Der Tool-Macher, der Europas Installateure ausrüstet

Vom Solarprüfkoffer über Branchenmedien bis zur internationalen Tool Company: Herbert Bachler hat sich in der Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche immer wieder neu erfunden.

Lieferketten unter Druck, Wartung statt Neuboom, Expansion über Importeure und ein neues Zuhause im Schloss: Unternehmer Herbert Bachler aus Mitterberg-Sankt Martin (Bezirk Liezen) baut sein Unternehmen BA-Bachler weiter aus – mit Spezialwerkzeugen, einer europaweiten Fancommunity und einem ungewöhnlich direkten Draht zu den Menschen auf der Baustelle.

Im neuen Firmensitz von Herbert Bachler riecht es nach Geschichte. Schloss Gstatt, ein traditionsreicher Bau mit ehemaligen Stallungen, alten Mauern und großzügigen Räumen, wurde Schritt für Schritt in eine neue Unternehmenszentrale verwandelt. Wo früher Pferde standen, entstanden Lager-, Produktions- und Arbeitsbereiche. Und mittendrin bewegt sich Cooper, der Hund und Firmenmaskottchen, als wäre er längst Hausherr dieses besonderen Orts.

Für Herbert Bachler ist der Umzug mehr als eine logistische Entscheidung. Es ist eine Rückkehr an einen Platz, der tief in seiner Biografie verankert ist. Als Kind war er oft im Schloss, damals bei seinen Freunden Derek und Leonhard Colloredo, mit denen er schon in der Volksschule aufwuchs. Später führten ihre Wege gemeinsam ins Stift Admont. Danach trennten sich die Lebensläufe. Jahrzehnte später griff Bachler wieder zum Telefon. Er hatte die vergangenen Jahre immer wieder nach geeigneten Flächen in Gröbming gesucht. Nun entstand in Schloss Gstatt ein Standort, der Vergangenheit, Familie, Produktion, Vertrieb und Medienarbeit miteinander verbindet.

„Back to the roots“ wäre dafür fast zu klein formuliert. Für Bachler ist Schloss Gstatt ein symbolischer Ort: Kindheitserinnerung, unternehmerisches Zukunftsprojekt und sichtbares Bekenntnis zur Region in einem.

Wachstum in einer angespannten Branche

Die Rahmenbedingungen, unter denen BA-Bachler derzeit wächst, sind alles andere als einfach. Die wirtschaftliche Lage ist angespannter geworden, Lieferketten bleiben volatil, internationale Beschaffungsmärkte sind schwer planbar. Die Antwort des Unternehmens ist konsequent: Das Lager wurde massiv aufgestockt. Bachler hält inzwischen einen Jahresbedarf im Haus, um lieferfähig zu bleiben. Zu den bekannten Kunden und Referenzen zählen Vaillant und Viessmann, neu hinzugekommen ist Buderus. Dort geht es unter anderem um Wärmepumpen und deren Wartung – ein Feld, in dem Bachler mit spezialisierten Kofferlösungen und Werkzeugen zunehmend sichtbar wird.

Auch mit Stiebel Eltron steht ein neues Projekt an. Für den Wärmepumpen-Marktführer entwickelt das Unternehmen derzeit Wartungstools für Durchlauferhitzer und Wärmepumpen.

Herbert Bachler mit Sohn Dominik, der seit Jahreswechsel zweiter Geschäftsführer der BA-Bachler Produktions GmbH ist und das internationale Tool-Geschäft mitverantwortet. Foto: BA-Bachler

Die Firma hinter den Werkzeugen

Das operative Zentrum dieses Werkzeuggeschäfts ist die BA-Bachler Produktions GmbH. Seit dem Jahreswechsel ist Sohn Dominik Bachler zweiter Geschäftsführer. Die Eigentumsverhältnisse sind klar geregelt: Herbert und Dominik halten jeweils 50 Prozent. Damit ist die Nachfolge nicht nur angekündigt, sondern strukturell vorbereitet.

Zehn Mitarbeiter umfasst das Unternehmen, darunter zwei Pensionisten, die weiterhin mit ihrer Erfahrung eingebunden sind. Dominik verantwortet vor allem das internationale Tool-Geschäft. Bruder Gerry steht für die Produktion.

