung einer grünen Uridee. Was in Eichkögl aus Erde, Blumen und Landschaft wächst, wird hier zu Raum, Atmosphäre und kuratiertem Lebensgefühl. Der Ort ist vielleicht der ultimative Ausdruck von Boho-Chic – allerdings ohne jede demonstrative Inszenierung, ohne modisches Pathos. Eklektisch, nachhaltig und mit großer Selbstverständlichkeit verbinden sich Vintage-Fundstücke, Naturmaterialien, Blumen, Wohnobjekte und Gastronomie zu einem Stil, der nicht dekoriert wirkt, sondern gewachsen. Kein Concept Store im üblichen Sinn, sondern ein komponierter Kosmos, in dem sich Floristik, Interior und Genuss begegnen.
Die Grazer Boutique ist damit weit mehr als zweiter Standort – sie ist urbane Schwester der Farm, ihre stilistische Übersetzung in die Stadt. Wenn Eichkögl die Quelle ist, dann ist Graz ihre elegante, zeitgenössische Erzählung. Oder, wie Margrit es formuliert: „Ich wollte irgendwann einfach wissen, wie weit ich kommen kann.“ Man glaubt ihr sofort, dass diese Reise noch nicht zu Ende ist.
ÖFFNUNGSZEITEN
STORE GRAZ, 8010 Hofgasse 7
Montag bis Samstag, 10-18 Uhr
FARM EICHKÖGL, 8322 Erbersdorf 1
Freitag, Samstag und Sonntag von 8-16 Uhr
(individuelle Termine möglich)