Zeichnung mit verschiedenen Menschen
Das Team von BA-Bachler. Foto: BA-Bachler

BA Bachler liefert europaweit – online, über den Fachgroßhandel und zunehmend über Importeure. In zwölf Ländern ist das Unternehmen bereits vertreten oder im Aufbau. Frankreich gilt als nächster Schwerpunkt; dort ist Bachler mit einem eigenen Importeur gestartet. Ende Juni reisten Herbert und Dominik nach Großbritannien und Irland, in Birmingham stand der erste Messeauftritt bevor. Damit soll der Markteintritt offiziell angestoßen werden. Auch Griechenland, Deutschland, Slowenien und Rumänien gehören zu den Märkten, in denen das Importeursmodell aufgebaut oder erweitert wird.

Das Ziel ist klar: Das Europageschäft soll nicht zufällig wachsen, sondern systematisch über lokale Partner strukturiert werden. Bachler denkt dabei pragmatisch. Jeder Markt hat andere Gewohnheiten, andere Wartungskulturen, andere Vertriebswege. Wer dort Fuß fassen will, braucht Partner, die Sprache, Markt und Handwerk verstehen.

Eine Community, die testet, kritisiert und kauft

Ein wesentlicher Teil des Erfolgs liegt nicht im klassischen Vertrieb, sondern in Bachlers Netzwerk. Es ist eine Fachcommunity aus Installateuren, Monteuren, Kundendiensttechnikern und SHK-Influencern, die Werkzeuge auf den Social-Media-Kanälen nicht nur ansehen, sondern testen, bewerten und weiterempfehlen.

Bachler nennt diese Menschen seine wichtigsten Ideengeber. „Ich habe die Leute der Praxis, das sind meine ,Ingenieure‘ draußen“, erzählt er. Der Satz bringt seine Unternehmenslogik auf den Punkt: Entwicklung beginnt bei ihm nicht am Reißbrett, sondern im Arbeitsalltag jener, die mit engen Schächten, verschmutzten Wärmetauschern, ungünstigen Einbauwinkeln, widerspenstigen Verschraubungen und Zeitdruck umgehen müssen.

Influencer aus der Branche testen die Tools, geben Rückmeldungen, zeigen Anwendungen und tragen Produkte in ihre Fachnetzwerke. Daraus ist eine regelrechte Fancommunity entstanden – unter anderem in Frankreich, Polen und Italien. Das Besondere daran: Die Begeisterung entsteht nicht über Lifestyle-Marketing, sondern über funktionierende Lösungen. Ein Werkzeug, das eine Wartung schneller, sauberer oder sicherer macht, verbreitet sich in der Branche oft überzeugender als jede Hochglanzkampagne.

In Deutschland oder Frankreich wird auf Wartung viel mehr Wert gelegt. Die Österreicher sind Wartungsmuffel. Herbert Bachler

Wartung wird zum Zukunftsgeschäft

Bachlers Geschäftsmodell profitiert von einer strukturellen Verschiebung im Markt. Während Neuinstallationen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zurückgehen, steigt die Bedeutung der Wartung. Anlagen sollen länger laufen, effizienter arbeiten und möglichst störungsfrei funktionieren. Gerade Wärmepumpen, Heizsysteme, Boiler, Umwälzpumpen und Durchlauferhitzer brauchen regelmäßige Kontrolle und fachgerechten Service.

Dabei sieht Bachler deutliche Unterschiede zwischen den Märkten. In Deutschland werde deutlich mehr Wert auf Wartung gelegt als in Österreich. Auch in Großbritannien oder Frankreich sei das Bewusstsein stärker ausgeprägt. Österreich beschreibt er pointiert als Land der „Wartungsmuffel“.

Eine neue Zielgruppe rückt dabei ebenfalls in den Fokus: Rauchfangkehrer. Sie übernehmen immer häufiger Wartungsaufgaben im Umfeld von Wärmepumpen und Gebäudetechnik. Für Bachler eröffnet sich hier ein zusätzlicher Markt. Spezielle Wartungstools für Rauchfangkehrer sollen den Zugang zu dieser Berufsgruppe erleichtern.

Vom Solarprüfkoffer zur Wärmepumpenreinigung

Dass Bachler Marktlücken erkennt, zeigte sich bereits in den 1990er-Jahren. Damals gelang ihm mit dem Solarprüfkoffer der Durchbruch. In der aufkommenden Solarbranche war das Produkt für viele Installateure ein praktischer Begleiter. Mehr als 50.000 Stück wurden weltweit verkauft. Der Koffer machte Bachler in der Branche bekannt und zeigte früh, was später sein Prinzip werden sollte: technische Probleme in handliche, praxistaugliche Lösungen übersetzen.

Heute stehen andere Technologien im Zentrum. Wärmepumpenreinigung, Wartungskoffer, Spezialwerkzeuge für Kundendiensttechniker, Reinigungslösungen für Heizgeräte, Boiler und hydraulische Komponenten: Die Produkte von BA-Bachler setzen dort an, wo große Hersteller häufig nur indirekt präsent sind. Sie bauen Geräte, Bachler entwickelt die Tools, mit denen diese Geräte später gewartet, gereinigt oder überprüft werden können.

Neue innovative Produkte

Bachler und sein Team arbeiten an einer Reihe neuer Produkte. Eines davon ist ein Spezialboilerschlüssel. Die Idee klingt einfach, ist aber aus der Praxis geboren. Boiler verfügen häufig über Elektropatronen, die unter ungünstigen Winkeln zugänglich sind. Herkömmliche Werkzeuge beschädigen leicht die Isolierung oder greifen nicht sauber. Der von Bachler entwickelte Schlüssel ist so konstruiert, dass er im richtigen Winkel ansetzt, exakt passt und robust genug für den harten Einsatz im Kundendienst ist.

Ein weiteres Projekt ist der Thesi-Thermoregler, an dem mehr als zwei Jahre entwickelt wurde. Das Gerät richtet sich an Servicetechniker, die vor Ort unterschiedliche Fühlertypen in Heiz- und Warmwassergeräten prüfen müssen. In der Praxis stellt sich häufig die Frage, welcher Fühler verbaut ist und wie sich das Gerät im Betrieb verhält. Der Regler soll verschiedene Fühler simulieren können und damit die Diagnose erleichtern. Auch bei Umwälzpumpen soll sich simulieren lassen, welche Drehzahl die Pumpe hat.

Zusätzlich hat BA-Bachler das Thema Baustellentrocknung und Entfeuchtung ins Programm aufgenommen. Dazu gehören Bautrockner im System, große Bauföne, Stromzähler sowie Baustellen- und Wohnraumtrockner mit HEPA-Filter. Der Einstieg in dieses Segment begann gegen Jahresende und erweitert das Portfolio um ein Feld, das im Bau- und Sanierungsbereich hohe praktische Relevanz hat.

Kommunikation als Geschäftsmodell

Bachler ist nicht nur Entwickler und Händler, sondern auch Medienmacher. Mit InstallateurTV und dem Installateur-Podcast hat er der SHK-Branche eine eigene Bühne gegeben. Mehr als 120 Podcast-Folgen sind inzwischen erschienen, mit Gästen aus Industrie, Messewesen, Unternehmertum und Handwerk. Die Reichweiten sind beachtlich: Einzelne Episoden erreichen bis zu 30.000 Menschen.

2020 wurde Bachler vom Land Steiermark als „Kommunikator des Jahres“ ausgezeichnet. Wer zuhört, erkennt früher, wo der Schuh drückt. Und Ideen gibt es offenbar mehr als genug. Bachler erzählt, es kämen so viele Vorschläge aus seinem Netzwerk, dass sein Unternehmen gar nicht alles umsetzen könne.

Drei Männer und eine Frau in Tracht. Sie halten eine Auszeichnung in ihren Händen.
Kommunikator des Jahres 2020. Foto: BA-Bachler

Die Umwege des Unternehmers

Mann auf der Bühne vor einem Pult. Im Hintergrund eine digitale Präsentation mit einem X-Bucket
Herbert Bachler stellte auf der Energiesparmesse Wels seine Produkte vor. Foto: BA-Bachler

Der Weg zu dieser Position war nicht geradlinig. Nach dem Erfolg mit dem Solarprüfkoffer geriet Bachler in wirtschaftlich schwierige Phasen, als der Solarmarkt einbrach. Er versuchte sich zeitweise mit einer Bar und einer eigenen Lederhosenlinie. Die Resonanz war überraschend groß. Seine Mode erreichte Musiker, TV-Formate und bekannte Bühnen, sogar eine Anfrage aus Beverly Hills stand im Raum.

Doch gesundheitliche Gründe zwangen ihn, die Pläne zu stoppen. Das Comeback gelang nicht durch Glamour, sondern durch Rückbesinnung: auf Handwerk, Technik, Fachleute und jene Probleme, die im Alltag wirklich gelöst werden müssen.

Für Herbert Bachler beginnt sie dort, wo ein Monteur flucht, weil ein Werkzeug nicht passt. Dort, wo ein Servicetechniker Zeit verliert. Dort, wo ein Gerät zwar technisch ausgereift ist, aber seine spätere Wartung zu wenig bedacht wurde.

 

BA-Bachler

Tina Tritscher
Tina Tritscher
Autorin | Steiermark
Ressorts: Life | Style, Schaffens | Kraft, Hart | Herzlich
tritscher@mut-magazin.at

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